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Freitag, 5. Oktober 2007

Tränen im Gesicht

Ein Gedicht von Rote Welle

Licht, was nicht brennt.
Alles um mich herum dunkel.
Hoffnungslos das Leben,
sinnlos der Tod.
Leben ohne Gnade im Gefängnis der Welt.
Macht, dies zu ändern?
Mut zu entfliehen?
Weißbischwarzkontrast zu allem.
Ohne Ausweg, ohne Ziel.
Bekenntnis ist Macht,
Macht ist Bekenntnis.
Der Macht der Welt zu entfliehen ist schwer.

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Den einen holt die Geschichte ein, den anderen die Gedichte. Es gab eine Zeit, da war euer ergebener Erzähler Andi Leser der Editor einer berühmt-berüchtigten Stadtjugendzeitung namens ZIELSCHEIBE, laut Impressum: "Erdacht, gemacht und belacht in Eisenhüttenstadt."

Mein Job war es, die Texte begabter Jungautoren zu editieren und in besagter Zeitung zu publicieren. Da die Zielscheibe berühmt-berüchtigt war (Wir hatten sogar ein Verfahren wegen angeblicher Pornografie und Gewaltverherrlichung am Hals; Dank nochmals an Dana Micke von der MOZ!), konnte es passieren, dass ich auch in meiner Freizeit angesprochen und mit Texten versorgt wurde.

So auch geschehen im März/April 1997. Nach einem Punkkonzert im Café Olé entdeckte ich in meiner Jackentasche ein Gedicht ohne zuordenbaren Namen. Der Genuss psychedelischer Substanzen hatte wohl mein Gedächtnis getrübt und ich wusste nun nicht mehr, wie ich zu diesem kleinkarierten Zettel gekommen war. Dennoch nahm ich dessen Inhalt mit auf die Gedichtseite der ZIELSCHEIBE, Ausgabe 22, vom April 1997 und signierte mit dem zutreffenden Zu-Satz "Anonym, weil einfach so in meiner Jackentasche gefunden."

Im September 2007, also genau zehn Jahre danach, sprach mich zufällig die Verfasserin des besagten Gedichtes an und las mir gehörig die Leviten (vor). Dass dies das einzige Gedicht sei, welches sie jemals geschrieben habe, und so weiter. Zur Wiedergutmachung der erlittenen Qualen re-release ich nun "Tränen im Gesicht" mit dem von der Autorin gewünschten Pseudonym "Rote Welle". Ick hoffe, du freust dir!
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Foto: ehst.tick
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Dienstag, 7. November 2006

Cafe Ole Flyergalerie

Dieser Handzettel aus dem Jahr 1998 beginnt mit einem orbitanten Schreibfehler: Die Oi-Punk-Band Roimungstrupp aus Kieselwitz heißt hier fälschlicherweise "Roimungsbefehl" (Zettel beim "E" leicht eingerissen). Ob es sich dabei um einen kleinen Scherz seitens des Flyer-Designers handelte, konnte im Nachhinein nicht mehr ermittelt werden...

Weitere unter dem Motto "Oderbruch-Terror!" (siehe rechten Flyerrand) aufgelistete und darum vermutlich auch aufgetretene Bands waren die Punkformationen Aufschwung und die Beutelz aus Seelow sowie Das Monc aus dem schicken Schwedt oben an der Oder. Wie das Konzert war, kann ich leider nicht beurteilen. Selbst wenn ich dabei war, war ich wohl nicht wirklich voll dabei.

An dieser Stelle sind alle Leser aufgerufen, mir ihre Flyer von Punk-, Crust- und Grindcore-Konzerten aus dem Café Olé zuzusenden, denn ich möchte an dieser Stelle eine Flyergalerie eröffnen.Weitere Flyer gibt es, wenn man/frau hier auf die Überschrift klickt.

Montag, 30. Oktober 2006

Eisenhüttenstadt in Berlin

"It’s Hardcore-Punk, Baby!" So lautete am Abend des 28. Oktober das Motto im Koma F in der Køpi, mitten in der Mitte der Hauptstadt. Dies wäre angesichts des autonomen Häuserkomplexes ja nichts wirklich Verwunderliches oder außergewöhnlich Erwähnenswertes, wenn da nicht eine Stadt involviert wäre, die wir alle gut kennen und die vor Ort nur als Schüttstadt bezeichnet wurde. Der Punkabend wurde nämlich von drei Bands bestritten, die zum Teil oder völlig aus Musikern der Stahlarbeiterstadt bestanden als da wären:

- Køterkacke (Kiezpunk aus F-Hain)
- Stalinstadt Ensemble (Werkscore aus Schüttstadt)
- Sax & Violins (80s Hit-Tanzkapelle aus DD)

Grund genug für mich, mal wieder meinen guten Konzertpullover anzuziehen und mit dem RE1 nach Berlin zu juckeln. Im Koma F angekommen, entdeckte ich lauter bekannte Gesichter, es war wie ein Heimspiel im Café Olé: Radi & Schnitzel am Einlass, Lothi & Andrea anna Bar und Linda, Hoppel, Enno, Dirk, Olli usw im Publikum. Und das alles für 1 Euro Eintritt, Allah sei Dank!

Den Auftakt machte das als "Punk-Brigade" angekündigte Stalinstadt Ensemble, welches die anwesenden Punks sogleich zum Pogen brachte. Euer geschätzter Andi Leser, der zu Recherchezwecken für Euch fotografieren wollte, musste sich in Acht+Bann nehmen, denn in dem niedrigen und übervollen Kellergewölbe blieb kein Raum für Sicherheitsabstand. Irgendwann riefen einige Ungeduldige: "Køterkacke! Køterkacke!" Linda, Frontmann beim SSE, konterte: "Man, ihr habt doch in Berlin genug Köterkacke! Überall Köterkacke auf den Straßen!"

Irgendwann nach Mitternacht sind dann die Lokalhelden am Ruder, das Trio Køterkacke. Wohlgemerkt, hier ist nur die Bassistin Lothaar Rothaar (vormals Dead Kaspar Hausers) aus Hütte. Schweißmoleküle verteilen sich in der Luft. Wieder wird gepogt und ich bekomme Bilder zu sehen, die ich mir nicht hätte träumen lassen: Einer der Tanzwütigen schüttelt seine Bierpulle so heftig, dass Gesternsaft an die niedrige Kohlenkellerdecke spritzt. Mit geöffnetem Mund fängt er einige der Tropfen, die von der Schwerkraft wieder nach unten gezogen wurden, auf und schluckt sie hinter. Wohl bekomm’s! Auch Blut floss, wenn auch wenig, allerdings nicht von der Decke, sondern aus einer Platzwunde.

Der Dritte in der Berliner Mitte war die Dresdner Tanzkapelle Sax & Violins (vermutlich benannt nach einem Song der Talking Heads), hier wohnte der Schlacherzeuger Hoppel einst in der Hüttenstadt und in meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Mit altbekannten Titeln ausse Achtziger ging es Richtung Disko (ich persönlich vermisste Tragedy) und der Pogotanzstil beruhigte sich ein wenig. Vom life gespielten Boys Don’t Cry ging’s irgendwann über zu Girls Just Want To Have Fun von der Konserve. Der CD-Player hatte ne Macke, so dass dieser Song an die fünf Mal ins Programm sprang.

Am Ende des Abends, so gegen vier, hatte ich viele schöne Fotos, ein Paar ruinierte Turnschuhe, schwarze Kohlenstaubpopel in der Nase und jede Menge Spaß gehabt.