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Mittwoch, 4. April 2012

Von Fachwerk und Stadt in Eisenhüttenstadt


Der III. Wohnkomplex zeigt bereits architektonisch den Übergang vom stalinistischen Zuckerbäckerstil über den heimatlichen Stil hin zur industriellen Bauweise mit vorgefertigten Teilen. In der Heinrich-Heine-Allee sind die Elemente des übergangsweise versuchten Heimatstils recht exemplarisch an den Fachwerk-Erkern zu sehen. Die Erker zeigen Sgraffiti mit Szenen aus dem bäuerlichen Leben oder aus den Hauffschen Märchen.

Bild bitte anklicken.

Montage: ehst.tick

Sonntag, 11. April 2010

Tunnelstraße


Tschüssi Tunnelstraße!

Samstag, 10. April 2010

Ende Tunnelstraße


Tschüssi Tunnelstraße!

Freitag, 9. April 2010

Ende der Tunnelstraße


Tschüssi Tunnelstraße!

Donnerstag, 8. April 2010

Mittwoch, 7. April 2010

Licht am Ende der Tunnelstraße


Ein Block verschwindet, die Erinnerungen verblassen. Tschüssi Tunnelstraße!

Dienstag, 6. April 2010

Viel Licht am Ende der Tunnelstraße


An Ostern, diesem christlich überformten Frühlingsfest, zieht es so manchen in die alte Heimat, Familie, Freunde und Verwandte besuchen. Doof nur, wenn die Heimat nicht mehr steht, da sie einem so genannten Stadtumbau - Euphemismus für großflächigen Häuserabriss - zum Opfel fiel. Aber warum viel Aufriss um einen Abriss machen, wenn man ihn ins rechte Bild setzen kann? In einer Bilderreihe im Lobbuch Stahlinstadt soll der Abschied vom Wohnhof in der Tunnelstraße erleichtert werden. So schön war es doch gar nicht, alles Platte, alles grau, alles rechtwinklig, alles am Rande der Stadt und doch viel zu nahe an einer Schnellstraße. Wurde Zeit, das dieser plattentektonische Durchfall wegkommt. Augen auf, es ändert sich was! Bald wird die Lücke im linken Bildbereich größer sein und das ganze fotografierte Ensemble schlucken. Schon jetzt heißt es: Tschüssi Tunnelstraße!

Freitag, 3. Juli 2009

Statt Marketing


Eisenhüttenstadt
Viele Schneisen und teuer.
~

Montag, 18. Mai 2009

Kasernenstadt mit Ornamenten


Just als ich mich an Fotografien vergangener Hüttenstadtbegehungen ergötzte und in Gedanken diese Wege erneut beschritt, fing auch schon Ben, wortgewandter Haudegen aus dem Nachbarblog, meinen Gedankengang telepathisch auf und erwiderte diesen telefonisch. Sogleich wurde ein Gipfeltreffen am selbigen Tage vereinbart, um bei einem sonntäglichen Spaziergang die alternative Stadtwahrnehmung zu schärfen. Anscheinend war die akute Telefonitis ausgebrochen, denn im Anschluss meldete sich der nächste Zeitgenosse, den ich analog zu meinem Namen mit Andi Presse aus Bad Freienwalde anonymisieren möchte.

Als Andi andeutete, er sei noch nie in Stahlinstadt gewesen, war eine Idee geboren. Warum nicht beide Telefonate miteinander kombinieren und Andi Presse mit auf Tour nehmen? Nun hatten wir einen Probanden, der unvorbelastet unbekanntes Terrain beschreiten konnte!

Am Bahnhof empfing uns Ben als Chauffeur und die erste Verwunderung. Der Bahnhof sehe so alt und heruntergekommen aus, meinte unsere Testperson. “Das ist ja auch noch nicht Eisenhüttenstadt!” Ben startete seine Zeitmaschine und fuhr uns durch die Architekturgeschichte der achtziger (VII. Wohnkomplex) und siebziger (VI. WK) direkt in die fünfziger Jahre, ins Herz der Stadt, wo er auf dem Zentralen Platz parkte. Dann ging es per pedes weiter.

Um den geneigten Leser nicht mit all zu vielen Details zu martern, die mir zwar wichtig, dem Unbeteiligten jedoch nur nichtig scheinen, straffe ich ab hier ein wenig. Wir bestaunten die Sanierungen in der Heinrich-Heine-Allee, deren Erker Motive aus den Märchen des jung gestorbenen und von mir sehr geschätzten Wilhelm Hauff zeigen (Der kleine Muck, Kalif Storch). Wir ersannen angesichts des verfallenden Ledigenwohnheims das Konzept eines Bordelphinariums, in dem sich Richards Nixen tummeln. Wir suchten das DDR-Museum auf, aus dessen Eingang unbegreiflicherweise mein Vater höchstselbst wie ein Deus ex machina herausschnellte, um zu verkünden, dass es heute keinen Eintritt koste, da Tag des offenen Museums sei. Wir erkundeten den V. Wohnkomplex, der den Eindruck machte, als sei er am Abreißbrett entstanden und bestiegen der romantischen Neigung der Deutschen folgend dort sogleich eine Hausruine. Merkwürdig, wie beengt die Wohnungen nun wirken, obwohl die Möbel und der ganze Rest fehlen!


Der nächste Zufall wartete vor der Juri-Gagarin-Schule, als Ben mit eigenen Ohren fühlen durfte, dass er gehört wurde, und zwar als Rapper. Ein paar herumhängende Ghettobewohner lauschten einer zehn Jahre alten Produktion des Reimgeschwaders. Der Titel dieser Ausnahme: Hüttenstadt ist meine Stadt. Was für ein Statement! an was für einem Ort!

Zum Abschluss gönnte ich meinen Weggenossen in der weltberühmten Milchbar am Friedrich-Wolf-Theater ein Eis zur Erfrischung. Mein hierbei geäußertes Kompliment, dass die Stadt wohl nur nach diesem Eis benannt worden sein kann, kam bei der Inhaberin nicht als solches an. Das Risiko des Don Juan.

Nach seinem Eindruck zur Stadt befragt, äußerte unser Bad Freienwalder Versuchskaninchen, dass ihn die ganze Stadt in ihrer Bebauung an eine Kaserne erinnere. “Ein wenig eintönig, wären da nicht die vielen Ornamente an den Hauswänden.” Allerdings sei das nicht negativ gemeint, schenkte uns Andi eine Kelle Trost hinterher. Eigentlich hat er sogar recht! Eisenhüttenstadt, die Stadt der kasernierten Volkspolizei. Jedenfalls war Andi Presse voller lebendiger Eindrücke und seine Digicam voller wirkmächtiger Bilder.

O Allmächtiger, der du uns so reichlich beschenkt hast an diesem Tag, gedankt sei dir! Dafür verzeihe ich dir sogar die frühen Tode von Wilhelm Hauff und Novalis. Dir sei vergeben! Gelobt sei der Herr! Hallelujah!

Montag, 27. April 2009

Zum 60. Jahrestag der Republik


(ADM) Anlässlich des 60. Jahrestages unseres Arbeitnehmerstaates wurde ein umfangreiches Bauvorhaben beschlossen, um unsere Bevölkerung mit noch mehr modernem Wohnraum zu versorgen. Das Ziel ist die Schaffung von 2.000 neuen Wohnungen in ganz Stahlinstadt. Ein erster Schritt hierzu ist bereits gelungen.

So konnte in der vergangenen Woche im V. Wohnkomplex außerplanmäßig das Richtfest für zwei Neubaublöcke mit modernen Küchen und Bädern gefeiert werden (Foto oben). Es handelt sich hierbei um ein Parteivorhaben. Zwei weitere Blöcke sollen folgen. Im Kiefernweg (bald sind da die Kiefern weg) werden vor allem junge Kleinfamilien einziehen, die bisher notdürftig in den Speise- und Besenkammern der Wohnkomplexe I-IV untergebracht waren.


Auch die Einwohner unserer sozialistischen Stadt tragen das ihre dazu bei, das Antlitz unserer Republik bis zum Jahrestag im Oktober zu verschönen. In der Robert-Koch-Straße beispielsweise haben sich die Mietparteien der anliegenden Aufgänge ehrenamtlich dazu eingefunden, den liegengebliebenen Hausmüll der letzten Jahre zu beseitigen. Bei dem Subotnik Ende April kam so einiges zusammen (unteres Foto, zum Vergrößern anklicken). Jeder möchte eben nur sein Bestes zum Wohle des Volkes geben.

Auf euer Wohl, ihr Arbeiter und Frauen – Prost!

Montag, 20. April 2009

Unbekannte Ansichten


Die ehemalige 3. Oberschule Wilhelm Pieck bzw. Realschule 2 im III. Wohnkomplex kennt sicherlich jeder. Weniger bekannt dürfte der alternative Seiteneingang des Schulgebäudes sein, der hier zum vielleicht ersten Mal fotografisch abgebildet wird. Er ist ein Überrest des Unsichtbaren Wohnkomplex' aus den fünfziger Jahren und nur für Sonntagskinder sichtbar; und das auch nur, wenn sie durch ein Küchenfenster des nahen Kinderheims schauen. Da ich selbst an einem Sonnabend geboren wurde, habe ich jemanden beauftragt, dieses Foto zu schießen.

In dem Uhrenturm im Vordergrund war übrigens die erste Lunaruhr der Welt untergebracht. Sie funktionierte ganz leidlich und ging schon nach wenigen Monaten nach dem Mond, so dass die Schüler jeden Tag zu einer anderen Zeit zum Unterricht einkullerten und um Weihnachten einen 13. Monat - den Feriember - einführten. Da griff die SED-Regierung ein und schickte das Uhrwerk nach Sibirien.

Mittwoch, 15. April 2009

Keine Säulen aus Athen

statttdessen Schnaps in Stahlinstadt... Auch wenn Stephan Remmler seinerzeit etwas anderes bardierte, passt die Melodie ganz gut, um einen akustischen Schunkelauflauf als Kontrapunkt zu diesem menschenleeren Bild zu setzen. Das Foto zeigt eine wenig bekannte Stelle des "Unsichtbaren Wohnkomplexes". Es handelt sich hierbei um ein nur von der Hofseite zugängliches Verbindungsstück zwischen der "Kameltränke" und dem "Aktivist". Wer es ebenfalls fotografieren möchte - Beeilung ist geboten, denn ein Abriss noch in diesem Jahr ist bereits erwogen worden. Der Grund hierfür ist die geringe Frequentation des Säulenganges, wie das Foto schon andeutet und beweist. Doch kaum jemand kennt diese Stelle an der Saarlouiser, Ecke Friedrich-Engels-Straße. Zu unrecht, wie ich finde.

Montag, 13. April 2009

Das reißt nicht ab


Wer an Ostern nach langen Jahren des Exils die Stadt der Städte - Eisenhüttenstadt - besuchen durfte, konnte feststellen, dass nicht nur der VII. Wohnkomplex verschwunden ist, sondern auch der V. WK dem Erdboden gleich gemacht wird. Und das in einer Stadt, die nie einen Krieg erleben musste.

In der Robert-Koch-Straße haben die lieben Bauarbeiter diesen kleinen Dornröschenturm mit provisorischen Einraumwohnungen übrig gelassen. Durch des Frühlings holden belebenden Blick bekommt dieses Foto seine kleinen Farbtupfer. Schöner wird's dadurch im Re4 bzw. im V. Wohnkomplex.

Montag, 2. Februar 2009

LebeN ist NebeL

»Aber plötzlich, an manchen Herbst- oder Winterabenden, wenn die Stadt in Nebel getaucht ist, verschwinden die Leerräume, und aus dem milchigen Grau, im Licht der Laternen, tauchen Ecken, Kanten, jähe Fassaden und dunkle Torbögen auf…«
(Umberto Eco: Das Wunder von San Baudolino)

Hiermit erinnere ich erneut an den unsichtbaren Wohnkomplex.

Dienstag, 18. November 2008

Der Himmel so weit

Die Zeit der Lichter rückt näher. Die Gesamtschule spannt bereits den Lichterbogen über ihrem Viertel aus und auch der Weihnachtsstern ist hübsch am Himmel drapiert. Die Adventszeit kann kommen - und dann gehen. Mein Tipp: Lübecker Marzipan und ein Glas Rotwein, und die Geschmacksknospen blühen auf.

Samstag, 12. Juli 2008

Das Deutsche Haus


Vier Deutschlandfahnen zählte ich an diesem Wohnblock in der Fritz-Heckert-Straße. Dabei war die EM schon vorbei. Die schwarzrotgoldenen Fahnen wehen wohl schon für Olympia.

Sonntag, 6. Juli 2008

Licht am Ende des Tunnels


Hier mal etwas der Jahreszeit entsprechendes und typisches. Als in Hütte 40 Grad im Schatten herrschten ("Wer sagt denn, dass wir im Schatten arbeiten?"), drängte es diese junge Frau raschen Schrittes ins Licht. Mehr dazu weiß ich leider nicht.

Montag, 3. September 2007

Große Runde durch die Wohnkomplexe

Am kommenden - also an diesem und nicht am nächsten - Samstag (8.9.) ist der Auftakt der als Irre Führungen betitelten Reihe einer alternativen Stadtbegehung. Los gehts um 14:00 Uhr an der "HOG Aktivist". Das Motto der Initialzündung lautet schlicht: "DIESSEITS UND JENSEITS DES KANALS - Große Runde durch die Wohnkomplexe". Es wird sich hierbei weniger um eine Stadtführung im klasssichen Sinne handeln, bei der die Teilnehmer von einem Stadtführer an die Hand genommen, mit wahren oder weniger wahren Ortsmythen gefüttert werden und somit in die passive Rolle des Konsumenten zurückfallen.

Vielmehr handelt es sich bei den Irre Führungen um eine begleitete Stadtbegehung, bei der die Teilnehmer selbst zu Akteuren werden, die eine fremde Stadt mit eigenen Augen entdecken und darüber einen Diskurs entspinnen. Wünschens- und lobenswert wäre die Mitnahme einer Digicam bzw. Fotoapparates, da eine Auswahl der vor Ort gemachten Fotos im Anschluss an die Führung im Internetz präsentiert werden soll. Portal für die eingestellten Fotos ist das gleichnamige Weblog unter http://stadtfuehrung.huettenstadt.de.

Die Irre Führungen sind eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Eisenhüttenstadt-Blog und des Logbuch Stahlinstadt, welche im Rahmen des Kongresses der Futurologen in Eisenhüttenstadt Eisenhüttenstadt finden wird.

irreführende Links:
- Stadtführung Eisenhüttenstadt: Termine
- Kongress der Futurologen: Programm

Foto: flickr (c) ehst.tick
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Montag, 7. August 2006

Der unsichtbare Wohnkomplex

"I hope we live to tell the tale."
(Tears For Fears: Shout)

Ich mochte so zehn oder elf Jahre alt gewesen sein, als ich einen Bildband über Stalinstadt in die Hände bekam, der bei meinen Eltern von anderen Bildbänden eingezwängt und ganz oben im Bücherregal stand. Der Bildband war vom Beginn der sechziger Jahre und die Aura der leicht verblassten und verfälschten Farben der Fotos nahm mich auf Anhieb gefangen. Neugierig blätterte ich die Seiten durch und entdeckte dabei Ecken, die ich nie zuvor gesehen hatte. Es waren Alleen zu sehen mit prächtigen Blumenrabatten, Bronzeplastiken und Brunnenskulpturen und Hausaufgänge mit hervorstehenden Wandreliefs und begrenzenden Pilastern, und die Häuser hatten Erker, Säulen, Ornamente, Wandmosaiks und prachtvolle Terrassen. Ich war völlig gefangen genommen von diesen märchenhaften Stadtansichten – obwohl ich doch in der selben Stadt wohnte, die auf diesen Fotos abgebildet worden war.

Aufgeregt rannte ich zu meinen Eltern, die so linientreu waren, dass sie sogar vor der Farbe Rot salutierten, zeigte ihnen den Bildband und fragte, wo denn zu finden sei, was dort abgebildet war. Sie reagierten sehr unwirsch und der Situation völlig unangemessen, in dem sie mir das Buch wegnahmen und sagten, ich solle lieber den Müll rausbringen. Auch später frühstückten sie mich auf meine nachbohrenden Fragen hin mit solchen Elternstandards ab wie “Sei still und iss deinen Pudding!” oder “Räum erst mal dein Zimmer auf! Der reinste Saustall ist das wieder!”

Also schnappte ich mir mein diamantenes Damenrad und fuhr Achten durch die Stadt auf der Suche nach jenen geheimnisvollen Winkeln. Irgendwo musste es diese Ecken geben, da war ich mir sicher. Ab und an begegneten mir auch einige Stellen, die so aussahen, als ob, aber sie waren den von mir gesuchten nur ähnlich, nicht aber mit ihnen identisch.

Mit der Zeit verband ich die gesuchten Örtlichkeiten mit Ideen von einer besseren Welt und die Suche danach entwickelte sich bei mir zu einer Art Besessenheit. Nachts träumte mir manches Mal, dass ich beim Müll herunterbringen zwischen den Sträuchern einen bisher verborgenen Trampelpfad entdeckte, der mich geradewegs in jenen verwunschenen Wohnkomplex führte. In der Schule erzählte ich meinen Mitschülern von dem versteckten Wohnkomplex und sagte ihnen, dass es dort sogar Geschäfte mit westlichen Produkten, BMX-Räder und Skateboards gäbe. Zum Beweis zeigte ich ihnen den Bildband mit den verblichenen Fotos. Sie glaubten mir und die Sache sprach sich wie ein Lauffeuer herum, so dass ich schon bald beim Direktor erscheinen musste. Der Rektor war außer sich vor Wut, nahm mir das Buch weg und schrie, dass es so etwas noch nicht gegeben hätte. Der versteckte Wohnkomplex sei ein missglückter Versuch gewesen, habe darum nie existiert und werde auch nie existieren. Dann zerriss er das Buch und drohte mir mit einem Schulverweis, wenn ich weiter “solchen Unsinn verbreiten” würde.

Der Wutversprecher des Direx‘ machte mich hellhörig und bestätigte mich in meinen Auffassungen. Am selben Tag nahm mich meine Deutschlehrerin, eine sehr patente ältere Dame, beiseite und klärte mich über die wahren Umstände des versteckten Wohnkomplexes auf. Als die Stadt in den fünfziger Jahren erbaut wurde, begann man mit der Errichtung eines vorbildhaften Stadtteils, in dem der neue Mensch heranreifen sollte. Alles war auf das harmonischste und nach neuesten Gesichtspunkten und Erkenntnissen gestaltet und für alles war gesorgt, denn die Bewohner sollten sich wohl fühlen. Schon bald fühlten sich die Bewohner so heimisch, dass sie ihr Zuhause nicht mehr verlassen wollten, nicht einmal, um zu arbeiten. Das gefiel natürlich niemandem von der Regierung und man versuchte, durch Argumentation, Wandzeitungen und Drohungen die Leute zum Arbeiten zu bewegen. Diese waren jedoch durch keinen Eingriff von außen dazu zu bewegen. Im Gegenteil: sie schirmten sich immer mehr von der Außenwelt ab und legten stattdessen kleine Gemüsebeete und Obstgärten auf den Rasenflächen an. Da beschloss die DDR-Regierung die vollständige Evakuierung und Zerstörung des Stadtviertels und die Errichtung eines herkömmlichen Wohnkomplexes mit langweiliger Zeilenbebauung und Wäscheplätzen dazwischen.

Und so kennen wir die Stadt heute noch. Nur auf höchst seltenen alten Ansichtskarten und bei Herbstnebel ist der verloren gegangene Wohnkomplex für Menschen mit reinem Herzen noch zu sehen. Auch sollen einzelne Reste, mittlerweile von Sträuchern überwuchert, im Innenstadtbereich (gemeint sind die Wohnkomplexe II und V) überdauert haben, z.B. die ehemalige HO-Gaststätte “Aktivist” oder der kleine Pavillon an der Kreuzung Friedrich-Engels-Straße/Poststraße.

(c) 06:08:2006@e-city:de

Fotos (2): Peter Montage