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Dienstag, 26. August 2008

Lenin, Stalin, Jelzin, Putin

Lässt man sich vom bloßen Klang der Worte leiten, so könnte man bei Putin schnell an Puschkin sowie dessen guten Kameraden aus Petersburger Tagen, Iwan Puschtschin, denken. Doch weit gefehlt, Putin, diese Einparteitagsfliege, ist ohne jegliche Poesie. Stattdessen reiht sich dieser Hijo de Putin (nicht nur klanglich) in die Abfolge russischer Diktaturzaren ein: Lenin, Stalin, Jelzin, Putin. Lenin war ein radikaler Revolutionär, Stalin ein radikaler Massenmörder, Jelzin ein radikaler Wodkatrinker - und Putin ist ein radikaler Politicker, denn er politickt ja wohl nicht richtig.

Georgien und Armenien sind Europa

Georgien liegt jenseits des Schwarzen Meeres und hinter den sieben Bergen des Kaukasus. Trotzdem gehört Georgien kulturell ebenso wie Armenien zu Europa. Diese beiden Staaten stellen die ältesten christlichen Kulturen der Erde dar und liegen heute isoliert inmitten einer islamischen Welt (Türkei, Iran und Aserbaidschan). Schön wäre es, wenn alle Völker vor Ort Ringelpietz mit anfassen spielen würden, aber dem ist nicht so. Die Aserbaidschaner können die Armenier wegen der Unruhen von Bergkarabach nicht leiden und die Armenier hassen die Türken aufgrund eines Völkermords von 1916. In Georgien ist die Situation ähnlich vermient.

Georgia On My Mind

Lenins bunte Truppe annektierte 1922 das seit 1918 unabhängige Georgien erneut; bereits 1801 hatte der Zar Alexander I. Georgien seinem Reich einverleibt. Krieg ist eine russische Kontinuität. Wie auch sonst konnte die Sowjetunion – sprich Russland – zum größten Staatswesen der Welt werden?

Nach dem Nichtangriffspakt mit Hitler marschierte die Rote Armee 1939 in die baltischen Republiken Litauen, Lettland, Estland ein und versuchte mit kriegerischen Mitteln, auch Finnland zur Sowjetrepublik(!) zu machen. Polen wurde zur Hälfte besetzt, 4000 polnische Offiziere im Massenmord von Katyn beseitigt. 1956 marschierte die Rote Armee in Ungarn, 1968 in die Tschechoslowakei und 1979 in Afghanistan ein. Nach zehn Jahren sinnlosen Sterbens zogen sich die Russen 1989 aus Afghanistan zurück, gegen den Guerillakrieg der Mudschaheddin konnten sie ebensowenig ausrichten wie heute die Uno-Friedenstruppen gegen die Taliban.

Quid pro quo

Wieder besetzt Russland georgisches Territorium, zum dritten Mal in seiner Geschichte. Moskau kann einfach nicht loslassen. Scheinheilig fordert die russische Regierung – sprich Putin – das Selbstbestimmungsrecht der Abchasen und der Ossis in Südossetien. Klar – diese beiden kaukasischen Zwergstaaten wären dann so abhängig von Russland wie ein Säugling von der Mutterbrust. Auf der russischen Seite des Kaukasus gibt es allerdings auch ein paar Talbewohner, denen Moskau seit Jahren die Selbstbestimmung verweigert: Tschetschenien und Dagestan.

Der Westen versucht nun, durch Drohungen (USA, Frankreich) und Diplomatie (Deutschland) Moskau zum Rückzug aus Georgien zu bewegen. Könnter knicken! Russland wird Abchasien und Südossetien niemals hergeben, da nützen alle Drohgebärden nichts. Wir sind von Russland (Erdgas, Erdöl, Absatzmarkt) abhängig, Russland weniger von uns.

Mein Vorschlag an den Westen: Tötet Putin und bewaffnet den Kaukasus!

Durch den direkten Vergleich Lenin-Stalin oder Breschnew-Gorbatschow kann man sehen, wie stark der Einfluss eines Einzelnen auf den Regierungsstil ist. Ein Attentat auf Putin wäre da schon mal ein positiver Anfang. Durch die Bewaffnung der Tschetschenen und Georgier könnten die Russen ihr zweites Afghanistan erleben. General Boris Gromow, der am 15. Februar 1989 als letzter den Grenzfluss Amu Darja Richtung Heimat überquerte, kann sich bestimmt noch an diese Schlappe erinnern. Da schlägt man mehrere Fliegen mit einer Klappe: Deutschland als großer Waffenexporteur (wird immer vergessen zu erwähnen) könnte seine schwächelnde Wirtschaft ankurbeln und Russland wäre so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass es keine neuen, gefährlicheren Dummheiten aushecken kann.

Wir gegen Dschugaschwili

Was, bitteschön, hat das alles mit der Stahlinstadt zu tun? Ganz einfach. Eisenhüttenstadt wurde einst nach dem sowjetischen Diktator J. W. Stalin benannt. (Würde die DDR noch existieren, hieße es wohl schon Putinstadt.) Stalin war ein Nickname und bedeutet: der Stählerne. Stalin wurde im georgischen Gori geboren und heißt eigentlich J. W. Dschugaschwili. Das klingt nicht zufällig nach Micheil Saakaschwili, denn georgische Familiennamen enden oft auf -wili. Stalin war unter Lenins Regierung Kommissar für Nationalitätenfragen und somit zuständig für die Eingliederung Georgiens als Grusinische Sowjetrepublik. Wohl hat Stalin seinem Geburtsland großzügig Gebiete zugeschlagen, was eine der Ursachen für die aktuellen Konflikte zu sein scheint. Ich glaube, die Geogier sind nicht so stolz auf ihren Landsmann Stalin wie viele Russen, darunter vor allem die Altkommunisten.

Ich schrieb am Anfang, Putins Name sei ohne jede Poesie. Das stimmt so nicht ganz, der Vorname inspirierte mich zu einem Gedicht, welches ich Vladimir Vladimirowitsch Putin widmen möchte. Es heißt: Vladimir, so ich dir*

O Vladimir / ich träum von dir / wie ich dir / als Barbier / deinen Schädel abrasier / die Beherrschung dann verlier / dich dann köpfe und kastrier / das Blut im ganzen Raum verschmier / Vladimir / so ich dir.

* Vladimir, ich vertrau auf deine guten Deutschkenntnisse.

Kommentare:

  1. "Lenin, Stalin, Jelzin, Putin" - das erinnert mich an meine Lieblingssendung im russischen Unterhaltungsfernsehen: Vier gegen Wili.
    Die habe ich immer im Auslandsdienst in Johanngeorgienstadt gemeinsam mit den Genossen Willi Millowitsch und Wladi Mirowitsch gesehen. Wegen der Luftverschmutzung hieß die Gegend übrigens Schwarzrußland.
    Wir wetteten immer darauf, was beim Hamstern herauskommt und der Wladi war jedesmal der - Achtung für Insider - VerLIREr. Danach sangen wird: "Es ist ein Ruß entsprungen" und dann gab es für ihn statt Torte- nur Mussolini. Entsprechend geschädigt verliess der wutschnaubende Möchtegern Giacomo Putini unseren Sachsendreier. Dabei drohte er uns: "Eines Tages komm i med Wedew wieder."
    Und da ist der Vladimir Platin nun und schickt die uniformen Putin-Ager, denen er vorher noch Krims Märchen einbläute, auf die Walz, während Coca Cola immerhin das Getränk zur aktuellen Weltpolitik bereithält: The Spirit of Georgia - Erfrischung in bester Tradition!

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  2. Na, du falscher Kaminer und Ofensetzer. Ick bezweifle ja, dass du wirklich so heißest...

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