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Samstag, 3. Oktober 2009

Dienstag, 5. August 2008

Priesterkönig will in Ost-Deutschland in West-Tieren

Wie die Merkwürdige Oderzeitung in ihrer aktuellen Ausgabe mitteilt, drohen Eisenhüttenstadt demnächst Investionen in ungeahnter Höhe. Dies gehe aus einem Brief hervor, den Werner Reiner vor einigen Tagen erhalten habe. Der stellvertretende Bürgermeister unterbrach eigens seinen Sommerurlaub, um den Namen des neuen Großinvestors den versammelten Journalisten bekannt zu geben.

Es handelt sich hierbei um den sagenhaften Priesterkönig Johannes, der im Morgenmantel als eine Art Sultan herrsche und über ungeahnten Reichtum verfüge. Der Priesterkönig gedenke, im Osten Deutschlands eine Manufaktur zu errichten, die Blei in Gold verwandeln könne und umgekehrt. Als möglicher Standort käme auch Eisenhüttenstadt wegen seiner bereits bestehenden Stahlmanufaktur und seiner Nähe zum Oderstrom in Frage.

Erich Apitz, der bekannte Kartograf und Vorsitzende der Eisenhüttenstädter Fürstenvereinigung, gab sich gewohnt skeptisch. Er verwies auf die Erfahrungen der vergangenen Jahre. Schon einmal habe eine Investorengruppe aus dem Morgenland (Caspar, David & Friederich) die Einrichtung einer neuen Fabrik und die Schaffung unendlich vieler Arbeitsplätze versprochen und sich dann nicht mehr gemeldet. Wie schon damals sei auch diesmal die genaue Absenderadresse nicht bekannt. Die einen nennen den indischen Suppenkontinent als Sitz des Priesterkönigs, die anderen vermuten dessen Hauptstadt Bibrich in Äthiopien.

Der stellvertretende Bürgermeister Werner Reiner bleibt optimistisch. Er feile bereits an einem Antwortschreiben, welches er einem Handelsreisenden des indischen EKO-Eigners Mittal mitzugeben gedenke. "Immerhin ist der Priesterkönig einer der ältesten und mächtigsten Herrscher der Welt, wir sollten ihm vertrauen", sagte Reiner. Laut seinen eigenen Worten sind dem Presbyter Johannes 72 Könige tributpflichtig, mehr als 365 Völker leben in seinem Reich. Dazu gehören Skiapoden, Satyrn, Vampire, Giganten, Zyklopen, Hundsköpfige, Orks, Menschenfresser, Fischesser und Mitesser. Auch leben seltene Tiere dort: weiße Panther, schwarze Eisbären, rote Löwen, Greifen, Fangen, Gottesverflucherinnen, Schildkröten, die nie sterben, Rennpfeffer, Honigskorpione, Ollifanten sowie der sagenhafte Vogel Phönix. Und wenn sie nicht ausgestorben sind, so haben sie vielleicht niemals gelebt.

Mittwoch, 3. Januar 2007

In Hütte auf Tour

Am gestrigen Tage sind Benny-Bunny und ich durch die Stadt, die wir alle gut kennen, gehoppelt, um unserer Eisenhüttenstadt-Obsession zu frönen. Wir haben fotografiert bis die Speicherkarten schnarrten und die Akkus glühten. (Ach, warum kann denn der Benny kein hübsches Mädchen sein? Dann könnten wir zusammen unsere EHST-Obsession ausleben UND miteinander Sex haben. Oder noch besser: Wir könnten pornografische Bildchen vor Eisenhüttenstädter Kulissen machen. Ich denke dabei an das Anblasen eines Hochofens, das Fluten der Zwillingsschachtschleuse oder an die Belebung der ungenutzten Bettenburg Lunik. Das würde mich vielleicht antörnen - ich kann euch sagen.)

Nach dem sehr frühen Eintritt der Dunkelheit verzogen wir uns in den überdachten Raum der Stadt. Im Flohmarkt der Stadtbibliotheke habe ich passend zur EU-Ostausweitung ein Rumänisch- und ein Bulgarisch-Wörterbuch erstanden, beide für jeweils 50 Eurocent. Darüber hinaus auch noch ein Wörterbuch für Norwegisch und Französisch - was tut man nicht alles als überzeugter Europäer. Hierzu musste ich meinen Namen nennen, denn einen Kassenbeleg rückte der Computer nur heraus, wenn man etwas eingab wie Hinz oder Kunz. Ich wollte doch aber gar keinen Beleg.

Plötzlich war unser Ben so geil auf den Besitz der Heimatkalender aus der Vorwendezeit, dass wir rüber ins Bürgerfoyer im Rathaus zogen, um die dortigen Restbestände aufzukaufen. Die zur Vetretung bestellte Frau Ettmeier teilte jedoch mit, dass hier keine Heimatkalender mehr verkauft würden. Der Rat der Stadt lautete: "Probieren Sie's mal in der Lindenallee! In der Tourismusinformation oder bei Frau Jachning." Auch dort: Fehlanzeige. Frau Jachning sagte sogar, dass die Heimatkalender der Vorwendezeit gleich nach der Wende containerweise in die Hochofen gewandert sind und dort mit anderen Druckerzeugnissen verbrannt wurden. Kurzzeitig war ich schockiert. Mir ging das Heine-Zitat durch den Kopf, wonach in einem Land, in dem zuerst Bücher verbrannt werden, hernach Menschen in die Öfen wandern. Sind wir etwa wieder so weit? Allerdinx liegt dieser barbarische Akt schon über zwölf Jahre zurück und ist somit wieder verjährt. Ich beruhigte mich und träumte stattdessen von Sex im Buchladen.

Im Anschluss, da wir nun schon in der Nähe waren, machten wir einen Abstecher in die Lokalredaktion der MOZ. Doch was mussten wir entdecken? Die Räumlichkeiten ähnelten eher einer reinen Zeitungsredaktion als einem Lokal. Nirgendwo eine Bar oder ein Zapfhahn. Welch eine Irreführung braver Bürger!

Ganz nebenbei haben Ben und ich das neue Motiv des Monats beschlossen. Im Januar sind Wandbilder aus dem Stadtbild Trumpf, denn die kann man jetzt, da die Bäume kein Laub mehr tragen, sehr gut sehen und digitalisiert festhalten. Also auf gehts! Fotografiert und flickrt sie alle!