Samstag, 3. Oktober 2009
Montag, 28. September 2009
Nicht heckern - Mandeln!

Den pragmatischsten Wahlslogan hatte eindeutig die NPD*. Die Wahlkampfleiter haben ihn sicherlich am Stammtisch und zwischen dem ersten Schnaps und dem dritten Bier dem trunkenen Volk von den Lippen gestohlen! Kreativität war jedenfalls nicht im Spiel, nur die Gelegenheit. Der Slogan wurde in der Überschrift verballhornt, denn ich werde auch im Nachhinein keine rechten Phrasen wiederholen, auch wenn es sich lediglich um geflügelte Worte handelt.
A change is gonna come (Sam Cooke). Nun wird es einen Wechsel geben. Auf Bundesebene frisst die Tigerente das Rotschwänzchen, in Eisenhüttenstadt wird zum ersten Mal in der 60jährigen Stadtgeschichte eine Frau Bürgermeisterin: Dagmar Püschel. Der Schwenk geht von sozialdemokratisch nach sozialistisch und scheint nur konsequent zu sein, denn Eisenhüttenstadt galt einst im Beinamen als "erste sozialistische Stadt auf deutschem Boden". Wobei sozialistisch oft bedeutet, dass die Administration mehr Geld ausgibt, als sie einnimmt, um das Wahlvolk mit sozialen Leistungen zu bestechen. Die Rechnung kommt dann später irgendwann. Doch Schluss mit der Schwarzseherei, das hebe ich mir für die Bundesebene auf.
Es riecht nach Tigerentenkoali. Ich würde das ja eher Wespenkoali nennen, der giftige Stachel ist nun immer mit dabei: Dass ausgerechnet die Liberalen, deren neoliberale Theorien den Weltmarkt lemmingsgleich in die Wirtschaftskrise geführt haben, jetzt die Macht bekommen. Verstehe, wer will.
Mal was positives: Man kann sagen, was man will, am Ende hat die Demokratie gesiegt. In Deutschland kann jeder hartnäckige Außenseiter etwas werden, wenn er das nur bleibt: hartnäckig. Joschka Fischer wurde 1998 erster grüner Außenseitenminister in einer rot-grünen Bundesregierung. Angela Merkel wurde 2005 erste Bundeskanzlerin. Auch war sie der erste Quasi-Ossi auf dem Kanzlersessel. Und nun wird mit Guido Westerwelle der erste bekennende Homosexuelle Außenseitenminister auf Bundesebene. Ein jegliches hat seine Zeit.
Bürgermeister Rainer Werner hatte seine Zeit. Ob er jetzt schon in Rente gehen kann oder sich verschämt auf dem Jobcenter melden muss, ist nicht bekannt. Glückwunsch Frau Bürgermeisterin! Nun bläst hoffentlicher frischer Wind ins Rathaus und weht den Mief von gefühlten tausend Jahren aus den Zimmern. Regelmäßiges Lüften wird empfohlen.
Mehr zur Wahl in Hütte im befreundeten Nachbarblog: Damenwahl! Eisenhüttenstadt hat eine Bürgermeisterin. Ein Kommentar zum Thema.
* und es hat nix genützt, zum Glück!
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Andi Leser
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Montag, September 28, 2009
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Donnerstag, 6. August 2009
Seid vernünftig, wählt mich: Ich Kandidat!
Am 27. September finden in Stahlinstadt wieder einmal die traditionellen Bürgermeisterqualen statt, bei denen der amtierende Bürgemeister auf liebevolle Art geteert und gefedert aus dem Stadtkreis gejagt wird. Und während das ehemalige Stadtoberhaupt als gefiederter Freund durchs umliegende Unterholz stolpert, nistet sich sein Nachfolger auf dem vorgewärmten Thron ein. Für diesen Nachfolger hätte ich schon einen Kandidaten: MICH!
Ik kann di datt förklarn, min Jung. Die Gründe für diese Edel-Auslese sind ganz einfach: Ich bin einfach der beste Mensch, den ich kenne. Oftmals bin ich regelrecht überwältigt, wenn ich sehe, mit welcher Bravour ich die Fährnisse des täglichen Da- und wieder Wegseins meistere. Beim allabendlichen Einschlafen überfluten mich ozeanische Wogen des Wohlbefindens, weil ich weiß, dass ich wieder mit mir selbst Aufwachen darf. Doch einscheidet selbst:
Wer wird die Arbeitshosenquote in Stahlinstadt auf unter vier Millionen drücken?
Mich.
Wer hat die Freilichtbühne in Feierabendtätigkeit aufgebaut?
Mich.
Wem hat die Stadt die Papierfabrik zu verdanken?
Mich.
Wer hat die Stadt so schön begrünt?
Mich.
Wen wählt ihr?
Mich.
Seid vernünftig und wählt am 27. September 2009 Andi Leser zum Eisernen Heinrich von Eisenhüttenstadt und zum Fürsten von Fürstenberg (Oder)!
~
Es folgt nun ein Aufruf außerhalb meiner redaktionellen Verantwortung, den ich dem benachbarten EH-Blog entnommen habe:
[Beginn der Durchsage]
Liebe Eisenhüttenstädter,
wir sind zehn Journalisten und werden sieben Wochen vor der Bundestagswahl mit einer fahrenden Redaktion durch Deutschland touren und aus verschiedenen Städten berichten.
Unsere 1. Station wird Eisenhüttenstadt sein. Unsere fahrende Redaktion wird vom 10.-12. August in Eisenhüttenstadt in der Lindenallee in Höhe Haus Nr. 15. stehen und tagsüber immer besetzt sein.
Kommt vorbei oder mailt uns vorher, was Eisenhüttenstadt bewegt. Was nervt euch? Worüber sollte mal berichtet werden? [Andi Leser erwähnen!] Was ist toll an eurer Stadt? [Meinen Namen nennen!]
Wir freuen uns auf euch und hier noch einige Infos über unser Projekt:
Was ist die Wahlfahrt09?
Hinter Wahlfahrt09 verbirgt sich ein mobiles Journalistenbüro. In der heißen Bundestags-Wahlkampfphase von Mitte August bis 27. September wollen wir mit dem Wohnwagen durch Deutschland fahren und quer zur üblichen Berichterstattung den deutschen Puls messen. Wir recherchieren experimentell, indem wir an zentralen Plätzen von Kommunen und Städten parken und buchstäblich auf der Straße recherchieren. Auf unserer Webseite www.wahlfahrt09.de berichten wir ab Mitte August multimedial über die Geschichten, die den Menschen wichtig sind. Die dpa-Infocom und Spiegel Online werden regelmäßig Beiträge von uns veröffentlichen.
Einen ersten Eindruck vom Projekt bekommt Ihr auf unserer vorläufigen Website. Hier könnt Ihr uns gerne Vorschläge für Orte machen, uns Geschichten erzählen, die es sonst nicht in die Medien schaffen, von Menschen berichten, die Ihr interessant findet und die man einmal besuchen sollte: www.wahlfahrt09.de
Folgt uns auch auf Twitter unter: www.twitter.com/wahlfahrt09 Wir haben auch eine Gruppe bei Facebook. Wenn unsere Idee Euch gefällt, verbreitet uns bitte weiter: http://www.facebook.com/home.php?ref=home#/group.php?gid=94696963326&ref=ts
Liebe Grüße nach Eisenhüttenstadt von Kathleen im Namen der Wahlfahrt-Crew!
[/Ende der Durchsage]
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Andi Leser
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Donnerstag, August 06, 2009
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Freitag, 10. Oktober 2008
Hütte-Abend im Zeughaus-Kino
Immer wieder erreicht mich die Frage: "Andi, wieso schreibst du Stahlinstadt mit 'h'?" Nun will ich die Sache ein für alle mal klarstellen. Ganz einfach: es heißt ja auch Stahlindustrie und nicht Stalindustrie.
Mein lieber Blogsbruder Ben vom Eisenhüttenstadt Blog hat mich doch tatsächlich überreden können, gestern ins Zeughaus-Kino in Berlins Mitte zu kommen. Dort wurden vier sehenswerte historische Dokus gezeigt, die sich mit ehemals neuen Eisenhütten- und Betonstädten in der DDR beschäftigten.
Ich habe es nicht bereut. Beim Eintritt in den Sesselsaal vernahm ich leise Jazzmusike aus dem Hause Blue Note Records und erkannte sogleich den Interpreten, den genialen Bud Powell (bitte nicht mit Baden Powell verwechseln) mit seinem verrückten Klavierbonbon "Un Poco Loco". Ob die allmächtige Matrix damit etwa mich und meinen kalauernden Kompagnon meinte?
Bereits die ersten Bilder des Films "Bild aus hunderttausend Steinen" waren ein Vergnügen. Bonbonfarbener Fünfziger-Jahre-Schick durchblumte eine lebendig quirrlende Stalinstadt. So habe ich mir das immer gewünscht und Otto Schutzmeister vermutlich auch. "Ein sozialistisches Shangri-La" nennt es der Junge von nebenan in seiner Besprechung. Der Wändekünstler Walter Womacka stieg mit einem Kompagnon aus einem Bus mit Werksarbeitern und strebte dem Rathaus (egtl. Hausse der Parteien und Massenorganisationen)... [hier fehlt ein Teil des Textes]
Der Film zeigt, wie aus einer Idee ein Bild und schließlich ein Mosaik wird. Eine Heidenarbeit! Nun sehe ich das Mosaik im Foyer des Rathauses mit ganzen anderen Augen und will unbedingt demnächst wieder hin. Sogar Obama ist oben rechts abgebildet. Da hätte die allmächtige Matrix anfangs auch noch den Blue Note-Klasiker "Mosaic" von Art Blakey & his Jazz Messengers einspielen können, aber vielleicht waren Ben und ich da noch draußen an der Kasse.
Alles weitere könnt ihr nebenan lesen. Tschüß!
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Andi Leser
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Freitag, Oktober 10, 2008
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Donnerstag, 2. Oktober 2008
Ist der Kapitalismus bankrott?
Wie die Merkwürdige Oderzeitung in ihrer heutigen Rabattausgabe ("20% auf jeden Artikel!") verkündet, will die Stadtverwaltung für das angeschlagene Fürstenberger Bankenhaus Müller-Meier-Lehmann eine Bürgschaft von mehreren hundert Millionen Euro aufnehmen. Ein Großteil der Summe soll zur Stabilisierung der Managergehälter und -abfindungen dienen. Der regierende Bürgemeister Rainer G. Mauschel warb gestern mit Ferrero Küsschen und Mon Cheri um die Zustimmung der Abgeordneten.
Die Müller-Meier-Lehmann-Bank war infolge der Immobilienkrise in den USA in finanzielle Bedrängnis geraten. Auch hatte man die Entwicklung mehrerer Aktienkurse falsch erwürfelt. Noch im August hatte der Pressesprecher des Unternehmens, Simon Dreißig, zu beschwichtigen versucht: "Es ist ja nicht so, dass das Geld wirklich weg ist. Es hat nur jemand anders."
Richtig brenzlig wurde es für das Bankenhaus aber erst durch die so genannte Nummernaffäre. Der Vorstandsvorsitzende Sebastian Gernegros war in einem Wiener Bordell an einer Überdosis ungestrecktem bolivianischem Kokain verunglückt und hatte dabei die Zugangsdaten für etliche Schweizer Nummernkonten mit ins Grab genommen. Auch Einlagen auf Liechtensteiner Depots und den Cayman-Inseln sollen betroffen sein.
Der stellvertretende Vorstandsvorsitzende Michael Schlawinsky wandte sich nun an den Bürgemeister mit der Bitte um finanzielle Beihilfen. Aus Sparzwängen musste bereits einzelnen Mitarbeitern gekündigt werden.
Entscheidung nicht auf die lange Bank schieben
"Nun sei die Gemeinschaft gefragt", sagte Michael Schlawinsky auf einer Pressekonferenz am Montag. In eindringlichen Worten stellte Schlawinsky klar: "Es kann nicht sein, dass immer nur den Arbeitslosen geholfen wird und denjenigen, die sich für die Konjunktur aufopfern, immer nur die Steuerlast aufgehalst wird. Es wird Zeit, dass sich der Staat auch mal revanchiert."
Bürgemeister Rainer G. Mauschel, der auch im Aufsichtsrat der an der Müller-Meier-Lehmann-Bank nicht unwesentlich beteiligten Schmidt-Schulze-Bank sitzt, pflichtete dem in einem Radiointerview bei. "Es soll der Schade des Bürgers nicht sein. Schließlich fließt ein Teil des Geldes durch Steuereinnahmen wieder in städtische Kassen zurück", versprach er.
Die Fraktion der LINKEN, die seit der Kommunalwahl ein Drittel aller Abgeordneten stellt, macht ihre Zustimmung von zwei Bedingungen abhängig. So soll das Fürstenberger Bankenhaus die Patenschaften für zwei kommunale Kindergärten übernehmen und dem Städtischen Gymnasium einen neuen Fahrradständer sponsern. Auch eine Packung farbiger Tafelkreide sei im Gespräch.
Lediglich der Vorsitzende der Fürstenberger Bürgevereinigung, der bekannte Kartograf Erich Apitz, verweigert die Mitarbeit. "Es kann doch nicht sein, dass wir hier den Kapitalismus subventionieren! Sollen doch die Manager endlich mal die Verantwortung übernehmen und etwas von ihren Pensionsansprüchen abgeben!" Bürgemeister Mauschel tat diese Aussage jedoch als "unüberlegt" und "sozialneidisch" ab. Nun soll die nächste Sitzung der Stadtverordneten in Bankok die Entscheidung bringen. Stadtastrologe Mystix hat die Hauptstadt Teillands aus nominellen Gründen zum Tagungsort bestimmt, die Kosten für Anreise und Übernachtung übernehmen Müller-Meier-Lehmann.
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Andi Leser
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Donnerstag, Oktober 02, 2008
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Freitag, 26. September 2008
Lunik soll Laufhaus werden

Wie die Merkwürdige Oderzeitung in einer nicht mehr erhältlichen Ausgabe berichtet, möchte ein Investor das marode Hotel Lunik im Herzen der Stadt sanieren, um daraus Ostdeutschlands größtes Laufhaus zu machen.* Bei dem Investor handelt es sich um die englische Tittenhurst Limited, als Betreiber ist Dietrich Bockshorn aus Hamburg in Erscheinung getreten. Bockshorn leuchten die Augen, wenn er seine Pläne erläutert: "Das Laufhaus wird über drei Etagen gehen. Die Männer kommen über den Haupteingang ins Haus und bezahlen dort ihren Eintritt. Sie können sich innerhalb des Hauses frei bewegen und amüsieren und verlassen dann das Gebäude über den Auspuff."
Der Name der Einrichtung stehe bereits fest: Big Bang. Rund 40 Frauen und auch einige Männer sollen im Laufhaus Arbeit finden. Die Stahlinstädter, vor allem junge Frauen, aber auch alte Vetteln, könnten sich schon mal bewerben, ermuntert Bockshorn. Wichtig sei ein Bewerbungsfoto. "Ein Filmchen, wenn vorhanden, tut es auch."
Allerdings können Betreiber und Investor sich auf einiges gefasst machen, denn die Pläne stoßen quer durch alle Parteigräben auf einhellige Ablehnung. Die großen Volksparteien SPD und CDU befürchten Konkurrenzdruck durch die Zunahme an organisierter Kriminalität. Die in Sachen Prostitution äußerst erfahrene FDP stößt sich an der zentralen Lage des Laufhauses und empfiehlt stattdessen das Bettenhaus im Stadthafenweg zur Nutzung. GRÜNE und LINKE verurteilen die Pläne rundherum als frauenverachtend.
"Wer unsere Frauen gesehen hat – die sind nicht zu verachten!" erwidert Bockshorn, der sich gern als Kiez-König und Prinz von Frauenhausen präsentiert. "Für jeden Geldbeutel wird etwas dabei sein", verspricht er. "Ob Firmenhäupling oder Hartz-IV-Urlauber, hier wird jeder auf seine Kosten kommen. Alltagsprobleme sind danach wie weggeblasen!" Auch abendliche Hausbesuche durch Exzessbriefe verteilende Postituierte seien möglich. Die Tittenhurst Ltd. spricht gar von einem "Heilsamen Etablissement mit überregionaler Ausstrahlung".
Für den Vorsitzenden der Fürstenberger Bürstenvereinigung, den Kartographen Erich Apitz, sind das schäbige Ambitionen: "Wer schon mal in einem Laufhaus war, der weiß, wie streng es dort nach Schweiß und Desinfektionsmittel riecht. Nur testerongeladene Gymnasiasten und heruntergekommen Asoziale stehen dort Schlange."
Stahlinstadts Oberbürgermeister Rainer Werner Uhlenbusch mache sich vor allem Sorgen um den Bestand seiner Einwohnerschaft, teilte sein Sekretarius Bernd Dienst mit. Gerade erst habe sich die durch massiven Wegzüge dezimierte Bevölkerungszahl auf 30.000 stabilisiert, nun drohe im Zuge des geplanten Bordells eine Todesseuche. "AIDS ist noch immer nicht heilbar und die Zahl der an HIV (Hartz-IV) erkrankten Personen in Deutschland nimmt weiter dramatisch zu", machte Bernd Dienst deutlich. Es herrsche also Aufklärungsbedarf.
Eine Nutzung für das leer stehende Lunik müsse jedoch baldigst gefunden werden – auch da sind sich alle Parteivertreter vor der Wahl einig.
* Einige Insider gehen hingegen von einer Ente des Logbuchs Stahlinstadt aus, die darauf abzielt, Neu- und Sexgier zu wecken. Doch das nur am Rande. (Nachtrag: Bitte nehmen Sie auch die Kommentare zu diesem Beitrag zur Kenntnis.)
Foto: Ben Folded-Blind
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Andi Leser
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Freitag, September 26, 2008
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Dienstag, 5. August 2008
Priesterkönig will in Ost-Deutschland in West-Tieren
Wie die Merkwürdige Oderzeitung in ihrer aktuellen Ausgabe mitteilt, drohen Eisenhüttenstadt demnächst Investionen in ungeahnter Höhe. Dies gehe aus einem Brief hervor, den Werner Reiner vor einigen Tagen erhalten habe. Der stellvertretende Bürgermeister unterbrach eigens seinen Sommerurlaub, um den Namen des neuen Großinvestors den versammelten Journalisten bekannt zu geben.
Es handelt sich hierbei um den sagenhaften Priesterkönig Johannes, der im Morgenmantel als eine Art Sultan herrsche und über ungeahnten Reichtum verfüge. Der Priesterkönig gedenke, im Osten Deutschlands eine Manufaktur zu errichten, die Blei in Gold verwandeln könne und umgekehrt. Als möglicher Standort käme auch Eisenhüttenstadt wegen seiner bereits bestehenden Stahlmanufaktur und seiner Nähe zum Oderstrom in Frage.
Erich Apitz, der bekannte Kartograf und Vorsitzende der Eisenhüttenstädter Fürstenvereinigung, gab sich gewohnt skeptisch. Er verwies auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre. Schon einmal habe eine Investorengruppe aus dem Morgenland (Caspar, David & Friederich) die Einrichtung einer neuen Fabrik und die Schaffung unendlich vieler Arbeitsplätze versprochen und sich dann nicht mehr gemeldet. Wie schon damals sei auch diesmal die genaue Absenderadresse nicht bekannt. Die einen nennen den indischen Suppenkontinent als Sitz des Priesterkönigs, die anderen vermuten dessen Hauptstadt Bibrich in Äthiopien.
Der stellvertretende Bürgermeister Werner Reiner bleibt optimistisch. Er feile bereits an einem Antwortschreiben, welches er einem Handelsreisenden des indischen EKO-Eigners Mittal mitzugeben gedenke. "Immerhin ist der Priesterkönig einer der ältesten und mächtigsten Herrscher der Welt, wir sollten ihm vertrauen", sagte Reiner. Laut seinen eigenen Worten sind dem Presbyter Johannes 72 Könige tributpflichtig, mehr als 365 Völker leben in seinem Reich. Dazu gehören Skiapoden, Satyrn, Vampire, Giganten, Zyklopen, Hundsköpfige, Orks, Menschenfresser, Fischesser und Mitesser. Auch leben seltene Tiere dort: weiße Panther, schwarze Eisbären, rote Löwen, Greifen, Fangen, Gottesverflucherinnen, Schildkröten, die nie sterben, Rennpfeffer, Honigskorpione, Ollifanten sowie der sagenhafte Vogel Phönix. Und wenn sie nicht ausgestorben sind, so haben sie vielleicht niemals gelebt.
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Andi Leser
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Dienstag, August 05, 2008
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Mittwoch, 30. Juli 2008
Paulick-Saal soll erhalten bleiben
Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen zu vernehmen ist, wird sich die Wiedereröffnung des Friedrich-Wolf-Theaters auf unbestimmte Zeit verschieben. Grund hierfür ist das derzeit laufende Volksbegehren zur Wiederherstellung des Paulick-Saales. Die Befürworter des Volksbegehrens rechnen sich die besten Chancen aus, haben sie doch den Denkmalschutz auf ihrer Seite.
Wir erinnern uns. 2007 wurde das 1955 erbaute Friedrich-Wolf-Theater geschlossen, um die Inneneinrichtung einer Totalsanierung zu unterziehen und nach Plänen des Wolgaster Stararchitekten Michael Koolhaas ("Wenn weniger mehr ist, dann ist alles nichts.") zu erneuern. Zentrales Kernstück ist der Abriss des so genannten Paulick-Saales, dessen angeblich schlechte Akustik die Durchführung groß angelegter Schlagerveranstaltungen und volkstümlicher Festivals unmöglich macht.
Doch nun regt sich zunehmender Protest gegen den Umbau. Vor allem der Verlust des Innenraums sowie der Wandbilder von Walter Wichmann ruft Unmut bei vielen Eisenhüttenstädtern hervor. "Ich gehe seit dreißig Jahren regelmäßig ins Friwo und nun sowas", die Mitinitiatorin des Bürgerbegehrens Heidi Witzka (56) schüttelt den Kopf. Auch die Denkmalschutzbehörde pocht auf ihr Mitspracherecht.
Der Saal mit den roten Sitzen und der Holzvertäfelung war nach neoklassizistischen Plänen des Architekten Richard Paulick entstanden und gilt als ein seltenes Prunkstück früher DDR-Architektur. Der Bauhausschüler war auch an den Entwürfen zur Stalinallee und des Affentheaters im Tierpark Berlin beteiligt.
Der stellvertretende Bürgermeister Werner Reiner warnt: "Sollte das Bürgerbegehren wie erwartet positiv ausfallen, kommen auf die Stadtkasse Mehrkosten in Millionenhöhe drauf zu. Andere kommunale Einrichtungen wie der Heimattiergarten oder das Freibad in der Buchenwaldstraße müssten dann geschlossen werden." Die Fraktion der PDS zieht hierfür eine Neuverschuldung in Betracht, denn ein lebendiges Kulturleben sei nun mal nicht für umsonst zu haben.
Ursprünglich war die Wiedereröffnung des Friedrich-Wolf-Theaters für den 22. Dezember 2008 vorgesehen. Gezeigt werden sollte das Lustspiel "Die Trinker von Ephesus" aus der Feder des griechischen Dichters Xenophobios. Die weibliche Hauptrolle sollte von der britischen Schauspielerin Queen Antifáh besetzt werden. Durch den verhängten Baustopp ist dieser Termin nun hinfällig.
Das Volksbegehren ist aktuell im Rathaus einsehbar.
Foto: Ben Ehmen
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Andi Leser
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Mittwoch, Juli 30, 2008
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