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Freitag, 29. August 2008

Puschkins Märchen vom goldenen Hahn

Saß einmal, vor langen Zeiten,
Irgendwo im neunmalweiten
Zarenreich im Kreml drin
Der berühmte Zar Putin.
Einst, in seinen jungen Jahren,
Der gefürchtetste der Zaren,
Führt' er tapfer Streich auf Streich
Gegen manches Nachbarreich.
Als das Alter aber nahte,
Blieb er still in seinem Staate
Und beschloss, in Frieden nun
Nichts zu tun - als auszuruhn.
Doch die Nachbarn seines Reiches
Taten jetzt dem Zar ein Gleiches
Und bedrohten überall
Ihn mit Krieg und Überfall.
Und die Feldherrn mit dem Heere
Setzten wacker sich zur Wehre,
Stritten spät und stritten früh -
Doch vergebens war die Müh.
Stehn sie weit im Westen Posten,
Schlüpft der Feind ins Land von Osten...

Donnerstag, 28. August 2008

FRECHHEIT: Auch USA haben ihr Gregorien


Gerade erst haben wir uns an die Tatsache gewöhnen müssen, dass sich der Irak für die USA zum zweiten Vietnam und Georgien für Russland zum zweiten Afghanistan entwickelt. Nun verlautbart eine Studie der UNOX, dass der Georgienkonflikt bereits einen Vorläufer hatte, und zwar in den Vereinten Staaten von Amerika. Auch gibt es einige Parallelen. Euer ergebener Erzähler Andi Leser hat sich die 800-Seiten-Studie gestern Abend vorgenommen und gibt hier die wichtigsten Punkte und Auszüge wider. Ich bitte um Entschuldigung für die aufgrund der Zeitknappheit etwas grobe Zusammenstellung und die eventuell holprigen Übersetzungen.

Die Anfänge reichen der Studie zufolge zurück ins Jahr 1776. Damals proklamierten dreizehn amerikanische Staaten, unter ihnen auch Greorgien, ihre Unabhängigkeit vom Britischen Kolonialreich. Gregorien wurde zum unabhängigen Bundesstaat; mit der Hauptstadt Atlanta und einer überwiegend schwarzen Bevölkerung. Durch den Zuzug weißer Siedler wurden die farbigen Ureinwohner schon bald zur Minderheit im eigenen Land. Bereits 1893 musste Booker T. Washington in seiner Atlanta Exposition Address bekennen: "[Only] one-third of the population of the South is of the Negro race."*

Es kam zu aufkeimenden Russenunruhen im Vielvölkergemisch des Südens. Um 1850 erklärten mehrere Kaukasusrepubliken ihre Unabhängigkeit von Washington, darunter die Staaten Sweet Home Alabama, Sweet Georgia Brown, South Cornelia, Tennissee sowie Mister- und Mississippi. Deren Lossagung wurde jedoch von Washington nicht anerkannt, sondern von Präsident Abraham Lincoln als "armed rebellion against the authority and government of the United States" betrachtet. (Quelle: The Emancipation Proclamation, 1863)**

Es kam zum Einmarsch der Regierungstruppen in den Süden und somit zum offenen Befreiungskrieg. Dazu der US-Präsident 1863 in seiner vielzitierten Rede von Gettysburg: "Now we are engaged in a great civil war, testing wether that nation, or any nation so conceived and so dedicated, can long endure."*** Das Ende vom Lied: Der Norden gewann den Krieg, der Süden hatte verloren und Gregorien musste im amerikanischen Reich verbleiben.

Doch der Traum von der Freiheit war noch lange nicht ausgeträumt. Genau einhundert Jahre später noch schildert der im georgischen Atlanta geborene Prediger Martin Luther King junior seinen Traum: "I have a dream that one day on the red hills of Georgia sons of former slaves and the sons of former slave-owners will be able to sit down together at the table of brotherhood. Let freedom ring from Stone Mountain of Georgia. Let freedom ring." (Quelle: I Have A Dream Speech, 1963)****

Immer mehr Schwarze waren bestrebt, Georgien zu verlassen. Sie zogen in den Norden, um den immer mal wieder aufflammenden Befreiungskriegen zu entgehen. Zum Beispiel stammt der Vater von Malcolm Little aka Malcolm X aus Greorgien: "He was a real Georgia Negro, and he believed in eating plenty of what we in Harlem today call 'soul food'." (Quelle: The Autobiography of Malcolm X)*****

Auch der Godfather of Soul, James Brown (Tax Machine, Living in America), wuchs in Gregorien auf und musste als Kind in der Stadt Augusta Bekanntschaft mit Armut, Kriminalität und Russenunruhen machen. In einer Baptistengemeinde hörte er zum ersten Mal die berühmten Greorgianischen Gesänge, die wir Mitteleuropäer als Spirituals und Gospel bezeichnen.

Heute ist Georgia nahezu russifiziert und ein fester Bestandteil der Union der amerikanischen Sowjetrepubliken. Kaum ein Schwarzer kennt noch seine Muttersprache, seine kulturellen Wurzeln (Roots) sind nahezu verdorrt. Marcus Garvey gilt als gescheiterter Reeder, Muhammad Ali als Kriegsdienstverweigerer. 1996 fanden die Olympischen Sommerspielchen in Atlanta statt, und auch die Fußballweltmeisterschaft von 1994 in den USA wurde teilweise in Georgien ausgetragen. Die greorgische Nation wurde assimiliert, so das Fazit der UNOX-Studie.

Foto: Mohnfeld in Gregorien
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* Nur noch ein Drittel der Bevölkerung des Südens ist beim Wettrennen der Neger dabei.
** bewaffnete Rebellion gegen die Autorität und die Regierung der Vereinten Staaten
*** Jetzt sind wir mit einem großen Bürgerkrieg verlobt, um herauszufinden, ob diese Nation oder jede andere Nation, die auf diese Weise geschwängert und so treu umsorgt wurde, lange bestehen kann.
**** Ich habe den Traum, dass auf den roten Hügeln von Georgien eines Tages die Söhne von früheren Slawen und die Söhne von früheren Slawenbesitzern am Tisch der Bruderschaft beisammen sitzen. Lasst Freiheit regnen von den Steinernen Bergen Georgiens. Lasst Freiheit regnen.
***** Er war ein echter Georgischer Schwarzer und aß Unmengen von so genanntem Seelenfutter.

Dienstag, 26. August 2008

Lenin, Stalin, Jelzin, Putin

Lässt man sich vom bloßen Klang der Worte leiten, so könnte man bei Putin schnell an Puschkin sowie dessen guten Kameraden aus Petersburger Tagen, Iwan Puschtschin, denken. Doch weit gefehlt, Putin, diese Einparteitagsfliege, ist ohne jegliche Poesie. Stattdessen reiht sich dieser Hijo de Putin (nicht nur klanglich) in die Abfolge russischer Diktaturzaren ein: Lenin, Stalin, Jelzin, Putin. Lenin war ein radikaler Revolutionär, Stalin ein radikaler Massenmörder, Jelzin ein radikaler Wodkatrinker - und Putin ist ein radikaler Politicker, denn er politickt ja wohl nicht richtig.

Georgien und Armenien sind Europa

Georgien liegt jenseits des Schwarzen Meeres und hinter den sieben Bergen des Kaukasus. Trotzdem gehört Georgien kulturell ebenso wie Armenien zu Europa. Diese beiden Staaten stellen die ältesten christlichen Kulturen der Erde dar und liegen heute isoliert inmitten einer islamischen Welt (Türkei, Iran und Aserbaidschan). Schön wäre es, wenn alle Völker vor Ort Ringelpietz mit anfassen spielen würden, aber dem ist nicht so. Die Aserbaidschaner können die Armenier wegen der Unruhen von Bergkarabach nicht leiden und die Armenier hassen die Türken aufgrund eines Völkermords von 1916. In Georgien ist die Situation ähnlich vermient.

Georgia On My Mind

Lenins bunte Truppe annektierte 1922 das seit 1918 unabhängige Georgien erneut; bereits 1801 hatte der Zar Alexander I. Georgien seinem Reich einverleibt. Krieg ist eine russische Kontinuität. Wie auch sonst konnte die Sowjetunion – sprich Russland – zum größten Staatswesen der Welt werden?

Nach dem Nichtangriffspakt mit Hitler marschierte die Rote Armee 1939 in die baltischen Republiken Litauen, Lettland, Estland ein und versuchte mit kriegerischen Mitteln, auch Finnland zur Sowjetrepublik(!) zu machen. Polen wurde zur Hälfte besetzt, 4000 polnische Offiziere im Massenmord von Katyn beseitigt. 1956 marschierte die Rote Armee in Ungarn, 1968 in die Tschechoslowakei und 1979 in Afghanistan ein. Nach zehn Jahren sinnlosen Sterbens zogen sich die Russen 1989 aus Afghanistan zurück, gegen den Guerillakrieg der Mudschaheddin konnten sie ebensowenig ausrichten wie heute die Uno-Friedenstruppen gegen die Taliban.

Quid pro quo

Wieder besetzt Russland georgisches Territorium, zum dritten Mal in seiner Geschichte. Moskau kann einfach nicht loslassen. Scheinheilig fordert die russische Regierung – sprich Putin – das Selbstbestimmungsrecht der Abchasen und der Ossis in Südossetien. Klar – diese beiden kaukasischen Zwergstaaten wären dann so abhängig von Russland wie ein Säugling von der Mutterbrust. Auf der russischen Seite des Kaukasus gibt es allerdings auch ein paar Talbewohner, denen Moskau seit Jahren die Selbstbestimmung verweigert: Tschetschenien und Dagestan.

Der Westen versucht nun, durch Drohungen (USA, Frankreich) und Diplomatie (Deutschland) Moskau zum Rückzug aus Georgien zu bewegen. Könnter knicken! Russland wird Abchasien und Südossetien niemals hergeben, da nützen alle Drohgebärden nichts. Wir sind von Russland (Erdgas, Erdöl, Absatzmarkt) abhängig, Russland weniger von uns.

Mein Vorschlag an den Westen: Tötet Putin und bewaffnet den Kaukasus!

Durch den direkten Vergleich Lenin-Stalin oder Breschnew-Gorbatschow kann man sehen, wie stark der Einfluss eines Einzelnen auf den Regierungsstil ist. Ein Attentat auf Putin wäre da schon mal ein positiver Anfang. Durch die Bewaffnung der Tschetschenen und Georgier könnten die Russen ihr zweites Afghanistan erleben. General Boris Gromow, der am 15. Februar 1989 als letzter den Grenzfluss Amu Darja Richtung Heimat überquerte, kann sich bestimmt noch an diese Schlappe erinnern. Da schlägt man mehrere Fliegen mit einer Klappe: Deutschland als großer Waffenexporteur (wird immer vergessen zu erwähnen) könnte seine schwächelnde Wirtschaft ankurbeln und Russland wäre so sehr mit sich selbst beschäftigt, dass es keine neuen, gefährlicheren Dummheiten aushecken kann.

Wir gegen Dschugaschwili

Was, bitteschön, hat das alles mit der Stahlinstadt zu tun? Ganz einfach. Eisenhüttenstadt wurde einst nach dem sowjetischen Diktator J. W. Stalin benannt. (Würde die DDR noch existieren, hieße es wohl schon Putinstadt.) Stalin war ein Nickname und bedeutet: der Stählerne. Stalin wurde im georgischen Gori geboren und heißt eigentlich J. W. Dschugaschwili. Das klingt nicht zufällig nach Micheil Saakaschwili, denn georgische Familiennamen enden oft auf -wili. Stalin war unter Lenins Regierung Kommissar für Nationalitätenfragen und somit zuständig für die Eingliederung Georgiens als Grusinische Sowjetrepublik. Wohl hat Stalin seinem Geburtsland großzügig Gebiete zugeschlagen, was eine der Ursachen für die aktuellen Konflikte zu sein scheint. Ich glaube, die Geogier sind nicht so stolz auf ihren Landsmann Stalin wie viele Russen, darunter vor allem die Altkommunisten.

Ich schrieb am Anfang, Putins Name sei ohne jede Poesie. Das stimmt so nicht ganz, der Vorname inspirierte mich zu einem Gedicht, welches ich Vladimir Vladimirowitsch Putin widmen möchte. Es heißt: Vladimir, so ich dir*

O Vladimir / ich träum von dir / wie ich dir / als Barbier / deinen Schädel abrasier / die Beherrschung dann verlier / dich dann köpfe und kastrier / das Blut im ganzen Raum verschmier / Vladimir / so ich dir.

* Vladimir, ich vertrau auf deine guten Deutschkenntnisse.

Dienstag, 12. August 2008

Die Balkanisierung des Kaukasus

Das hatte sich der georgische Präsident Micheil Saakaschwili sicherlich ganz anders ausgemalt. Der starke Mann hatte das seit 15 Jahren anhaltende diplomatische Gesäusel satt und wollte nun mit Gewalt (und erhoffter Unterstützung der NATO) die Ordnung im Land wiederherstellen. Und zwar in den Grenzen, die einstmals von der Sowjetunion - sprich Russland - für Georgien festgelegt worden waren. Die Sowjetunion existiert nicht mehr, Russland und Georgien sind seit längerem selbständige Staaten.

Doch auch in Moskau regieren starke Männer mit knallharten Gesichtern. Wladimir Wladimirowitsch, ein Hijo de Putin von einem Ministerpräsidenten, sowie sein übergeordneter Untergebener Dimitri Medwedew haben den Befehl gegeben, Georgien zu überfallen, um die dortige russische Minderheit zu beschützen. Denn Moskau sieht sich als Anwalt der einst in den georgischen Provinzen Südossetien und Abchasien angesiedelten Russen. Das bedeutet KRIEG.

Der Kaukasus Knaxus

Am liebsten wäre es Putin und seinen Strategen, wenn sich das georgische Südossetien dem russischen Nordossetien anschließen würde. Damit verlangt Russland etwas, was es selbst verweigert: Autonomie im Kaukasus. (Der Kaukasus ist so etwas wie der Balkan, nur ohne Jugoslawen und Albaner.) Moskau hat seit Jahren Huddeleien mit seiner Kaukasusprovinz Tschetschenien. Die Tschetschenen wollen nicht mehr zum Russischen Reich gehören und machen hierfür auch schon mal einen auf Terrorismus. Längst vorbei sind die friedlichen Zeiten, da Puschkin dichten konnte:

Ja, wahrhaft schön, bewunderswert
ist ein Tschetschene hoch zu Pferd.
Ob müßig, bei der Arbeit Hitze,
nie trennt er sich von seiner Mütze.

Doch zurück zu Georgien. Das Land, das so lebensfroh klingt, weil es an Sweet Georgia Brown und an Orgien erinnert, hat in diesem Konflikt nur eine Chance - nämlich gar keine! Russland hat das Land schon fast komplett besetzt ("nur eine Militärübung") und kann nun seine Spielregeln diktieren. Wir dürfen uns auf viele, viele Jahre mit Nachrichten über Guerillakämpfe und georgischen Terrorismus gefasst machen, denke ich. Wie viele Menschen müssen denn da noch sinnlos sterben?

Moskaus Russentheorie

Aber das ist erst der Anfang. In der Ukraine leben rund 25 Prozent Russen, in Lettland sind es beinahe 40%. Auch in Deutschland lebt eine zunehmende Zahl von Russlanddeutschen, Deutschrussen, russischen Juden und echten Russen. Zum Beispiel in Berlin und Eisenhüttenstadt. Droht uns nun die Zwangseinführung des kyrillischen Alphabets in Form von Russisch Brot? Auch hier behält sich Moskau nach internen Meldungen das letzte Wort über den Minderheitenschutz und einen atomaren Erstschlag vor... Selbst Putins Busenkumpel, der Erdgasprommi Gerhard Schröder, dürfte davon nicht begeistert sein, hatte er doch in seiner Amtszeit den atomaren Ausstieg für Deutschland beschlossen...

Was - dumme Witze? Es herrscht Krieg, Leute! Was davon ist wirklich dumm?

Freitag, 8. August 2008

Die Linden Alley


"Es gibt nichts Schöneres als die Lindenallee, wenigstens nicht in Eisenhüttenstadt; für die Stadt bedeutet sie alles. Kaum betrittst du die Lindenallee, riecht es auch schon nach Bummeln. Du hast eine dringende Angelegenheit zu erledigen und betrittst sie - du vergisst jede dringende Angelegenheit. Hier ist der einzige Ort, wo die Menschen nicht aus Notwendigkeit erscheinen. Die Lindenallee ist das allgemeine Verkehrszentrum der Stahlinstadt. Der Bewohner der Werksiedlung oder des VI. Wohnkomplexes, der schon jahrelang nicht mehr bei seinen Freunden in Fürstenberg oder Schönfließ gewesen ist, kann sicher sein, sie hier zu treffen. Kein Adressbuch und keine Auskunftei liefern so verlässliche Neuigkeiten wie die Lindenallee. O allmächtige Lindenalley! Du einzige Zerstreuung der an Spazierwegen armen Stahlinstadt...

Hier werdet ihr einem einzigartigen Lächeln begegnen, einem Lächeln, über alle Kunst erhaben. Hier werdet ihr Leuten begegnen, die sich mit einem hohen Gefühl der eigenen Würde über ein Konzert auf der Freilichtbühne oder das Wetter unterhalten. Hier werdet ihr tausend unvollstellbaren Charakteren und Erscheinungen begegnen. Ihr glaubt, dass dieser Herr dort, der in einem vornehm geschneiderten Gehrock spazierengeht, sehr reich ist? Keine Spur! Er besteht einzig aus seinem Gehrock..."

Der diese poetischen Zeilen schrieb, heißt nicht Ben Kaden. Es war auch nicht euer ergebener Erzähler Andi Leser, nein, diese Zeilen schrieb Alexander Puschkins Zeitgenosse ("Sowremennik") Nikolas Gogol. Und das bereits 1835. Allerdings über den Petersburger Newskijprospekt und nicht über die Lindenallee, und das auch noch auf Russisch und nicht auf Deutsch.

Doch was liegt näher, in einer Stadt, deren breite Straßen an russische Städte wie Magnetogorsk, Saporoschje, Minsk oder eben an Petersburg denken lassen, für russische Literatur zu schwärmen! Die Pawlowallee lädt geradezu ein, sich mit einem Buch von Bulgakow, Samjatin oder Daniil Charms ("Puschkin oder Gogol" in Fälle) einzufinden und die Olympiade als Peking-Ente abzutun. Lassen wir das Fernsehen sein, was es zu sein vorgibt: ein Kamin, der nicht wärmt (bis auf die alten russischen Modelle von Raduga). Amüsieren wir uns lieber für eine Stunde oder zwei mit Bulgakows "Teufeliaden" oder Gogols "Mantel", denn wir alle kommen vom Mantel her.

Dienstag, 5. August 2008

Priesterkönig will in Ost-Deutschland in West-Tieren

Wie die Merkwürdige Oderzeitung in ihrer aktuellen Ausgabe mitteilt, drohen Eisenhüttenstadt demnächst Investionen in ungeahnter Höhe. Dies gehe aus einem Brief hervor, den Werner Reiner vor einigen Tagen erhalten habe. Der stellvertretende Bürgermeister unterbrach eigens seinen Sommerurlaub, um den Namen des neuen Großinvestors den versammelten Journalisten bekannt zu geben.

Es handelt sich hierbei um den sagenhaften Priesterkönig Johannes, der im Morgenmantel als eine Art Sultan herrsche und über ungeahnten Reichtum verfüge. Der Priesterkönig gedenke, im Osten Deutschlands eine Manufaktur zu errichten, die Blei in Gold verwandeln könne und umgekehrt. Als möglicher Standort käme auch Eisenhüttenstadt wegen seiner bereits bestehenden Stahlmanufaktur und seiner Nähe zum Oderstrom in Frage.

Erich Apitz, der bekannte Kartograf und Vorsitzende der Eisenhüttenstädter Fürstenvereinigung, gab sich gewohnt skeptisch. Er verwies auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre. Schon einmal habe eine Investorengruppe aus dem Morgenland (Caspar, David & Friederich) die Einrichtung einer neuen Fabrik und die Schaffung unendlich vieler Arbeitsplätze versprochen und sich dann nicht mehr gemeldet. Wie schon damals sei auch diesmal die genaue Absenderadresse nicht bekannt. Die einen nennen den indischen Suppenkontinent als Sitz des Priesterkönigs, die anderen vermuten dessen Hauptstadt Bibrich in Äthiopien.

Der stellvertretende Bürgermeister Werner Reiner bleibt optimistisch. Er feile bereits an einem Antwortschreiben, welches er einem Handelsreisenden des indischen EKO-Eigners Mittal mitzugeben gedenke. "Immerhin ist der Priesterkönig einer der ältesten und mächtigsten Herrscher der Welt, wir sollten ihm vertrauen", sagte Reiner. Laut seinen eigenen Worten sind dem Presbyter Johannes 72 Könige tributpflichtig, mehr als 365 Völker leben in seinem Reich. Dazu gehören Skiapoden, Satyrn, Vampire, Giganten, Zyklopen, Hundsköpfige, Orks, Menschenfresser, Fischesser und Mitesser. Auch leben seltene Tiere dort: weiße Panther, schwarze Eisbären, rote Löwen, Greifen, Fangen, Gottesverflucherinnen, Schildkröten, die nie sterben, Rennpfeffer, Honigskorpione, Ollifanten sowie der sagenhafte Vogel Phönix. Und wenn sie nicht ausgestorben sind, so haben sie vielleicht niemals gelebt.

Freitag, 1. August 2008

Radiowahn Karachovic vor Gericht


Damit hatte nach über zehn Jahren wohl kaum noch jemand gerechnet. Am wenigsten er selbst. Sorbenführer Radiowahn Karachović, verantwortlich für den Genitiv an der Bevölkerung von Schiedlo und Hörnchen, kommt wegen Sabine-, Michaela-, Karl-Heinz-, Petra-, Burkhard- und Volkermord vor Gericht. Das verkündete der Chefankläger des Internationalen Gerichtshofs Den Reed.

Der gelernte KZ-Mechaniker und Kinderpsychologe (Abbildung dämlich) kämpfte 1995 um einen eigenständigen sorbischen Staat in der Lausitz. Hierbei war er durch besondere Grausamkeit in Erscheinung getreten und hatte unter anderem einen Waldbrand und zwei ganze Dörfer ausgelöscht. Das kleine Dörfchen Hörnchen, zwischen Fünfeichen und Möbiskruge gelegen, ist heute völlig von der Landkarte verschwunden und existiert nur noch in Flurnamen wie Hörnchenwiese, Hörnchenpfuhl und Eichhörnchen. Die Wüstung Hörnchen wurde inzwischen aufgeforstet und dient als Hutung. Auch das vormalige Afterlehen Schiedlo ist heute eine Wüstung.

Karachović stand lange Zeit unter General Verdacht, bis dieser durch eine Katzenstreubombe aus deutscher Produktion getötet wurde und Karachović dessen Posten übernahm. Der Kleinkrieg des Sorbenführers hatte seinerzeit die deutsch-polnischen Beziehungen arg belastet, denn Karachović operierte von geheimen Stellungen in Rampitz und Kloppitz jenseits der Neiße. Mitte Juli war Karachović auf deutscher Seite in Bombsdorf festgenommen worden, wo er sich seit mehreren Jahren unter dem Pseudonym Milos Milošević als Züchtiger von Heidschnucken verdingte.

Foto: Ben Nemsi