Freitag, 16. Mai 2008
Donnerstag, 8. Mai 2008
Da staunte Konrad Wachsmann: Ein Friedrich-Wolf-Theater in der Stalinstadt?

Bereits an anderer Stelle hat das Logbuch Stahlinstadt eine Passage aus dem Wachsmann-Report zitiert, die sich mit Eisenhüttenstadt beschäftigt. Jetzt gibt es neue Fertignahrung für die Bildungshungrigen unter Euch Lesern.
Der in Frankfurt an der Oder geborene Architekt Konrad Wachsmann musste während der Nazi-Diktatur in die USA ins Exil gehen und besuchte 1979 die DDR. Der Wochenpost-Redakteur Michael Grüning plante ein Interview (welches sich dann zur wahren Auto-Biografie ausweitete, dem "Wachsmann-Report") und begleitete Wachsmann auf seiner Rundreise durch Ostdeutschland, die ihn auch zur Stippvisite nach Hütte führte.
Zu den Teilen, die während der DDR-Diktatur (Ja, es war eine!) nicht erscheinen durften, äußerte sich Grüning in einer Neuausgabe seines Buchs 2001 - im Epilog II: Vom schwierigen Umgang mit der Wahrheit. Darin geht es vorangig um kritische Exil-Erfahrungen, die Wachsmann mit Exilanten machen musste, die später in der DDR hohe Posten bekleideten, wie zum Beispiel Walter Ulbricht, Alexander Abusch oder Kurt Liebknecht. Darin habe ich folgendes entdeckt:
"Unveröffentlicht, aber unvergessen ist auch eine andere Erinnerung von Konrad Wachsmann, die möglicherweise zu unvorstellbaren Konsequenzen geführt hätte. In Eisenhüttenstadt, dem früheren Stalinstadt, erinnerte er sich beim Vorbeifahren am Friedrich-Wolf-Theater an den Dramatiker und Arzt, der im Kulturleben der Weimarer Republik zu den bekanntesten Persönlichkeiten gehört hatte und dessen 1934 in Zürich unter dem Namen "Professor Mannheim" uraufgeführtes Drama "Professor Mamlock" weltberühmt geworden ist. Nach der Premiere im Zürcher Schauspielhaus hatte es von Nazis angezettelte Krawalle gegeben, durch die das Drama über Nacht auch für internationalen Gesprächsstoff sorgte. Wachsmann hatte den Dramatiker aber bereits in Deutschland kennengelernt und war ihm im Exil wiederbegegnet [...]
Vor dem Friedrich-Wolf-Theater in Eisenhüttenstadt berichtete Wachsmann, dass Friedrich Wolf große Angst davor gehabt hätte, wieder in die Sowjetunion zu gehen, obwohl seine Familie (z. B. Konrad und Markus Wolf) in Moskau lebte. Viel lieber wäre er in die USA emigriert, die ihm jedoch kein Visum erteilt hätten.
Von Lion Feuchtwanger habe er später erfahren, dass Friedrich Wolf in der Sowjetunion schon früh zu den extrem gefährdeten Personen gehörte und deshalb 1938 nach Spanien wollte, dann aber in Frankreich bleiben musste. Wachsmann fand es deshalb kurios, ausgerechnet in der früher nach Stalin benannten Stadt ein Friedrich-Wolf-Theater vorzufinden."
Dazu muss ich erwähnen, dass unter Stalins Herrschaft viele Exilanten plötzlich "verschwanden" oder in sibirische Lager kamen. Friedrich Wolf drohte wohl ein ähnliches Schicksal, dem er jedoch entgangen ist, denn er starb 1953 kurz nach Stalin in der DDR.
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Andi Leser
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Donnerstag, Mai 08, 2008
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Labels: Friedrich-Wolf-Theater, Konrad Wachsmann, Neue Stadt, Stalinstadt
Dienstag, 22. April 2008
Die Straßen von San Stalinstadt

Wenn man sich mal die Straßennamen auf den Straßenschildern an den Straßenkreuzungen ohne Straßenkreuzer ansieht, merkt man als geschulter Ossi sogleich: Hier befinde ich mich im Osten.
An jeder Ecke wird man an einen sozialistischen oder kommunistischen Heiligen oder Märtyrer erinnert, außer man gehört zu den Eiligen im Mehrtürer, die in Hochgeschwindigkeit und ohne den Blick fürs Detail die Ostküste entlangkacheln, um den Aufschwung zu schaffen.
In der als "sozialistisch" gegründeten Stadt, deren Straßennamen das damals neue und heute veraltete Weltbild widerspiegeln, verweist auch heute noch vieles auf die Lichtgestalten von anno dunnemals. Karl Marx trifft sich mit Friedrich Engels, Rosa Luxemburg mit Karl Liebknecht, Clara Zetkin mit der Republik.
Zur vergrößerten Ansicht bitte aufs Bild klicken. Danke.
Fotos+Montage: Hoppel
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Andi Leser
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Dienstag, April 22, 2008
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Labels: Namen, Neue Stadt, Schilder, Stadtführung, Straßen
Freitag, 1. Februar 2008
Wie geht's?

"Auf die Frage: Wie geht's? kann man mit voller Kraft antworten: Einfach prachtvoll, ich hab mir heute einen neuen Hut gekauft. Und ein ganzes Land kann sich, wenn es darauf ankommt, neue Straßen bauen oder ganz neue Städte mit Palästen und Fußgängerzonen, kann sich neue Automobile beschaffen, die die neuen Straßen verschönern. Und die Zeitungen lässt man schreiben: Uns geht es gut, das sieht man doch. Wir haben gerade eine neue Stadt fertig! Man muss das alles nur einigermaßen oft wiederholen, je öfter, desto besser, und es wird Erfolg haben, sogar auf die Dauer. Sobald die anderen einem glauben, ist man sehr geneigt, sich selbst zu glauben, und das ist schließlich der Zweck."
Diese Zeilen stammen nicht von mir, sondern vom Schriftsteller Ulrich Plenzdorf, aus seiner "Legende vom Glück ohne Ende", verfilmt und berühmt geworden als wohl beliebteste Liebesgeschichte der DDR: "Die Legende von Paul und Paula". Man kann nur spekulieren, auf welche Bautätigkeiten sich dieses mit kritischem Unterton beladene Zitat bezieht, denn Namen werden nicht genannt. Meinte der Erzähler Eisenhüttenstadt? Schwedt? Oder Hoyerswerda? Das Wort "Paläste" erinnert zumindest an die Arbeiterpaläste in Stalinstadt und der Berliner Stalinallee. Klar ist lediglich, dass die Handlung in den ersten Jahrzehnten nach dem Krieg angesiedelt ist, vermutlich zu Beginn der sechziger Jahre, denn da konnte man noch ungehindert nach Westberlin fahren, wie Paul in dem Buch.
Die Geschichte von Paul und Paula selbst spielte sich in Ostberlin ab, genauer in der Singerstraße im Friedrichshain. In dieser Straße stehen sich alt und neu baulich gegenüber: auf der einen Seite Altbauten, die gerade erst den Krieg überdauert haben und nun auf den volkseigenen Abriss warten. Da wohnt Paula mit ihrer Tochter. Auf der gegenüber liegenden Seite stehen bereits moderne Neubauten. Da wohnt Paul mit seiner Frau. Im Film ist das schön zu erkennen, schmutzige aber heimelige Häuser hier, helle aber unsympathische Plattenbauten dort.
Auf unsere Stadt bezogen könnte man sich da so ein Areal vorstellen wie dort, wo Fürstenberg an den VII. Wohnkomplex heranreicht. Die Fischerstraße vielleicht oder die Gubener oder auch die Platanenallee. In den Achtzigern mussten dort einige Altbauten in die saure Abrissbirne beißen, weil der Plan das so vorsah.
Ich selbst entsinne mich, an einem Sonntagnachmittag auf dem Dach eines dem Abbruch geweihten Mehrfamilienhauses in der Gubener herumgeturnt zu sein. Mit kindlicher Freude an der erlaubten Zerstörung entfernte ich von einem Schornstein die Ziegelsteine, um sie sogleich durch den senkrechten Schacht zu entsorgen. Der abwärts rasende Stein erinnerte mich an eine Rohrpost, das Geräusch dazu war ein dumpfer, erdiger Ton. Manche Steine verkanteten sich beim Anecken innerhalb des Schornsteins und blieben auf halber Höhe stecken. Ich musste nachhelfen, indem ich einen weiteren Stein hinterher sandte. Dann verdoppelte sich das Geräusch. Wenige Wochen später war der Schornstein samt Haus verschwunden, plattgemacht.
Heute nun müssen diejenigen Häuser, die damals in den Achtzigern errichtet wurden, vom Erdboden verschwinden. Ebenso von der Erde verschwunden ist der Autor Ulrich Plenzdorf, der uns noch weitere Klassiker wie "Die neuen Leiden des jungen W." oder kein "kein runter kein fern" hinterlassen hat. Plenzdorf ist leider im August 2007 verstorben. Damit er nicht auch aus dem Gedächtnis verschwindet, schrieb ich diesen Text und empfehle hiermit die erwähnten Bücher zur Lektüre.
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Andi Leser
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Freitag, Februar 01, 2008
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Labels: Neue Stadt, Poesie, Zitat
Sonntag, 30. Dezember 2007
Einen guten Flutsch ins Jahr 2008!

Allen Leserinnen und Lesern sowie allen Mitgliedern der Familie Leser wünscht das Blogbuch Stahlinstadt einen gelungenen Start ins neue Jahr. Feiert schön und macht das Beste aus der sich bietenden neuen Zukunft.
Silvesterfoto: Dirk Dirksen
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Andi Leser
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Sonntag, Dezember 30, 2007
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Labels: Eisenhüttengaudi, Schüttstadt
