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Montag, 4. Januar 2010

Allen Lesenden ein gesundes neues Jahr!


Ab geht die Post: Eigentlich wollte ich an dieser Stelle Allen Lesern ein gesundes neues Jahr! wünschen, doch dann meinte meine Tante Mili, das sei "Chauvi-Scheiße". Obwohl ich heuchlerisch vorgäbe, allen ein schönes Neujahr zu wünschen, würde ich mit meiner Formulierung nur die Hälfte der Lesenden ansprechen, zeterte sie. Sie behauptete, "Leser" seien nur die Männer. Tante Mili ist Feministin, und zwar eine militante. Daraufhin wies ich sie darauf hin, dass sie selbst ein "Leser" sei, weil sie doch Milena Leser heiße und sie somit auch zum Leserkreis gehöre.


Tante Mili meinte, dafür könne sie nichts. Es handele sich um Unrecht von Geburt an. Sie würde gern ihren maskulinen Namen ändern, doch das sei nur durch eine Hochzeit möglich, und der einzige Mann, den sie jemals geliebt und geheiratet hätte, habe Harald Schreiber geheißen, was rein namenstechnisch eine Hochzeit wiederum ausschließen würde. Vielleicht habe eher Herr Schreiber eine Hochzeit ausgeschlossen, vermutete ich viel zu laut. Da fing Tante Mili zu weinen an.


Um des lieben Familienfriedens willen wählte ich in der Überschrift die geschlechtsneutrale Anrede, auf dass sich alle Geschlechtsneutralen angesprochen fühlen mögen können tun. Und ab geht die Post!

Montag, 22. Dezember 2008

Dein ist mein ganzes Hartz IV

Es war mal ein deutscher Liedermacher, der gab sich immer so oberlehrerhaft, dass er den deutschen Bildungsphilistern direkt ans Herz wuchs und Karriere machte. Die Achtziger waren das Jahrzehnt von Heinz Rudolf Kunze.

Gestern war Hinz Rudolf Kunz wieder mal im Radio zu hören, als Interviewpartner auf Radio Eins. Dort durfte man viel Neues erfahren. Zum Beispiel, dass deutschsprachige Musik schlecht sei, weil niemand mehr dichten könne so wie früher. Auch wurde früher insgesamt bessere Musik gemacht als heute. Ja früher, als alles noch aus Holz war. Dabei hatte Herr Kunze in den Neunzigern an vorderster Front für eine Quote von deutschsprachiger Musik im deutschen Radio gekämpft. Nun stellt sich heraus, der Kunze mag The Who, The Kinks und The Smith viel lieber als Udo Lindenberg und Helge Schneider.

Warum der Wind an dieser Stelle? Heinz Rudolf Kunze ist zwar ein Wessi und in Oldenburg aufgewachsen, seine Eltern stammen aber aus der Niederlausitz, sie sind Vertriebene. Laut seiner Aussage leben ein Teil der entfernten Verwandten in - aufgepasst! - Eisenhüttenstadt, Guben oder Cottbus.

Also: wer mit Heinz Rudolf Kunze verwandt ist und Kontakt hat, der kann ihm ja mal sagen, dass er zwar einen guten Musikgeschmack bewiesen, aber dennoch keine Ahnung von Musik hat.

Dienstag, 5. August 2008

Priesterkönig will in Ost-Deutschland in West-Tieren

Wie die Merkwürdige Oderzeitung in ihrer aktuellen Ausgabe mitteilt, drohen Eisenhüttenstadt demnächst Investionen in ungeahnter Höhe. Dies gehe aus einem Brief hervor, den Werner Reiner vor einigen Tagen erhalten habe. Der stellvertretende Bürgermeister unterbrach eigens seinen Sommerurlaub, um den Namen des neuen Großinvestors den versammelten Journalisten bekannt zu geben.

Es handelt sich hierbei um den sagenhaften Priesterkönig Johannes, der im Morgenmantel als eine Art Sultan herrsche und über ungeahnten Reichtum verfüge. Der Priesterkönig gedenke, im Osten Deutschlands eine Manufaktur zu errichten, die Blei in Gold verwandeln könne und umgekehrt. Als möglicher Standort käme auch Eisenhüttenstadt wegen seiner bereits bestehenden Stahlmanufaktur und seiner Nähe zum Oderstrom in Frage.

Erich Apitz, der bekannte Kartograf und Vorsitzende der Eisenhüttenstädter Fürstenvereinigung, gab sich gewohnt skeptisch. Er verwies auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre. Schon einmal habe eine Investorengruppe aus dem Morgenland (Caspar, David & Friederich) die Einrichtung einer neuen Fabrik und die Schaffung unendlich vieler Arbeitsplätze versprochen und sich dann nicht mehr gemeldet. Wie schon damals sei auch diesmal die genaue Absenderadresse nicht bekannt. Die einen nennen den indischen Suppenkontinent als Sitz des Priesterkönigs, die anderen vermuten dessen Hauptstadt Bibrich in Äthiopien.

Der stellvertretende Bürgermeister Werner Reiner bleibt optimistisch. Er feile bereits an einem Antwortschreiben, welches er einem Handelsreisenden des indischen EKO-Eigners Mittal mitzugeben gedenke. "Immerhin ist der Priesterkönig einer der ältesten und mächtigsten Herrscher der Welt, wir sollten ihm vertrauen", sagte Reiner. Laut seinen eigenen Worten sind dem Presbyter Johannes 72 Könige tributpflichtig, mehr als 365 Völker leben in seinem Reich. Dazu gehören Skiapoden, Satyrn, Vampire, Giganten, Zyklopen, Hundsköpfige, Orks, Menschenfresser, Fischesser und Mitesser. Auch leben seltene Tiere dort: weiße Panther, schwarze Eisbären, rote Löwen, Greifen, Fangen, Gottesverflucherinnen, Schildkröten, die nie sterben, Rennpfeffer, Honigskorpione, Ollifanten sowie der sagenhafte Vogel Phönix. Und wenn sie nicht ausgestorben sind, so haben sie vielleicht niemals gelebt.

Donnerstag, 29. Mai 2008

Louis vs Lois, Luis und Lewis


ZUR INFO: Es ist ein Kreuz mit der Rechtschreibung, auch Orthografie, also Lehre vom richtigen Schreiben, genannt. Da werden ständig die Regeln geändert, dass es keine Freude ist und die Bild-Zeitung ernsthaft darüber nachdenkt, ihrem Namen alle Ehre zu tun und auf Texte völlig zu verzichten. 1904 gab es eine Rechtschreibreform, 1996 die nächste einschließlich der Überarbeitungen von 2004 und 2006.

Aber Saarlouis wurde schon immer so geschrieben: Saarlouis. Zwei Worte: Saar wie der deutsch-französische Fluss und Louis wie der Name.

Auf der Hinweistafel am Fürstenberger Arboretum steht es wieder einmal falsch: "Saarloiser Straße". Ist ja auch nicht so leicht. Vielleicht dachte der zuständige Verantwortliche einfach an zwei Flüsse: Saar und Lois. Lois ist der längste Fluss Osttimors, die gedankliche Verbindung Osttimor-Ostdeutschland ist also nicht ganz so weit hergeholt.

Es wird der Tag kommen, an dem wird ein anderer assoziativ begabter Mensch beim Anblick Eisenhüttenstadts an "Alice im Wunderland" und dessen Autor Lewis Carroll denken und in traumhafter Verzückung Saarlewiser Straße schreiben. Saar wie der Fluss und Lewis wie die englische Schreibweise von Luis.

Ein Vorschlag zur Güte: Um die Sache zu simplifizieren kann man auch gleich komplett eindeutschen und in Analogie zu Ludwigslust oder Ludwigshafen Saarludwig schreiben. Ist ja sowieso ne deutsche Stadt. Klingt zwar irgendwie Rotze, Saarludwiger Straße, aber was will man machen?

Dienstag, 22. April 2008

Die Straßen von San Stalinstadt


Wenn man sich mal die Straßennamen auf den Straßenschildern an den Straßenkreuzungen ohne Straßenkreuzer ansieht, merkt man als geschulter Ossi sogleich: Hier befinde ich mich im Osten.

An jeder Ecke wird man an einen sozialistischen oder kommunistischen Heiligen oder Märtyrer erinnert, außer man gehört zu den Eiligen im Mehrtürer, die in Hochgeschwindigkeit und ohne den Blick fürs Detail die Ostküste entlangkacheln, um den Aufschwung zu schaffen.

In der als "sozialistisch" gegründeten Stadt, deren Straßennamen das damals neue und heute veraltete Weltbild widerspiegeln, verweist auch heute noch vieles auf die Lichtgestalten von anno dunnemals. Karl Marx trifft sich mit Friedrich Engels, Rosa Luxemburg mit Karl Liebknecht, Clara Zetkin mit der Republik.

Zur vergrößerten Ansicht bitte aufs Bild klicken. Danke.

Fotos+Montage: Hoppel