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Dienstag, 6. April 2010

Viel Licht am Ende der Tunnelstraße


An Ostern, diesem christlich überformten Frühlingsfest, zieht es so manchen in die alte Heimat, Familie, Freunde und Verwandte besuchen. Doof nur, wenn die Heimat nicht mehr steht, da sie einem so genannten Stadtumbau - Euphemismus für großflächigen Häuserabriss - zum Opfel fiel. Aber warum viel Aufriss um einen Abriss machen, wenn man ihn ins rechte Bild setzen kann? In einer Bilderreihe im Lobbuch Stahlinstadt soll der Abschied vom Wohnhof in der Tunnelstraße erleichtert werden. So schön war es doch gar nicht, alles Platte, alles grau, alles rechtwinklig, alles am Rande der Stadt und doch viel zu nahe an einer Schnellstraße. Wurde Zeit, das dieser plattentektonische Durchfall wegkommt. Augen auf, es ändert sich was! Bald wird die Lücke im linken Bildbereich größer sein und das ganze fotografierte Ensemble schlucken. Schon jetzt heißt es: Tschüssi Tunnelstraße!

Kommentare:

  1. Ich bin mit meinen Eltern 1972 in den ersten fertigen Block, als erste Mieter der Tunnelstraße, eingezogen. Und meine Eltern waren wohl die längsten Mieter dort( bis 2001). Leider hat nach der Wende die Sauberkeit gelitten und ständig kamen neue Mieter. Früher kam das alle 5 Jahre vor. Bißchen Wehmut ist schon dabei.

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  2. Vielen Dank für den ehrlichen Kommentar. Tja, Abschied ist ein scharfes Schwert, da ist die Wehmut mit einprogrammiert. Gegen Wehmut gibt's Wermut. Mal ehrlich, es sind nicht die Dinge, denen wir nachtrauern, sondern die Erinnerungen, die damit verknüpft sind, machen uns wehmütig. Alles Neurotransmitter, alles Gehirnkino. Doch immerhin: Erinnerungen kann uns niemand abreißen oder wegnehmen, außer Herr Wermut und Frau Demenz. Also, was brauchen wir da noch die Tunnelstraße! Jetzt, wo das Referenzobjekt weg ist, wird die Tunnelstraße vielleicht sogar noch schöner - in der Erinnerung! Wir haben ja gesehen, was mit der DDR passiert ist, die immer noch durch Millionen von Köpfen geistert. Bald kann der Bereich Tunnelstraße als abgeschlossenes Sammelgebiet der Erinnungen gelten, da dort niemand mehr neue machen kann. Nun nach vorn geschaut! Demnächst wird's dort grüner. Und nicht nur dort.

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  3. Ich bin mit meinen Eltern 1987 in die Tunnelstrasse gezogen und habe da eine schöne Kindheit verbracht.da ich leider 1999 in eine andere stadt gezogen bin,finde ich es sehr traurig wenn ich mal zu meinen eltern fahre das im grunde genommen die Häuser in dennen ich gross geworden bin alle abgerissen wurden und ich meine eigenen Kinder nicht mal mehr zeigen kann wo ich gross geworden bin.schade das die wende so viele opfer bringen musste

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  4. Ja, traurig. Das mit dem Wendeopfer kann ich so nicht stehen lassen. Wenn die DDR auch nur zehn Jahre länger existiert hätte, dann würden andere, kulturell und architektonisch wertvollere Stadtkerne wie Stralsund, Weimar und Leipzig und und und heute nicht mehr in ihrer historischen Pracht existieren. Ich selbst war 1989 in Stralsund, das sah grauenhaft verfallen aus. Bis jetzt konnten viele Häuserviertel gerettet werden, für die die DDR-Regierung den völligen Abriss vorgesehen hatte. Da tausche ich gern WK VII und Tunnelstraße gegen ein. Oftmals haben Bürgerinitiativen sich für den Erhalt und die Sanierung stark gemacht. Oftmals fehlt Plattenbauten diese Lobby.

    Wie wäre es mit einem Foto- oder Diaabend für die Kinder?

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