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Mittwoch, 7. Januar 2009

Das Wort zur Finanzkrise

"Crisis? What Crisis?" (Supertramp, 1975)
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Das Wort zur Finanzkrise:
Geld und Aktien sind allgemein überbewertet.

Freitag, 5. Oktober 2007

Tränen im Gesicht

Ein Gedicht von Rote Welle

Licht, was nicht brennt.
Alles um mich herum dunkel.
Hoffnungslos das Leben,
sinnlos der Tod.
Leben ohne Gnade im Gefängnis der Welt.
Macht, dies zu ändern?
Mut zu entfliehen?
Weißbischwarzkontrast zu allem.
Ohne Ausweg, ohne Ziel.
Bekenntnis ist Macht,
Macht ist Bekenntnis.
Der Macht der Welt zu entfliehen ist schwer.

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Den einen holt die Geschichte ein, den anderen die Gedichte. Es gab eine Zeit, da war euer ergebener Erzähler Andi Leser der Editor einer berühmt-berüchtigten Stadtjugendzeitung namens ZIELSCHEIBE, laut Impressum: "Erdacht, gemacht und belacht in Eisenhüttenstadt."

Mein Job war es, die Texte begabter Jungautoren zu editieren und in besagter Zeitung zu publicieren. Da die Zielscheibe berühmt-berüchtigt war (Wir hatten sogar ein Verfahren wegen angeblicher Pornografie und Gewaltverherrlichung am Hals; Dank nochmals an Dana Micke von der MOZ!), konnte es passieren, dass ich auch in meiner Freizeit angesprochen und mit Texten versorgt wurde.

So auch geschehen im März/April 1997. Nach einem Punkkonzert im Café Olé entdeckte ich in meiner Jackentasche ein Gedicht ohne zuordenbaren Namen. Der Genuss psychedelischer Substanzen hatte wohl mein Gedächtnis getrübt und ich wusste nun nicht mehr, wie ich zu diesem kleinkarierten Zettel gekommen war. Dennoch nahm ich dessen Inhalt mit auf die Gedichtseite der ZIELSCHEIBE, Ausgabe 22, vom April 1997 und signierte mit dem zutreffenden Zu-Satz "Anonym, weil einfach so in meiner Jackentasche gefunden."

Im September 2007, also genau zehn Jahre danach, sprach mich zufällig die Verfasserin des besagten Gedichtes an und las mir gehörig die Leviten (vor). Dass dies das einzige Gedicht sei, welches sie jemals geschrieben habe, und so weiter. Zur Wiedergutmachung der erlittenen Qualen re-release ich nun "Tränen im Gesicht" mit dem von der Autorin gewünschten Pseudonym "Rote Welle". Ick hoffe, du freust dir!
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Foto: ehst.tick
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Dienstag, 12. Juni 2007

Ferienzeit Ferienzeit

Die lieben Kleinen können sie kaum noch erwarten, doch in genau einem Monat ist es endlich soweit: Dann herrscht in Brandenburg Ferienzeit. Quasi zwei Monate Sommer, Sonne, Müggelsee oder Berg und Tal oder Rügen und Aal. Der eine oder andere Dreikäsehoch wird Oma und Opa auf dem Lande besuchen und auf deren Bauernhof mit den Hühnern Cowboy und Indianer spielen. Andere fahren mit den nervigen Eltern nach Mallorca, Mauritius oder auf die Malediven. Den Kindern sozioökonomisch weniger gut gestellter Eltern bleibt vielleicht nur die Wahl zwischen Balkan oder Balkon; was aber nicht weniger schön sein muss, zumal die Malediven die Inseln der übellaunigen Göttinnen sein müssen (mal = schlecht / Diven = Göttinnen).

Egal, wohin die Reise auch geht, ob in die große weite Ferne oder in die Innere Murkelei, am Ende haben die Kleinen einiges erlebt und vieles zu erzählen. Stoff also für den typischen Schulaufsatz "Mein schönstes Ferienerlebnis". Nachfolgend gibt es, zur Einstimmung auf die bevorstehende Auszeit, einen Kurzaufsatz* eines mir unbekannten Eisenhüttenstädter Jungen, der weder mit mir verschwistert noch verbrüdert ist. (* Der Aufsatz erscheint eins zu eins mit allen im Original enthaltenen orthografischen Fehlern, um dem geneigten Leser das kindliche Denken sowohl inhaltlich als auch formell nahe zu bringen.)

Ferienzeit
In den Ferien kann man allerhand unternehmen. das Wetter war herrlich und zum Baden war ess große klasse. Von früh bis abends konnte man sich im Wasser tummeln. Wir hatten Viel Spaß. Manche spielten Wasserball, seegelten und fuhren Boot. esgab auch manchmal zank und streit. aber schnell haben wir uns wieder versönt. Schell wurden Freundschaften geschlossen. Das war ein schönes Erlebnis. Abends fielen wir in den Fernseseles.


Repro: Andi Leser
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Mittwoch, 30. Mai 2007

Lutschpartie. Der Film.

"Girls on film / Girls on film." (Duran Duran)

Filmbühne Eisenhüttenstadt. Der andere deutsche Film hat seit der deutschen Wiedervereinigung die ostdeutsche Provinz für sich entdeckt. Detlef Bucks "Wir können auch anders" führte uns ins tiefste und zugleich platteste Vorpommern; Andreas Dresen filmte die "Halbe Treppe" in Frankfurt, der Oderstadt, wo auch Hans-Christian Schmid, der Regisseur von "23 - Nicht ist so wie es scheint", überall "Lichter" sah. Außerdem wäre da noch "Schultze get’s the blues" von Michael Schorr zu nennen. Auch Eisenhüttenstadt wurde eine beachtliche Aufmerksamkeit zuteil. Jüngst entstanden hier/dort die Filme "Lunik" unter der Regie von Gilbert Beronneau und "Wieder wurde Stahl gehärtet" von Mark Hundertpfennig.

Heuer, 2007, hat Knut Schmitt seinen neuesten Film "Lutschpartie" fertiggestellt, und zwar in diesem unseren Metallurgenstädtchen. Schmitt ist Regisseur von so kontroversen Filmen wie "Warschauer, packt ein!" (1996), "Eier flogen über das Kumpelnest" (2000), "Einer geht noch rein" (2001), "Habt ihr Herpes, dann vererbt es" (2001) oder "Gevögelt wird zu Hause" (2002). Der Berliner Filmemacher stand dem höchst dankbaren Logbuch in persona non data Andi Leser für ein kurzes Interview zur Verfügung.

Leser: Ich habe Ihren Film vorab…

Schmitt: Sie dürfen mich ruhig duzen.

Leser: Sehr gern. Ich habe vorab einige Ausschnitte deines Film sehen können und ich muss sagen, ich bin wieder einmal überrascht. Teilweise fühlt man sich an David Lunch erinnert, andererseits an Martin Highscorcese oder Oliver Stoned. Etwas ungewöhnlich für einen deutschen Regisseur. Kannst du deinen Film für die Leser in drei Sätzen zusammenfassen?

Schmitt: Nun, "Lutschpartie" handelt – wie der Titel es schon andeutet – von der Macht unserer Mundes. Die Natur hat uns einen Mund gegeben und eine Zunge, um sie zu benutzen. Wir sollen es aussprechen, das bisher Unbenannte. In meinem Film geht es vordergründig darum, dass die Triebkräfte der Macht und des Sicherhebens über andere letzendlich durch den Akt der Liebe aufgehoben werden können.

Leser: Aha. Mir ist aufgefallen, dass Sie in Ihrem, äh, du in deinem Film anscheinend nur unbekannte Schauspielerinnen aus Osteuropa…

Schmitt: Das muss ich sogleich relativieren und klarstellen. Es sind keine Darstellerinnen aus Osteuropa. Osteuropa, das klingt so nach Osten, nach Polen, Ukraine und Russland klingt das, oder Moldawien. Doch bis auf Polen sind diese Länder überhaupt nicht vertreten. Durch viel Überredungskraft konnte ich Darstellerinnen aus Tschechien, der Slowakei, Slowenien, Kroatien, Bulgarien, Rumänien, Litauen, Lettland und Estland begeistern. Moment, habe ich jemanden vergessen? Alles schöne Länder übrigens.

Leser: Und warum einen ganzen Film nur mit Amateurschauspielern? Das Casting muss doch die reinste Syphilisarbeit gewesen sein?

Schmitt: Das Publikum soll sich den Film ohne Vorurteile gegenüber den Darstellern und Darstellerinnen anschauen. Die völlig unbekannten Protagonisten meines Europadramas sollen im Zuschauer keine vorgefertigten Projizierungen wecken und transportieren. Ich wollte allein die Sprache der Bilder, die Sprache des Films auf den Zuschauer wirken lassen.

Leser: Aus welchem Grund sind die Mitwirkenden die meiste Zeit über nackt?

Schmitt: Nacktheit, also das völlige Fehlen von verhüllender und verdeckender Bekleidung, zeigt den natürlichen Menschen, so wie er wirklich ist. Verletzlich, ohne Sichtschutz und stützende Korsette und Maskerade und Abzeichen, Uniformen und Firmenlogos. Die Filmhandlung in "Lutschpartie" ist nackt, reduziert auf das Wesentliche.

Leser: Was ist das Wesentliche?

Schmitt: Die Liebe ist das Wesentliche.

Leser: Es gibt in deinem Film eine Szene, da werden zwei Frauen, die auf allen Vieren herumkriechen, von mehreren Männern in diversen Koituspositionen penetriert.

Schmitt: Ja. Die Frauen dieser Szene, sie symbolisieren das weibliche Prinzip, stammen aus Bulgarien und Rumänien; das männliche Prinzip aus Deutschland, Italien, Großbritannien, Spanien und das durch einen einzigen Darsteller personifizierte Skandinavien. Die Szenerie thematisiert die Aufnahme der beiden Staaten, also Bulgarien und Rumänien – alles schöne Länder übrigens –, in die Europäische Kopulation. Und Frankreich, ich hatte Frankreich vergessen. Frankreich als männliches Prinzip.

Leser: Wenn ich das richtig deute, dann symbolisiert Adam das alte, das herrschende Europa der zwölf EG-Staaten und Eva ist der ehemalige Ostblock, die unterwürfige und unterlegene Seite?

Schmitt: Mehr oder weniger. Doch die Unterschiede, das emotionale Gefälle zwischen den agierenden Partnern wird durch den Akt der Liebe ausgeglichen. Kraft der Liebe wird Europa ein Ganzes, wird eins.

Leser: Die Handlung als solche ist völlig fiktiv?

Schmitt: Und wie!

Leser: Welche Aufgabe fällt denn Eisenhüttenstadt dabei zu?

Schmitt: Es gab viele leerstehende Wohnungen als Drehkulisse. Wir konnten in den unterschiedlichsten Räumen filmen, von der Einraumwohnung bis zur Hotel-Suite. Auch die Umgebung von Eisenhüttenstadt ist sehr schön.

Leser: Schmitt, äh, Knut, ich danke dir für das Interview. Wann können wir deinen Film in den Kinos sehen?

Schmitt: Erstmal muss ich einen geeigneten Verleih finden, dann sehen wir weiter. Die Verhandlungen laufen schon. Ich denke mal im Herbst, Oktober, oder eher November.

Leser: Auf Wiedersehen.

Schmitt: Ja, alles Gute.
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Donnerstag, 4. Januar 2007

Sex in the City - geil!

Brustbild

Da hat mein Blognachbar Ben Kaden mich doch aufgrund meines Eintrages von gestern als "gerade irgendwie übererotisiert wirkende Leser-Kanone" bezeichnet. Und das nur, weil mich Eisenhüttenstadt so geil macht. Ihn aber auch. Man(n) macht sich ja so sein Gedanken, und ich habe gemerkt, warum diese an sich so öde Stadt mir wie Liebstöckel oder Sellerie auf die Libido haut. In Wahrheit ist die "erste sozialistische Stadt auf deutschem Boden" ein reines Sündenbabel, ein zweites Sodom, wie es die gleichnamige EP der einheimischen Band Dirt ja schon andeutet - jawohl!

Kein Wunder: Überall, wohin das Auge auch blickt, sind stehende, sitzende oder gar liegende Damen aus Bronze oder in Stein zu sehen. Die Frau als Lustobjekt bestimmt das Stadtbild, könnte man meinen. Mit nur wenig Fantasie ist der aufrecht in den Himmel ragende Obelisk auf dem Platz des Gedenkens als ein Phallussymbol auszumachen. Sogar äußerst feinsinnig in die Architektur wurde die sublime Anzüglichkeit eingearbeitet, sehen doch die Lampenschalen der Punkthochäuser in der Magistrale bei gedämpfter Straßenbeleuchtung wie pralle Brüste aus, die nur darauf warten, dass ihnen an den Nippeln das Licht angeknippst wird. Und da soll man als hungriger Leidwolf ganz ruhig bleiben und seine Drüsen beherrschen? Nein, der Feind ist stärker, übermächtig gar, denn hier arbeiten Architektur, Kunst und Natur Hand in Hand.

Meisterlampe