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Montag, 20. November 2006

Das "E.i.h.ü." Projekt


Das E.i.h.ü.-Projekt auf Flickr rollt langsam aber stetig an, der Bilderpool wächst (siehe Linkleiste). Leider haben einige Teilnehmer das Konzept noch nicht so recht verstanden, so dass ihre eingestellten Fotos wieder rausgekickt werden mussten. Es geht nicht um Fotos aus Eisenhüttenstadt, sondern prinzipiell um die "Zuckerbäcker-Architektur" der fünfziger Jahre, die so typisch für die Stalinstadt/Eisenhüttenstadt ist, aber eben auch für die Stalinallee/Karl-Marx-Allee in Berlin-Friedrichshain und andernorts. Obiges Bild zeigt beispielsweise das ungenutzt leerstehende Lichtspieltheater der Jugend in Frankfurt (Oder), welches in diesem neoklassizistischen Baustil errichtet wurde.

Sinn und Zweck dieser Aktion ist es die Wahrnehmung zu schulen, um diese Bauperiode jederzeit und überall im Stadtbild wiederzuerkennen. An dieser Stelle gibt es dem besseren Verständnis halber eine Gruppenbeschreibung, wie sie so auch auf Flickr formuliert und zu finden ist:

"Das Projekt Eisenhüttenstadt ist halt überall, kurz als E.i.h.ü. bezeichnet, sammelt Ansichten von neoklassizistischen Bauten aus den fünfziger Jahren ("Stalinbauten"), die sehr typisch für die ersten drei Wohnkomplexe in Eisenhüttenstadt - die eigentliche Stalinstadt - sind. Es gibt diese oft auch als "Zuckerbäckerstil" bezeichneten Bauwerke fast in jeder ostdeutschen Stadt, zum Beispiel in der Karl-Marx-Allee in Berlin ("Stalinstädtchen") oder in der Huttenstraße in Frankfurt an der Oder ("Huttenstadt").

Bitte beachten: Keine Aufnahmen direkt aus Eisenhüttenstadt hier einstellen, die gehören in den
Eisenhüttenstadt Pool! Bei Nichtbeachtung dieser Grundbedingung werden die betreffenden Fotos vom Administranten gnadenlos aus dem Pool gekantet."

Dienstag, 14. November 2006

The Alex Pistols

"In einem Dorf wohnten zwei Männer, die denselben Namen hatten. Beide hießen Klaus."
(Hans Christian Andersen: Der kleine und der große Klaus)

"Guter Bog, dachte ich, er ist auch ein Alex."
(Anthony Burgess: Clockwork Orange)

Bodenplatte
THE ALEX PISTOLS
oder:
NEVER MIND THE ALEXPLOITED!
HERE'S THE ALEX PISTOLS!

O meine Brüder und Schwestern, lasst euch erzählen von einer Zeit, da es sich begab, dass ich Mitglied einer gefürchteten Punkband war. Ihr mögt vergessen haben, wie diese Zeiten waren, wo sich heutzutage alles so skorri verändert und die Leute schnell vergessen und auch nicht mehr viel Zeitung gelesen wird.

Ich wuchs in einer "sozialistischen Arbeiterstadt" auf und wohnte zu dieser Zeit in einem Block in der Friedrich-Engels-Straße 12a. Durch göttliche Fügung ergab es sich, dass all meine Freunde, deren Vertrauen ich gewann, ebenso wie ich auf den schönen Namen Alexander hörten. Wir trafen uns stets bei einem von uns Zuhaus, um zusammen die gute Fruchtmilch zu trinken und mitgebrachten Platten von Beethoven, Mozart oder Mussorgski Gehör zu schenken. Dies war sehr gefährlich, O meine Brüder und Schwestern, denn klassische Musik wurde von staatswegen nicht nur als dekadent und verwerflich angesehen, sondern galt auch als vollkommen bürgerlich.

Unser gegenseitiges Interesse für die schönen Künste, namentlich Musik und Dichtkunst, führte zu dem gemeinsam getragenen Entschluss, eine Punkband zu gründen. Die Melodien hierfür wollten wir ebenso wie die Texte selbst schreiben. Wir übten heimlich im Kohlenkeller der elterlichen Wohnungen und nannten uns aufgrund unserer Namensgleichheit The Alex Pistols. Und so war die Aufgabenverteilung: Alexander B. spielte Bratsche, Alexander K. übernahm den Kontrabass, Alexander W. und ich besetzten die erste bzw. die zweite Geige, und Alexander S. versuchte sich als Sänger.

Während unserer Proben betranken wir uns immer mächtig mit Fruchtmilch, denn die enthielt verboten viele Vitamine und obendrein noch Kalzium. Wir hatten dabei das untrügliche Gefühl, die Fruchtmilch würde mehr aus uns herausholen als jemals drinsteckte. Unser Zusammenspiel verbesserte sich durch deren Einnahme auf eine Art und Weise, die fast schon auf Telepathie hindeutete, O meine Brüder und Schwestern. Auch spornte mich der Genuss von Fruchtmilch zu einem virtuosen Geigenspiel an, in Variationen, die nahezu göttlich inspiriert anmuteten.

Unsere erste Eigenkomposition war auch unsere erfolgreichste und orientierte sich an der "Ode an die Freundin" aus der Verneinten Sinfonie des guten alten Ludwig van. Wir tauften unsere Komposition in pubertärer Begeisterung einfach mal "Seid umschlungen, Melonen". Hier die erste Strophe:

"Seid umschlungen, Melonen!
Diesen Kuss der ganzen Welt!
Freundin, schönes Götterfunkeln, Engel vom Gymnasium,
Wir betreten fruchtmilchtrunken, Himmlische, dein Heiligtum."

Das war Punk, O meine Brüder und Schwestern! Wie begeistert zeigten sich unsere Fans auf unseren heimlichen, in Garagen und Kellern abgehaltenen Konzerten bereits bei diesem ersten Opus. Als dann noch "Ehre sei Gott in der Höh", "Mein Liebchen sitzt bei Tisch" und "Achte deine Eltern" erklangen, gab es wahre Begeisterungsstürme. Vor allem unsere weiblichen Groupies, die sich 'Die Alexandras' nannten, riefen in Sprechchören unisono: "Alex, Droogs & Rock'n'Roll!" Immer und immer wieder.

Es dauerte nicht lang bis wir dann in Konflikt mit der Staatsmacht gerieten. Graue Herren in grauen Mänteln erschienen plötzlich in der Schule und stellten verfängliche Fragen. Wir Alexanderse wurden ins Direktorzimmer zitiert, wo wir auf das Übelste beschimpft und zurechtgewiesen wurden. Unser Direktor schrie uns an:

"Wat isn dit für ne Hottentottenmusike! Wollta etwa den Sozialismus damit lächerlich machn? Dit is vollkommen unproletarisch sowat! Wir sin hier ne Arbeiter- und Bauernmacht und keen bürgerlicher Gesangsverein, damit dit ma klar is! Hab ick ma verständlich ausjedrückt?"

Wir alle mussten eine Erklärung unterschreiben, in der wir unseren eigenen Musikgeschmack als 'entgleist' diffamierten und Besserung gelobten. Ein jeder von uns wurde daraufhin an eine andere Schule versetzt, die Instrumente wurden als 'Wiedergutmachung' eingezogen und die Alex Pistols aufgelöst. Daran muss ich immer denken, wenn heute jemand sagt, es wäre nicht alles schlecht gewesen damals.

(© 3:12:2004@e-city:de)

Donnerstag, 9. November 2006

Der Obelisk oder: Asterisk und Obelisk

Sehr verehrte Blogsberge! Der neue Monat ist fast schon wieder zweistellig, höchste Eisen(hüttenstadt)bahn also, ein neues Motiv des Monats festzulegen. Nachdem Blogwart Ben vom EH-Blog als Initiator dieser recht ansprechenden Idee dafür sorgte, dass der Bahnhof Eisenhüttenstadt im goldenen Monat Oktober in ein neues Licht gerückt wurde, möchte ich nun den Obelisken auf dem Platz des Gedenkens zum Motiv des Monats November erklären. Der Platz der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft gehört zum ältesten Stadtareal der Neustadt an der Oder, hier wurden die allerersten Häuserblocks errichtet.

Wer nun bei dem Obelisken in Gedenken an die gleichnamige Kurzerzählung von Vladimir Sorokin laut mit irgendwelchen darin enthaltenen Schweinereien herausplatzt, der sei daran erinnert, dass in dieser Geschichte lediglich ein Roter Stern auftaucht, ein Obelisk – wie der Titel leicht vermuten lässt – jedoch nicht.

Im vormaligen Stalinstadt ist das anders: hier gibt es sowohl einen Obelisken als auch einen Roten Stern, denn letzterer krönt ersteren. Der Obelisk fungiert hier als Platzhalter – wie ein Asterisk (*) –, denn er steht für etwas anderes: Der *belisk soll uns nachfolgende Generationen an die gefallenen Soldaten der Roten Armee erinnern, die Ostdeutschland 1945 von der braunen Soße befreit haben und die in der als Zweiter Weltkrieg bekannt gewordenen Riesenschweinerei ihr Leben lassen mussten. Einige von ihnen sind auf dem Platz des Gedenkens beerdigt. Auch aus diesem Grunde sei der *belisk das Motiv des Monats November. *Zur Mahnung. *Zum Gedenken. *Als ein Zeichen gegen Krieg, aber auch gegen jegliche Diktatur - ob sozialistisch oder nationalsozialistisch.

Bitte flickert eure Bilder und stattet sie mit den folgenden Tags aus: Eisenhüttenstadt, Obelisk, Platz des Gedenkens, Platzhalter, Ehrenmal. Ein paar Obelikse gibt es auch hier.

Dienstag, 7. November 2006

Cafe Ole Flyergalerie

Dieser Handzettel aus dem Jahr 1998 beginnt mit einem orbitanten Schreibfehler: Die Oi-Punk-Band Roimungstrupp aus Kieselwitz heißt hier fälschlicherweise "Roimungsbefehl" (Zettel beim "E" leicht eingerissen). Ob es sich dabei um einen kleinen Scherz seitens des Flyer-Designers handelte, konnte im Nachhinein nicht mehr ermittelt werden...

Weitere unter dem Motto "Oderbruch-Terror!" (siehe rechten Flyerrand) aufgelistete und darum vermutlich auch aufgetretene Bands waren die Punkformationen Aufschwung und die Beutelz aus Seelow sowie Das Monc aus dem schicken Schwedt oben an der Oder. Wie das Konzert war, kann ich leider nicht beurteilen. Selbst wenn ich dabei war, war ich wohl nicht wirklich voll dabei.

An dieser Stelle sind alle Leser aufgerufen, mir ihre Flyer von Punk-, Crust- und Grindcore-Konzerten aus dem Café Olé zuzusenden, denn ich möchte an dieser Stelle eine Flyergalerie eröffnen.Weitere Flyer gibt es, wenn man/frau hier auf die Überschrift klickt.

Montag, 6. November 2006

Mein Montagsdemotape

Bei einem Blick in den Innenhof meines Nachbarblogs durfte ich folgendes entdecken: Alf, mein Lieblingsblogwart und Alter Eko beim Eisenhüttenstadt-Blog, hat sich als Demoliedchen Man betätigt und ein paar einzigartige Tongranaten ausfindig gemacht. Es handelt sich um Tonaufnahmen von der immer noch regelmäßig stattfindenden Montagsdemo in der Stalinstädter Leninallee (heute: Lindenallee -- heißt der jetzt auch Wladimir Iljitsch Linden?).

Dort wird noch wie zu DDR-Zeiten demonstriert und - was angesichts der abreißenden Euphorie im Ort noch viel aufbauender ist - es werden mobilmachende Arbeiter- und Kampflieder gesungen, wie jüngst das Solidaritätslied von Bertolt Brecht ("Vorwärts und nicht vergessen, worin unsere Stärke besteht!"). Einige dieser live aufgeführten Raritäten kann man sich direkt von der Internetseite der Aktion Montagsdemo herunterladen (www.aktion-montagsdemo-eh.de). Vielen Dank für diesen Service!

  1. Montagsdemolied (montags demoliert): lädst du hier!
  2. Ihr Leute: lädst du hier!
  3. Du hast ja ein Ziel vor den Augen: lädst du hier!
Das Logbuch Stahlinstadt hofft auf das Hinzufügen weiterer Klassiker zu diesem Sortiment.

Samstag, 4. November 2006

Chi parla italiano?

Attenzione! Gli autori di Logbuch Stahl(in)stadt ed Eisenhüttenstadt-Blog cercano persone chi parlano abbastanza bene la bella lingua italiana per formulare un articolo sulla città si chiama Eisenhüttenstadt. Questo articolo pubblicerà sulla pagina di Wikipedia italiana nel internet e per questo dovrebbe essere di prima qualità. Già esistono articoli naturalmente in tedesco, in inglese, francese, svedese, olandese, polacco, sloveno ed un piccolino nella lingua artificiale di Volapük. Ancora mancano italiano, spagnolo e portoghese.

Sei interessato? Va bene, leggi la versione tedesco, olandese o inglese, fai la tua traduzione e costruisce un articolo nel wiki. Ecco fatto!

quasi una fantasia: Giulietta Guicciardi.