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Freitag, 29. Dezember 2006

Hinter den Kulissen von Hüttenstadt: Icke & die Ickert


Was für ein Weihnachtsgeschenk – und das vier Tage vor Heiligabend. Am 20.12. erlebte die hochaktuelle Dokumentation "Hüttenstadt. Ein Film von Johanna Ickert" in den privaten Räumlichkeiten der Filmemacherin vor mit Neugier geladenen Gästen ihre fulminante Premiere. Dank eines launischen Projektors warf die Stahlarbeiterstadt sowohl Licht als auch Schatten auf die Berliner Wände. Obwohl eher dem Zufall geschuldet als einer geplanten Maßnahme entsprungen, konnte die Premiere in der Hauptstadt an keinem besseren Ort stattfinden als hier: das Hochhaus an der Weberwiese und die Arbeiterpaläste der Stalinallee befinden sich in unmittelbarer Nachbarschaft und erzeugten durch ihre Architektur auf dem von winterlicher Dunkelheit begleiteten Hin- und Rückweg bei euerm ergebenen Erzähler das merkwürdige Gefühl, sich in Wirklichkeit in einem bisher unbekannten Areal der ersten drei Wohnkomplexe von Eisenhüttenstadt zu bewegen.

Unter den Anwesenden, die auf der Premiere Mäuschen spielen durften, waren auch Ben die Ratte und das o so possierliche Opossum Alf. Vier Monate aufwendiger Arbeit stecken in dem einstündigen Filmchen, den die angehende Ethnologin im Rahmen des Studienseminars "Frauenalltag im östlichen deutschen Osten" am Institut für Europäische Ethnologie der Humboldt-Universität Berlin anfertigte. Im August 2006 hatte Johanna via E-Mail Kontakt zum Verfasser dieser bescheidenen Zeilen aufgenommen. Telefonnummern wurden ausgetauscht und eine Verabredung ausgemacht. Unser erstes Rendezvous hatten wir am ersten Tag des Stadtfestes, einem sommerwarmen Freitag, im Club Marchwitza in den Diehloer Bergen. Johanna hatte sich für die Zeit ihres zehntägigen Aufenthaltes in der dortigen Künstleroase einquartiert. Auf der Terrasse des Clubs fand dann das Interview statt, dass auszugsweise in der Doku zu hören und zu sehen ist. Wir waren uns sofort sympathisch (wie kann man Johanna nicht mögen?) und beschlossen daraufhin, gemeinsam aufs Stadtfest zu gehen, wo auch einige der verwendeten Aufnahmen entstanden. Während sich unsere moderne Leni Riefenstahlin wacker mit der Kamera ins Menschengetümmel stürzte, trottete ich, Sergej Eisengestein, ihr Stativ und Schlüsselbund tragend hinterher.

Das zweite Mal trafen wir uns dann, kurz nur, am Sonntag, zum Ende des Stadtfestes. Johanna hatte ihr Material im Kasten und wollte die Stadt, die ich soeben aus Funkfurt kommend erneut betreten hatte, mit Sack+Pack in Richtung Berlin verlassen. Dort angekommen simste sie mir sogleich euphorisch: "Bin körperlich unversehrt gelandet und fühle mich mit der Aufgabe konfrontiert, ein riesiges Eisenhüttenstadtei auszubrüten. Also ab aufs Stroh." In der Zeit ihrer viermonatigen Schein-Schwangerschaft (die Filmproduktion diente schließlich zum Scheinerwerb an der Uni) hielt euer ergebener Erzähler losen aber herzlichen Kontakt zur brütenden Jungregisseuse, für deren digitales Kind er allmählich väterliche Gefühle entwickelte. Bei meinen Kurzbesuchen fütterte ich Johanna mit aufgewärmten Tonkonserven (Mariachis feat. Ivo Lotion, RE1-Zugansage, Reimgeschwader), die nun am Anfang und zum Ende des Films zu hören sind. Der Filmtitel "Hüttenstadt" leitet sich übrigens von dem gleichbenamsten Lied der Hip-Hop-Formation Reimgeschwader her.

In den knapp zwei Wochen ihres Aufenthaltes in der "Ersten Sozialistischen Stadt Deutschlands" hat unsere tapfere Ethnologin ganze Arbeit geleistet. Ob Junge oder Alte, Eingeborene oder Exilanten, Stadtplaner oder Lokführer, überzeugte Genossen oder genüsslich Überzeugte – Johanna hat sie alle vor die Linse bekommen. Anhand des Gesagten entsteht somit ein repräsentativer Querschnitt aktueller Befindlichkeiten Eisenhüttenstädter Bewohner. Auffällig ist die allseits vorherrschende depressive Grundstimmung der Befragten, die sich fast durchweg kritisch zu ihrer Stadt äußerten. Andreas Ludwig, Leiter des Dokumentationszentrums Alltagskultur der DDR, redet gar so leise, als hätte er schon resigniert und nicht mehr die Kraft etwas laut auszusprechen. Ursula Krüger, die dagegen laut ausspricht, was sie denkt, versteht die Welt nicht mehr: "Wie konnte ein Staat, der so viel Soziales für seine Menschen geleistet hat, so sang- und klanglos untergehen?" Gemeint ist die DDR. Und dann äußert sie etwas, das den Wunsch nach misslungener Verdrängung artikuliert: "Ich habe mir mal geschworen - das ist schon ein paar Jahre her - nie mehr über die Vergangenheit zu reden." Doch von der leuchtend roten Vergangenheit, die auch ein Teil der persönlichen Vergangenheit ist, kommt sie wie viele andere Eisenhüttenstädter nicht los. Zu schön erscheint das sozialistische Abendrot in der Erinnerung im Vergleich zur vernebelten Morgendämmerung der neuen Zeit.

Ganz klar: Eisenhüttenstadt hat eine Identitätskrise. Was fehlt sind Visionen jenseits der materialistischen Konsumwelt. Sozialismus und Volkseigentum sind nicht mehr, doch was tritt nun an deren Stelle? Die Beantwortung dieser Frage steht noch aus. Der bisher vom Staat verwöhnte Eisenhüttenstädter möchte auch weiterhin mit Subventionen gefüttert werden, Eigeninitiative wird kritisch beäugt und Verantwortung auf "die da oben" abgewälzt. Sind wir überhaupt ein lebensfähiges Gemeinwesen?

Was macht unsere hochgeschätzte Nachwuchsregisseuse, die den Stadtbürgern auf so originelle Art den Eisenspiegel vors Gesicht gehalten hat, im neuen Jahr? Sie macht sich auf in die nächste Stadt, diesmal eine richtige Metropole, wo sie drei Monate verbringen wird: London. Wir wünschen Johanna Ickert auf ihrem weiteren Lebensweg alles Gute!

Ein überausführliche Rezension des Films "Hüttenstadt" gibt es hier.

Freitag, 15. Dezember 2006

Adventszeit im VI.

Nicht nur die viel beachtete Lindenallee, nee, auch die Fröbelpassage ist derzeit weihnachtlich geschmückt. Ich war richtig gehend überrascht, als ich dieses Wohngebietszentrum im Dunkeln durchschritt. Dabei entstand diese stimmungsvolle (keine Widerrede!) Aufnahme. Im Übrigen wird derzeit als "Bild des Monats" Dezember eine gelungene Nachtaufnahme aus der Stahlarbeiterstadt gesucht (siehe ooch hier). Die am Wettbewerb teilnehmenden Fotos müssen in die extra dafür eingerichtete Flickr-Group verschoben werden. Hierzu müsst ihr allerdings über ein Flickr-Konto verfügen. Zur Abstimmung braucht ihr lediglich eure liebsten Bilder als Favoriten kennzuzeichnen. Das Foto, das die meisten Favoritensterne vorweisen kann, hat dann gewonnen. Dieses schicke Bild läuft leider außerhalb der Wertung...

Dienstag, 12. Dezember 2006

Montagsdemo in Hütte

Dieses bedrückende Foto von einer Gruppe vorpreschender Bürger gelang einem unserer Korrespondenten gestern abend (18:30 Uhr) unter Einsatz seines unwerten Lebens bei einem zufälligen Bummel durch die Lindenallee. Wir sehen Werktätige dichtgedrängt beisammen auf einer Demonstration. Rote Fahnen werden geschwungen. Transparente, auf denen die DDR zurückgesehnt wird, hochgehalten.

Haben wir dafür 1989 den König geköpft und die Königin vergiftet? Frisst die Revolution doch ihre eigenen Kinder und erbricht sie wieder? Wo soll das alles noch hinführen? Die einzig richtige Antwort bitte als Kommentar.

Sonntag, 10. Dezember 2006

Bild des Monats November

Der Obelisk
Das Bild des Monats November ist beschlossene Sache. Wir rufen es uns noch einmal ins Gedächtnis: Am 9. November 2006 wurde (vermutlich unter dem Eindruck des historischen Datums) der Obelisk auf dem Platz des Gedenkens zum Motiv des Monats ausgerufen. Mit einer wieder einmal hauchdünnen Mehrheit von nur einer einzigen Stimme - ich fühlte mich spontan an die Wahl Konrad Adenauers zum Bundeskanzler am 15. September 1949 erinnert - wurde das Bild mit dem Titel "Der Obelisk" von Fotofreund ehst-tick vom Lesermob ausgewählt (siehe auch hier). Ich persönlich hätte ja eher diesem oder jenem den Vorzug gegeben - aber was soll's.

Das Sepia-farbene Foto betont vor allem die Höhe des Obelisken und zeigt recht deutlich die deutsche Inschrift: "Ewiger Ruhm den Helden, die im Kampf für die Freiheit und Unabhängigkeit unserer Heimat gefallen sind." Im oberen Bereich ist ansatzweise das Sowjetische Staatswappen zu erkennen.

Die am 7. November 1951 eingeweihte Gedenkstele ist jedoch nicht allein ein Ehrenmal für die im Kampf gefallenen Rotarmisten, sondern vor allem ein Grabstein für die rund 4.000 russischen Kriegsgefangenen, die im nahe Fürstenberg gelegenen Kriegsgefangenenlager Stalag III B ihr Leben lassen mussten. Die Toten, die durch die Hitlerdiktatur sterben mussten, galten für die Stalindiktatur ihrerseits als Verräter, denn sie hatten "auf Leben und Tod zu kämpfen" und durften sich niemals der Gefangennahme ergeben. Stalin war in dieser Sache so konsequent und rigoros, dass er nicht einmal seinen eigenen Sohn aus der deutschen Gefangenschaft auslösen wollte.

Darum sei an dieser Stelle der Opfer politischer Gewaltherrschaften gedacht, ob man sie nun als rechts (Hitler, Mussolini, Franco) oder als links (Stalin, Mao, Pol Pot) bezeichnen möge. Ihnen allen ist dieser Beitrag gewidmet.

Mittwoch, 6. Dezember 2006

Eisbärenstadt

Alle, die heute morgen hektisch in ihre Stiefel gefahren sind und dabei ein paar Schokoladenhohlkörper zertreten haben, werden es bereits wissen: Es ist Nikolaustag. Darum schiebe ich der gesamten Leserschaft des Logbuch Stahlinstadt - meiner Family - heimlich dieses schicke Foto in die Schuhe. Es zeigt den völlig vereisten und mit Rauhreif überzogenen Nordpol auf Axel Schulzens Erdkugel in der Erich-Weinert-Allee, direkt vor dem Dokumentationszentrum Alltagskultur der DDR (DOK). Man errät's: Das Foto stammt aus einem anderen Winter, in diesem Jahr sind Nordpol und Eisbären vermutlich bereits geschmolzen (siehe hier).

Montag, 20. November 2006

Das "E.i.h.ü." Projekt


Das E.i.h.ü.-Projekt auf Flickr rollt langsam aber stetig an, der Bilderpool wächst (siehe Linkleiste). Leider haben einige Teilnehmer das Konzept noch nicht so recht verstanden, so dass ihre eingestellten Fotos wieder rausgekickt werden mussten. Es geht nicht um Fotos aus Eisenhüttenstadt, sondern prinzipiell um die "Zuckerbäcker-Architektur" der fünfziger Jahre, die so typisch für die Stalinstadt/Eisenhüttenstadt ist, aber eben auch für die Stalinallee/Karl-Marx-Allee in Berlin-Friedrichshain und andernorts. Obiges Bild zeigt beispielsweise das ungenutzt leerstehende Lichtspieltheater der Jugend in Frankfurt (Oder), welches in diesem neoklassizistischen Baustil errichtet wurde.

Sinn und Zweck dieser Aktion ist es die Wahrnehmung zu schulen, um diese Bauperiode jederzeit und überall im Stadtbild wiederzuerkennen. An dieser Stelle gibt es dem besseren Verständnis halber eine Gruppenbeschreibung, wie sie so auch auf Flickr formuliert und zu finden ist:

"Das Projekt Eisenhüttenstadt ist halt überall, kurz als E.i.h.ü. bezeichnet, sammelt Ansichten von neoklassizistischen Bauten aus den fünfziger Jahren ("Stalinbauten"), die sehr typisch für die ersten drei Wohnkomplexe in Eisenhüttenstadt - die eigentliche Stalinstadt - sind. Es gibt diese oft auch als "Zuckerbäckerstil" bezeichneten Bauwerke fast in jeder ostdeutschen Stadt, zum Beispiel in der Karl-Marx-Allee in Berlin ("Stalinstädtchen") oder in der Huttenstraße in Frankfurt an der Oder ("Huttenstadt").

Bitte beachten: Keine Aufnahmen direkt aus Eisenhüttenstadt hier einstellen, die gehören in den
Eisenhüttenstadt Pool! Bei Nichtbeachtung dieser Grundbedingung werden die betreffenden Fotos vom Administranten gnadenlos aus dem Pool gekantet."

Dienstag, 14. November 2006

The Alex Pistols

"In einem Dorf wohnten zwei Männer, die denselben Namen hatten. Beide hießen Klaus."
(Hans Christian Andersen: Der kleine und der große Klaus)

"Guter Bog, dachte ich, er ist auch ein Alex."
(Anthony Burgess: Clockwork Orange)

Bodenplatte
THE ALEX PISTOLS
oder:
NEVER MIND THE ALEXPLOITED!
HERE'S THE ALEX PISTOLS!

O meine Brüder und Schwestern, lasst euch erzählen von einer Zeit, da es sich begab, dass ich Mitglied einer gefürchteten Punkband war. Ihr mögt vergessen haben, wie diese Zeiten waren, wo sich heutzutage alles so skorri verändert und die Leute schnell vergessen und auch nicht mehr viel Zeitung gelesen wird.

Ich wuchs in einer "sozialistischen Arbeiterstadt" auf und wohnte zu dieser Zeit in einem Block in der Friedrich-Engels-Straße 12a. Durch göttliche Fügung ergab es sich, dass all meine Freunde, deren Vertrauen ich gewann, ebenso wie ich auf den schönen Namen Alexander hörten. Wir trafen uns stets bei einem von uns Zuhaus, um zusammen die gute Fruchtmilch zu trinken und mitgebrachten Platten von Beethoven, Mozart oder Mussorgski Gehör zu schenken. Dies war sehr gefährlich, O meine Brüder und Schwestern, denn klassische Musik wurde von staatswegen nicht nur als dekadent und verwerflich angesehen, sondern galt auch als vollkommen bürgerlich.

Unser gegenseitiges Interesse für die schönen Künste, namentlich Musik und Dichtkunst, führte zu dem gemeinsam getragenen Entschluss, eine Punkband zu gründen. Die Melodien hierfür wollten wir ebenso wie die Texte selbst schreiben. Wir übten heimlich im Kohlenkeller der elterlichen Wohnungen und nannten uns aufgrund unserer Namensgleichheit The Alex Pistols. Und so war die Aufgabenverteilung: Alexander B. spielte Bratsche, Alexander K. übernahm den Kontrabass, Alexander W. und ich besetzten die erste bzw. die zweite Geige, und Alexander S. versuchte sich als Sänger.

Während unserer Proben betranken wir uns immer mächtig mit Fruchtmilch, denn die enthielt verboten viele Vitamine und obendrein noch Kalzium. Wir hatten dabei das untrügliche Gefühl, die Fruchtmilch würde mehr aus uns herausholen als jemals drinsteckte. Unser Zusammenspiel verbesserte sich durch deren Einnahme auf eine Art und Weise, die fast schon auf Telepathie hindeutete, O meine Brüder und Schwestern. Auch spornte mich der Genuss von Fruchtmilch zu einem virtuosen Geigenspiel an, in Variationen, die nahezu göttlich inspiriert anmuteten.

Unsere erste Eigenkomposition war auch unsere erfolgreichste und orientierte sich an der "Ode an die Freundin" aus der Verneinten Sinfonie des guten alten Ludwig van. Wir tauften unsere Komposition in pubertärer Begeisterung einfach mal "Seid umschlungen, Melonen". Hier die erste Strophe:

"Seid umschlungen, Melonen!
Diesen Kuss der ganzen Welt!
Freundin, schönes Götterfunkeln, Engel vom Gymnasium,
Wir betreten fruchtmilchtrunken, Himmlische, dein Heiligtum."

Das war Punk, O meine Brüder und Schwestern! Wie begeistert zeigten sich unsere Fans auf unseren heimlichen, in Garagen und Kellern abgehaltenen Konzerten bereits bei diesem ersten Opus. Als dann noch "Ehre sei Gott in der Höh", "Mein Liebchen sitzt bei Tisch" und "Achte deine Eltern" erklangen, gab es wahre Begeisterungsstürme. Vor allem unsere weiblichen Groupies, die sich 'Die Alexandras' nannten, riefen in Sprechchören unisono: "Alex, Droogs & Rock'n'Roll!" Immer und immer wieder.

Es dauerte nicht lang bis wir dann in Konflikt mit der Staatsmacht gerieten. Graue Herren in grauen Mänteln erschienen plötzlich in der Schule und stellten verfängliche Fragen. Wir Alexanderse wurden ins Direktorzimmer zitiert, wo wir auf das Übelste beschimpft und zurechtgewiesen wurden. Unser Direktor schrie uns an:

"Wat isn dit für ne Hottentottenmusike! Wollta etwa den Sozialismus damit lächerlich machn? Dit is vollkommen unproletarisch sowat! Wir sin hier ne Arbeiter- und Bauernmacht und keen bürgerlicher Gesangsverein, damit dit ma klar is! Hab ick ma verständlich ausjedrückt?"

Wir alle mussten eine Erklärung unterschreiben, in der wir unseren eigenen Musikgeschmack als 'entgleist' diffamierten und Besserung gelobten. Ein jeder von uns wurde daraufhin an eine andere Schule versetzt, die Instrumente wurden als 'Wiedergutmachung' eingezogen und die Alex Pistols aufgelöst. Daran muss ich immer denken, wenn heute jemand sagt, es wäre nicht alles schlecht gewesen damals.

(© 3:12:2004@e-city:de)

Donnerstag, 9. November 2006

Der Obelisk oder: Asterisk und Obelisk

Sehr verehrte Blogsberge! Der neue Monat ist fast schon wieder zweistellig, höchste Eisen(hüttenstadt)bahn also, ein neues Motiv des Monats festzulegen. Nachdem Blogwart Ben vom EH-Blog als Initiator dieser recht ansprechenden Idee dafür sorgte, dass der Bahnhof Eisenhüttenstadt im goldenen Monat Oktober in ein neues Licht gerückt wurde, möchte ich nun den Obelisken auf dem Platz des Gedenkens zum Motiv des Monats November erklären. Der Platz der Deutsch-Sowjetischen Freundschaft gehört zum ältesten Stadtareal der Neustadt an der Oder, hier wurden die allerersten Häuserblocks errichtet.

Wer nun bei dem Obelisken in Gedenken an die gleichnamige Kurzerzählung von Vladimir Sorokin laut mit irgendwelchen darin enthaltenen Schweinereien herausplatzt, der sei daran erinnert, dass in dieser Geschichte lediglich ein Roter Stern auftaucht, ein Obelisk – wie der Titel leicht vermuten lässt – jedoch nicht.

Im vormaligen Stalinstadt ist das anders: hier gibt es sowohl einen Obelisken als auch einen Roten Stern, denn letzterer krönt ersteren. Der Obelisk fungiert hier als Platzhalter – wie ein Asterisk (*) –, denn er steht für etwas anderes: Der *belisk soll uns nachfolgende Generationen an die gefallenen Soldaten der Roten Armee erinnern, die Ostdeutschland 1945 von der braunen Soße befreit haben und die in der als Zweiter Weltkrieg bekannt gewordenen Riesenschweinerei ihr Leben lassen mussten. Einige von ihnen sind auf dem Platz des Gedenkens beerdigt. Auch aus diesem Grunde sei der *belisk das Motiv des Monats November. *Zur Mahnung. *Zum Gedenken. *Als ein Zeichen gegen Krieg, aber auch gegen jegliche Diktatur - ob sozialistisch oder nationalsozialistisch.

Bitte flickert eure Bilder und stattet sie mit den folgenden Tags aus: Eisenhüttenstadt, Obelisk, Platz des Gedenkens, Platzhalter, Ehrenmal. Ein paar Obelikse gibt es auch hier.

Dienstag, 7. November 2006

Cafe Ole Flyergalerie

Dieser Handzettel aus dem Jahr 1998 beginnt mit einem orbitanten Schreibfehler: Die Oi-Punk-Band Roimungstrupp aus Kieselwitz heißt hier fälschlicherweise "Roimungsbefehl" (Zettel beim "E" leicht eingerissen). Ob es sich dabei um einen kleinen Scherz seitens des Flyer-Designers handelte, konnte im Nachhinein nicht mehr ermittelt werden...

Weitere unter dem Motto "Oderbruch-Terror!" (siehe rechten Flyerrand) aufgelistete und darum vermutlich auch aufgetretene Bands waren die Punkformationen Aufschwung und die Beutelz aus Seelow sowie Das Monc aus dem schicken Schwedt oben an der Oder. Wie das Konzert war, kann ich leider nicht beurteilen. Selbst wenn ich dabei war, war ich wohl nicht wirklich voll dabei.

An dieser Stelle sind alle Leser aufgerufen, mir ihre Flyer von Punk-, Crust- und Grindcore-Konzerten aus dem Café Olé zuzusenden, denn ich möchte an dieser Stelle eine Flyergalerie eröffnen.Weitere Flyer gibt es, wenn man/frau hier auf die Überschrift klickt.

Montag, 6. November 2006

Mein Montagsdemotape

Bei einem Blick in den Innenhof meines Nachbarblogs durfte ich folgendes entdecken: Alf, mein Lieblingsblogwart und Alter Eko beim Eisenhüttenstadt-Blog, hat sich als Demoliedchen Man betätigt und ein paar einzigartige Tongranaten ausfindig gemacht. Es handelt sich um Tonaufnahmen von der immer noch regelmäßig stattfindenden Montagsdemo in der Stalinstädter Leninallee (heute: Lindenallee -- heißt der jetzt auch Wladimir Iljitsch Linden?).

Dort wird noch wie zu DDR-Zeiten demonstriert und - was angesichts der abreißenden Euphorie im Ort noch viel aufbauender ist - es werden mobilmachende Arbeiter- und Kampflieder gesungen, wie jüngst das Solidaritätslied von Bertolt Brecht ("Vorwärts und nicht vergessen, worin unsere Stärke besteht!"). Einige dieser live aufgeführten Raritäten kann man sich direkt von der Internetseite der Aktion Montagsdemo herunterladen (www.aktion-montagsdemo-eh.de). Vielen Dank für diesen Service!

  1. Montagsdemolied (montags demoliert): lädst du hier!
  2. Ihr Leute: lädst du hier!
  3. Du hast ja ein Ziel vor den Augen: lädst du hier!
Das Logbuch Stahlinstadt hofft auf das Hinzufügen weiterer Klassiker zu diesem Sortiment.

Samstag, 4. November 2006

Chi parla italiano?

Attenzione! Gli autori di Logbuch Stahl(in)stadt ed Eisenhüttenstadt-Blog cercano persone chi parlano abbastanza bene la bella lingua italiana per formulare un articolo sulla città si chiama Eisenhüttenstadt. Questo articolo pubblicerà sulla pagina di Wikipedia italiana nel internet e per questo dovrebbe essere di prima qualità. Già esistono articoli naturalmente in tedesco, in inglese, francese, svedese, olandese, polacco, sloveno ed un piccolino nella lingua artificiale di Volapük. Ancora mancano italiano, spagnolo e portoghese.

Sei interessato? Va bene, leggi la versione tedesco, olandese o inglese, fai la tua traduzione e costruisce un articolo nel wiki. Ecco fatto!

quasi una fantasia: Giulietta Guicciardi.

Dienstag, 31. Oktober 2006

Der Duft des Eisens

Während Jean-Baptiste Grenouille aus Patrick Süskinds Roman "Das Parfum" ergebnislos versuchte, durch Destillation den Geruch von Eisen und Glas einzufangen und für die Ewigkeit zu konservieren, haben ein paar forsche Forscher immerhin den charakteristischen Metallgeruch entschlüsselt, der entsteht, wenn man Eisen mit der bloßen Hand anfasst. Ein wohl jedem Eisenhüttenstädter vertrauter Geruch, könnte man meinen.

"Dieser Geruch des Eisens bei Hautkontakt ist ironischerweise eine Art menschlicher Körpergeruch", eröffnet Dieter Glindemann vom Virginia Polytechnic Institut. Der Geruch entsteht, wenn das im Körperschweiß vorhandene Fett in Gegenwart von Eisen abgebaut wird. Dabei wird ein sogenanntes Octenon frei, welches hauptsächlich den typischen Geruch erzeugt.

(Quelle: GdCh, Zeitung leider unbekannt, Artikel lag im Zug)

Montag, 30. Oktober 2006

Eisenhüttenstadt in Berlin

"It’s Hardcore-Punk, Baby!" So lautete am Abend des 28. Oktober das Motto im Koma F in der Køpi, mitten in der Mitte der Hauptstadt. Dies wäre angesichts des autonomen Häuserkomplexes ja nichts wirklich Verwunderliches oder außergewöhnlich Erwähnenswertes, wenn da nicht eine Stadt involviert wäre, die wir alle gut kennen und die vor Ort nur als Schüttstadt bezeichnet wurde. Der Punkabend wurde nämlich von drei Bands bestritten, die zum Teil oder völlig aus Musikern der Stahlarbeiterstadt bestanden als da wären:

- Køterkacke (Kiezpunk aus F-Hain)
- Stalinstadt Ensemble (Werkscore aus Schüttstadt)
- Sax & Violins (80s Hit-Tanzkapelle aus DD)

Grund genug für mich, mal wieder meinen guten Konzertpullover anzuziehen und mit dem RE1 nach Berlin zu juckeln. Im Koma F angekommen, entdeckte ich lauter bekannte Gesichter, es war wie ein Heimspiel im Café Olé: Radi & Schnitzel am Einlass, Lothi & Andrea anna Bar und Linda, Hoppel, Enno, Dirk, Olli usw im Publikum. Und das alles für 1 Euro Eintritt, Allah sei Dank!

Den Auftakt machte das als "Punk-Brigade" angekündigte Stalinstadt Ensemble, welches die anwesenden Punks sogleich zum Pogen brachte. Euer geschätzter Andi Leser, der zu Recherchezwecken für Euch fotografieren wollte, musste sich in Acht+Bann nehmen, denn in dem niedrigen und übervollen Kellergewölbe blieb kein Raum für Sicherheitsabstand. Irgendwann riefen einige Ungeduldige: "Køterkacke! Køterkacke!" Linda, Frontmann beim SSE, konterte: "Man, ihr habt doch in Berlin genug Köterkacke! Überall Köterkacke auf den Straßen!"

Irgendwann nach Mitternacht sind dann die Lokalhelden am Ruder, das Trio Køterkacke. Wohlgemerkt, hier ist nur die Bassistin Lothaar Rothaar (vormals Dead Kaspar Hausers) aus Hütte. Schweißmoleküle verteilen sich in der Luft. Wieder wird gepogt und ich bekomme Bilder zu sehen, die ich mir nicht hätte träumen lassen: Einer der Tanzwütigen schüttelt seine Bierpulle so heftig, dass Gesternsaft an die niedrige Kohlenkellerdecke spritzt. Mit geöffnetem Mund fängt er einige der Tropfen, die von der Schwerkraft wieder nach unten gezogen wurden, auf und schluckt sie hinter. Wohl bekomm’s! Auch Blut floss, wenn auch wenig, allerdings nicht von der Decke, sondern aus einer Platzwunde.

Der Dritte in der Berliner Mitte war die Dresdner Tanzkapelle Sax & Violins (vermutlich benannt nach einem Song der Talking Heads), hier wohnte der Schlacherzeuger Hoppel einst in der Hüttenstadt und in meiner unmittelbaren Nachbarschaft. Mit altbekannten Titeln ausse Achtziger ging es Richtung Disko (ich persönlich vermisste Tragedy) und der Pogotanzstil beruhigte sich ein wenig. Vom life gespielten Boys Don’t Cry ging’s irgendwann über zu Girls Just Want To Have Fun von der Konserve. Der CD-Player hatte ne Macke, so dass dieser Song an die fünf Mal ins Programm sprang.

Am Ende des Abends, so gegen vier, hatte ich viele schöne Fotos, ein Paar ruinierte Turnschuhe, schwarze Kohlenstaubpopel in der Nase und jede Menge Spaß gehabt.

Freitag, 27. Oktober 2006

Den planerade staden

Jag skulle vilja berätta om min hemort som heter Eisenhüttenstadt och som kallades "den första socialistiska staden i Tyskland".

Eisenhüttenstadt är en produkt av det andra världskriget, vilket delade Tyskland i två delar. Västtyskland blev demokratisk och präglad av en social-liberala marknaden. Östtyskland lade bakom järnridå och var delen av Sovjetunionens imperium - en satellit. Ett stort problem var att det fanns quasi ingen industri i Östertyskland, men det behövdes särskilt järn- och stålverk för att bygga upp vidare industrigrener.

1950 fattade DDR-regeringen besluten att bygga upp ett stålverk i närheten av gränsen till Polen. Och nu får ni en lektion i socialistiska matematik: ryssk järnmalm + polnisk koks = tysk fredsstål.

Den 18 augusti 1950 grundades verk och stad - eftersom man behövde också människor som arbetar i verket. Det var allt liten väl genomtänkt därför att staden hade inget namn och de första husen var riktig fulla.

Det fanns många protester från befolkningens sidan och regeringen kom ihåg att det var en bra chans att skapa en förebild i den socialistiska arkitekturen och stadsbyggen. En konkurrens blev utskriven: Vem planerar den bästa möjliga socialistiska världen? Kurt W. Leucht har vunnit med sin plan.

I Eisenhüttenstadt har vi en dualität: verket och stan. Alla gatorna riktades mer eller mindre till EKO-ingånger. Husen blev så kallade arbetarpalatser med kakelugn. 1953 skedde ett stort tilldrugelse: Stalin dog. Därför döptes den nya staden Stalinstadt.

Übrigens: Im Schwedischen kann die Formulierung "den planerade staden" sowohl "die geplante Stadt" als auch "die planierte Stadt" bedeuten. Beides träfe auf Eisenhüttenstadt zu.

Donnerstag, 26. Oktober 2006

Sag es kürzer - mit Flickr

Erik Kastner hat sich Spell with Flickr ausgedacht. Das sieht dann in unserem Fall so aus:
Laemmy, Blogwart vom Eisenhüttenstadt-Blog hat sich seinerseits die liebe Mühe gemacht, unseren bandwurmartigen Stadtnamen in seiner voller Länge auszuschreiben. Doch Länge ist nicht alles, wie man weiß. In der Kürze liegt oft die Würze.

via: Qbi

Mittwoch, 25. Oktober 2006

Motiv des Monats Oktober: der Bahnhof

Die Eisenhüttenstädter Eisenbahnstation wurde von Ben, dem graphomanen Blogwart des Eisenhüttenstadt-Blog, zum Motiv des Monats Oktober erklärt. Zu recht, wie ich finde. Bislang sind einige schöne Aufnahmen vom Bahnhof entstanden, aber der Monat ist noch lange nicht zu Ende und hat demzufolge noch ein paar Tage zu bieten. Also: wer sich beteiligen und das ungewöhnlich sonnige Herbstwetter gut nutzen möchte, der sollte sich hurtig-spurtig mit seinem Fotoapparat bewaffnen und auf den transatlantischen Windzug aufspringen. Die geschossenen Bilder dann am besten flickern und mit den richtigen und wichtigen Tags (Bahnhof, Eisenhüttenstadt) versehen. Meinen persönlichen Bildfavoriten habe ich bei Flickr entliehen und oben eingefügt: Das Foto zeigt einen kunterbunten Bahnhof, der so nun nicht wirklich existiert. Weitere Fotos zum Thema gibt es, wenn man auf die Überschrift dieses Eintrags klickt.

Foto: x**

Eisenhüttenstadt ist halt überall

Das Projekt "Eisenhüttenstadt ist halt überall" aka E.i.h.ü. ist jetzt bei Flickr beheimatet. Alles weitere steht bei der Gruppenbeschreibung.

Freitag, 20. Oktober 2006

Knifflige Rätseligkeit

Und hier nun wieder eine knifflige Frage für Menschen mit einer guten Beobachtungsgabe und einer detailierten Ortskenntnis. Wo befinden sich diese beiden Gedenktafeln? Kleiner Tipp: Euer hochgeschätzter Andi Leser hatte jeweils in der dazugehörigen Straße seine erste bzw. seine zweite Wohnung und wohnte von den abgebildeten Tafeln mit den quasi gleichlautenden Inschriften immer nur eine Querstraße entfernt. Diese Hilfestellung erleichtert natürlich vorrangig denen, die mit dem Autor gut bekannt sind, die Beantwortung der Frage...

Mittwoch, 18. Oktober 2006

Freitag, 13. Oktober 2006

Neue Rätseligkeit

Wo befindet sich diese herausragende Inschrift und worauf soll sie hinweisen? Bitte posten!

Donnerstag, 12. Oktober 2006

Dritte Rätseligkeit

Wo in der Stadt steht dieser mit exklusiver Terrasse und erlesener Literatur ausgestattete schöne Pavillon? Mögliche Antworten bitte posten.

Freitag, 6. Oktober 2006

Der Führer schenkt den Klonen eine Stadt, 4

"You're so square / Baby, I don’t care."
(Buddy Holly)

EINTRAGUNG NR. 4

Übersicht: Wohnungsvergabe. Zuteilung der Lebenspartner. D-1808.

Nachdem der fürsorgliche Führer unserer neuen Stadt den schönen und wohlklingenden Namen Stahlstadt gegeben hatte, war befohlene zehn Minuten lang tosender Applaus zu hören. Welch Orkan! Es wird der Tag kommen, an dem werden auch noch die letzten Unterschiede zwischen uns beseitigt sein und 30.000 Klone werden im Gleichtakt klatschen. Ein großer Organismus mit tausenden, ach: Millionen Händen!

Im Anschluss an die Namenverleihung erfolgt die heißersehnte Vergabe des Wohnraums. Die Klone waren dazu aufgerufen, sich in Reihen zu formieren. Vor dem Obelisken standen Schalen randvoll mit kleinen Zetteln. Die Zettel wurden jeweils mit einer Nummer versehen, die einem bezugsfertigen Wohnraum zugeordnet war. Jede Wohnung besteht aus zwei Wohnräumen, so dass immer zwei Klone als Lebenspartner zusammen leben. Nun könnte jemand, der unsere Gesellschaftsordnung nicht kennt, einwerfen, dass diese Wohnungsvergabe vom Zufall bestimmt sei und deshalb dem Einfluss einer unberechenbaren Größe ausgeliefert ist. Dem ist nicht so! Wir Klone sind einander so ähnlich, nein, ich muss mich korrigieren: wir sind komplett identisch – und das sind auch unsere künftigen Wohnungen. Niemand muss sich bevorzugt oder benachteiligt fühlen, denn alle neuen Lebensgemeinschaften werden einander ohnehin gleichen.

Wenn ich eben behauptet habe, dass wir Klone komplett identisch sind, so muss ich ergänzen, dass es zwei Grundformen gibt, die sich zwar voneinander unterscheiden, doch untereinander gleich sind, da sie sich von denselben Prototypen ableiten. Demnach gibt es weibliche Klone, die alle vom Klon Dolly abstammen, und es gibt männliche Klone, die perfekte Kopien der Originaltype Klon Ferdinand sind. Ich zum Beispiel bin die viertausendsiebenhundertundzweiundzwanzigste Kopie des Klons Ferdinand und höre folglich auf den völlig logischen Namen F-4722.

Die Nummer auf dem Zettel, den ich aus der Schale zog, lautete übrigens 14-12-4-3, was nichts anderes bedeutet, als dass sich mein Wohnraum in der 14. Straße, 12. Treppenaufgang, 4. Stock und hinter der 3. Tür befindet. Vor dieser Tür traf ich dann den mir zugeteilten Lebenspartner: D-1808. Sie sah aus wie alle unsere weiblichen Klone – wunderschön. Dem Brauch entsprechend musste ich D-1808 über die Schwelle tragen, damit wir beide gleichzeitig die Wohnung betreten konnten. Von nun an waren wir ein Paar, die kleinste Zelle eines großen Staatsorganismus‘.

Kaum hatten wir die Wohnung in einer gemeinsamen Begehung besichtigt, schlüpfte D-1808 auch schon ins Hygienezimmer und verschloss die Tür vor meiner Nase. Ich war etwas irritiert, denn eigentlich durfte es keine Geheimnisse zwischen uns geben. Daraufhin ging ich in meinen Raum und erfreute mich seiner quadratischen Grundfläche. Wie wohlproportioniert alles war! Ich geriet sogleich ins Tagträumen und stellte mir vor, dass genau in diesem Augenblick 30.000 Klone ebenso wie ich in ihren Räumen sitzen und die himmlische Geometrie unserer revolutionären Architektur bestaunen. Ich übertreibe keinesfalls, wenn ich behaupte, dass wir den rechten Winkel neu erfunden haben.

Donnerstag, 5. Oktober 2006

Der Führer schenkt den Klonen eine Stadt, 3

EINTRAGUNG NR. 3

Übersicht: Des Führers Rede. Der Name der Stadt. Roter und Blauer Planet.

In Reih und Glied standen 30.000 Klone auf dem Zentralen Platz und warteten voller Ehrfurcht darauf, dass sich die Wortes des Führers wie Politur über sie ergießen mochten. Dann war es endlich soweit. Uns wurde zu Klatschen befohlen und unmittelbar danach betrat ein bärtiger Mann in weißer Generalsuniform die Bühne vor dem Obelisken. Da mein Erinnerungsvermögen nicht so perfekt funktioniert wie das unserer Abteilung für AgitProp (das sieht man schon daran, dass ich glaubte, mich daran zu erinnern, es hätten drei Männer auf der Tribüne gestanden, doch auf dem Zeitungsfoto sind eindeutig nur zwei zu sehen), zitiere ich den genauen Wortlaut der Rede so wie er heute in der Staatszeitung abgedruckt wurde:

„Klone des Einzigen Demokratischen Volksstaates! Ein außerordentlich bedeutsames Ereignis hat uns hier zusammengeführt: Die Einweihung der ersten Stadtneugründung auf dem Roten Planeten. Viele weitere werden folgen und sie werden ebenso prächtig aussehen wie diese Idealstadt. (Applaus.) Die Zeit der Barackensiedlungen auf Marx und Engels sind somit Teil der Geschichte! (Lang anhaltender Applaus.) Diese schöne neue Stadt ist ein wesentlicher Schritt beim Aufbau einer neuen friedliebenden Gesellschaftsordnung, die der Welt beweisen wird, dass es ohne die Ausbeuter und Kapitalisten tausendmal besser geht. (Lang anhaltender Applaus.) Die hier lebenden Klone sind in einheitlichen Quartieren zu Hause, ihr Arbeitsfeld wird das Stahl- & Eisenkombinat vor den Toren der Stadt sein.

Seit unserer gewaltsamen Vertreibung vom Blauen Planeten müssen wir gerüstet und gewappnet sein gegen die bevorstehenden Angriffe des Gegners. Unser friedliebender Staat ist in ständiger Gefahr. Der Feind kann überall sein. Die Konterrevolution wartet nur auf einen geeigneten Augenblick, um den Roten Planeten zu überfallen. Das dürfen wir nicht zulassen! Darum brauchen wir noch mehr verbesserte Waffen und ausreichend Munition. Jede Tonne Roheisen hält den Frieden aufrecht. Deshalb soll unsere neue Stadt den ehrenvollen Namen Stahlstadt tragen. Wir müssen leben, darum Stahl. (Minutenlanger Applaus.)“

Da ich davon ausgehe, dass der zukünftige Leser dieser Eintragungen in Geschichte nicht so gut bewandert ist, werde ich hier einige Dinge erklären. Der fürsorgliche Führer hatte im Jahre 2218 mit Hilfe von Klonen versucht, den Blauen Planeten von der Ausbeuterherrschaft zu befreien und durch den Interplanetarischen Kommunismus zu ersetzen. Die Revolution wurde jedoch verraten, der fürsorgliche Führer musste daraufhin mitsamt seinen Klonen auf den Mars und dessen Trabanten fliehen. Hier nutzte er die Chance, seine Vision von einer gerechten Gesellschaftsordnung umzusetzen und beseitigte mit seinem ersten Erlass die kriegerische Bezeichnung für den Roten Planeten (Mars – ein Kriegsgott) sowie für dessen Monde Phobos und Deimos ("Angst" und "Schrecken"), welche nun Marx und Engels heißen. Bald stellte sich heraus, dass der Rote Planet von einer Eisenoxidschicht überzogen ist, die sich photoelektrisch in Roheisen umwandeln lässt und der der Planet auch seinen rotbraunen Farbton verdankt. So wurde der Grundstein für die Industrialisierung gelegt.

...wird fortgeätzt...

[04:10:2006@e-city:de]

Montag, 2. Oktober 2006

Der Führer schenkt den Klonen eine Stadt, 2

"You’re so square / Baby, I don’t care."
(Buddy Holly)

EINTRAGUNG NR. 2

Übersicht: Ein seltsamer Traum. Sinfonie & Harmonie. Der Blick des Führers.

Als an diesem Morgen das allgemeine Wecksignal "Klone, hört die Signale" ertönte, wurde ich aus einem sehr seltsamen Traum gerissen. Gerade eben hatte ich zum wiederholten Mal unserem fürsorglichen Führer das Leben gerettet, doch als er sich wie üblich zu mir hinunterbeugte, um mir in die Wange zu kneifen, rutschte ihm plötzlich die Mütze vom Kopf und langes langes lockiges Haar wallte links und rechts herab. Der weiße Bart war plötzlich verschwunden und eine sanfte Hand streichelte mir anmutig das Haupt. „Mein Held“, flüsterte eine feminine Stimme. Just im entscheidenden Moment, als ich versuchte, das dazugehörige Gesicht klar zu sehen, dröhnte das allgemeine Wecksignal los wie die Posaunen von Jericho und zerstörte meine irrationalen Traumgespinste.

Alle Klone des Einzigen Demokratischen Volksstaates (E.D.V.) waren heute von einer freudigen, doch gezügelten Begeisterung ergriffen und entsprechend den Dienstgraden in blaugraue Paradeuniformen gekleidet. Kein Wunder, war doch der Y. Jahrestag der Großen Revolution der Geburtstag eines jeden Einzelnen von uns. In dem Transportraumschiff, welches uns von der kargen Mondlandschaft zur Oberfläche des Roten Planeten beförderte, erklang die Musik des guten alten Ludwig van: „Froh wie seine Sonnen fliegen / Durch des Himmels prächt’gen Plan, / Laufet, Brüder, eure Bahn, / Freudig wie ein Held zum Siegen.“ Diese Musik war angewandte Mathematik, hörbar gemachte Zahlenharmonie, klar wie Kristall. Die Anordnung der unterschiedlichsten Töne zu einem sinfonischen Ganzen sollte uns ein Vorbild sein, denn wie ein Dirigent mit eiserner Disziplin den Einzelwillen seiner Musiker bindet und zugunsten einer höheren Schönheit ordnet, so müssen auch wir Klone uns völlig dem Willen unseres fürsorglichen Führers unterwerfen, damit dieser aus unserem Zusammenspiel eine höhere Gesellschaftsordnung komponieren kann. So wie ein falsch gestimmtes Instrument für Missklang sorgt und ein ganzes Stück ruiniert, so kann auch ein falsch gestimmter Klon die ganze Gemeinschaft sabotieren. Hierzu war es notwendig, dass die Klone im Allgemeinen auf eine eigene Meinung verzichteten.

Das Transportschiff landete direkt vor dem östlichen Stadttor, durch das zu marschieren wir nun angehalten waren. Im Gleichschritt und zu quadratischen Formationen ausgerichtet stampften wir dem goldenen Zeitalter entgegen. Obwohl die strengen Marschregeln Augen geradeaus vorschrieben, riskierte ich doch einen Blick zur Seite, denn ich sah dies alles zum ersten Mal in meinem Leben: die schnurgeraden Straßen, das lichtfunkelnde Glas des Straßenpflasters, die langgestreckten Kuben der durchsichtigen Wohnhäuser, die quadratische Harmonie der blaugrauen Marschblöcke.

Die Stadt, neue Heimat für exakt 30.000 Klone, wird von zwei Hauptverkehrsstraßen (cardo und decumanus) durchzogen, die sich im Zentrum kreuzen. Dort war die Symmetrie zugunsten eines Zentralen Platzes, in dessen Mitte ein gigantischer Obelisk errichtet worden war, aufgehoben. Aus drei Himmelrichtungen marschierten die Klone auf den Platz zu, um sich vor einer Tribüne zu positionieren. Und dort war ER, der fürsorgliche Führer, und winkte uns allen zu – auch mir, denn für einen kurzen Moment sah ER genau zu mir herüber! Durch den Blickkontakt fühlte ich mich mit IHM und über IHN mit dem ganzen E.D.V. verbunden. Ich war nicht allein.

...wird fortgeätzt...

Sonntag, 1. Oktober 2006

Der Führer schenkt den Klonen eine Stadt

"You're so square / Baby, I don’t care."
(Buddy Holly)

EINTRAGUNG NR. 1

Übersicht: Eine Zeitungsnotiz. Der Vater des Volkes. Der rechte Winkel. Die ideale Stadt.

Ich gebe hier genau wider, was ich der heutigen Ausgabe unserer Staatszeitung Die Wahrheit entnehme: "Morgen, am Y. Jahrestag unserer Großen Volksrevolution, wird ein weiterer Meilenstein den Weg des unbeirrbaren Fortschritts pflastern. Der fürsorgliche Führer des Einzigen Demokratischen Volksstaates (E.D.V.) und Vorsitzender der Institutionalisierten Revolution (InRe) wird unter seinen getreuen Geschöpfen weilen und die neue Stadt – SEIN GESCHENK AN UNS – mit der Abnahme einer Militärparade einweihen. Dabei wird der revolutionäre Name unserer neuerbauten Stadt bekannt gegeben. Im Anschluss beginnt auf dem Zentralen Platz der Republik die gerechte Zuteilung von Wohnraum und der Lebenspartner. Für die gesamte Dauer des Tages ist Jubelstimmung angeordnet."

Darüber hinaus ziert die Titelseite der Staatszeitung, die aus Gründen der Papierkontingentierung nur einseitig erscheint, die Abbildung eines ungefähren Stadtplans (man muss stets vor Spionen auf der Hut sein) sowie, in derselben Größe, ein Foto unseres fürsorglichen Führers. Durch seinen weißen Bart hat ER das gütige und gleichsam gestrenge Gesicht eines liebenden Vaters. Und das ist ER auch: der Vater seines Volkes. O wie weise ist ER und ach wie unwissend sind wir! Wie gern würden wir unsere unwürdigen Leben hingeben für IHN, den vollendeten Menschen! Oft schon träumte mir des Nachts, dass ich die unverdiente Gnade bekäme, einen Anschlag auf den Führer zu vereiteln, indem ich mich schützend vor IHN warf und tapfer alle tödlichen Kugeln mit meinem Körper auffing. Der Führer zeigte sich jedes Mal so angetan von meiner Heldentat, dass er sich zu mir herunterbeugte, mir anerkennend in die Wange kniff und sagte: "Du hast dein Leben für das Wichtigste im Leben geopfert: für dein Vaterland."

Ich gerate schon wieder ins Tagträumen, dabei ist uns das ausdrücklich verboten. Der abgedruckte Stadtplan lässt trotz seiner Unbestimmtheit bereits die Großartigkeit der gesamten Stadtanlage erahnen und offenbart die idealste aller idealen Städte, das neue Jerusalem. Alles steht zueinander im rechten Winkel, denn jener ist das einzige Grundgesetz der vollkommenen mathematischen Harmonie. Der rechte Winkel ermöglicht uns das Konstruieren perfekter geometrischer Flächen und idealer architektonischer Körper; von Rechtecken und Quadraten, welche die chaotischen Unebenheiten des Roten Planeten in planen Baugrund verwandeln; von Quadern und Kuben, welche die Unendlichkeit des Raumes begrenzen und in ein menschliches Maß zwingen. Man kann sagen, der rechte Winkel ist die sichtbare Manifestation einer göttlichen Vernunft im Diesseits.

Die Stadt ist viereckig angelegt, ebenso lang wie breit. Sie ist zwölftausend Wegmaße lang und ebenso breit und wird von einer hohen gläsernen Mauer umgeben, die von vier Toren unterbrochen wird, für jede Himmelrichtung eines. Die Stadtmauer wurde auf zwölf Grundsteinen errichtet, auf denen die Namen der zwölf Märtyrer unserer Großen Volksrevolution stehen. Einen Tempel gibt es nicht in der Stadt. Unsere Kirche ist der Tempel der Arbeit, das Eisenwerk vor den Toren der Stadt, die hehre Kathedrale des Sozialismus. Wie sehr erwarte ich das Morgen, wenn die Zukunft endlich beginnt!

...wird fortgeätzt...

(01:10:2006@e-city:de)

Freitag, 15. September 2006

Konrad Wachsmann zu Besuch:

Konrad Wachsmann, einer der bedeutendsten Architekten des modernen Bauens, in Frankfurt an der Oder geboren und seit der Verfolgung der Juden durch die Nationalsozialisten überwiegend in den USA tätig, weilte 1979 in der DDR. Gemeinsam mit seinem Biografen Michael Grüning besuchte er unter anderem auch die „erste sozialistische Stadt auf deutschem Boden“:

Der Fahrer bremst scharf.
„Was ist?“ fragt Wachsmann und beugt sich vor.
„Wir sind da“, antwortet ihm der Schofför und zeigt auf das Ortseingangsschild von Eisenhüttenstadt.

Der Tatra muß sofort ganz langsam fahren. Wachsmann will alles sehen, Städte vom Reißbrett sind für ihn viel aufregender als die Kathedralen der alten Meister.

„Es sind die wenigen Symbole, denen ich vertraue“, sagt der Professor. „Neue Städte verraten den Zeitgeist ihrer Erbauer. Sie dokumentieren Gegenwartsverständnis und Zukunftserwartung!“

Also rollen wir an Wohnkomplexen, Kaufhallen, Schulen, Kindergärten, einer Klinik und dem Friedrich-Wolf-Theater vorbei.

(…)

Der Tatra rollt weiter. Abseits der Hauptstraßen wird die Stadt gleichförmig. Überall dieselben Häuserblocks. Über die Architektur verliert Wachsmann kein Wort, er will nur erfahren, wieviel Menschen hier leben. Wir wissen es nicht, müssen schätzen, einigen uns auf fünfzigtausend bis sechzigtausend. Das überrascht den Professor. „Gibt es unter so vielen Menschen keine Christen oder Juden?“ fragt er erstaunt.

„Sicher wird es sie geben. Aber warum diese Frage?“ erkundigen wir uns.

„Ich habe nicht einen einzigen Sakralbau gesehen“, sagt Wachsmann. „Städte ohne Kirchen sind so langweilig wie Städte ohne Bäume, Parks, Theater und Restaurants. Außerdem sind neue Sakralbauten die weiteste Offenbarung der Architektur. Denken Sie nur an Le Corbusiers Ronchamp!“

Wachsmann zeigt auf einige Häuser, an denen wir vorüberfahren. „Ihnen sieht man nicht an, daß es in diesem Land einen Gropius, Mies [van der Rohe], Hannes Meyer oder Hilberseimer gab.“ Der Professor sieht traurig aus dem Fenster. „Davon habe ich immer geträumt: einmal eine ganze Stadt bauen.

Wir müssen weiter. Die Zeit drängt, Neuzelle ist noch zu besichtigen, die Kirche eines alten Zisterzienserklosters. Wachsmann döst im Auto, sein Kopf auf dem Polster des Rücksitzes kippt zur Seite. Er schläft, bis wir vor der Kirche halten.


Quelle: Michael Grüning, Der Wachsmann-Report. Auskünfte eines Architekten, Berlin: 1986, S. 151 – 153.

Dienstag, 12. September 2006

miXtape-ehst.de

  1. Dr. Israel: Iron City
  2. Stalinstadt Ensemble: Stalins Hütten
  3. Reimgeschwader: Hüttenstadt (ist meine Stadt)
  4. E-Craft: Die Stahl AG
  5. Ray MC: RGS 1220
  6. Ben: ehst.coast (pt.2)
  7. Mariachis & Ivo Lotion: Eisenhüttenstadt (Peggy-Schmidt-Version)
  8. Der Plan: Eisenhüttenstadt
  9. Aki Takase / Alex Von Schlippenbach / DJ Illvibe: Eisenhüttenstadt

to be continued...

Hüttenstadt-Pop als Download

Bis jetzt war das Logbuch Stahl(in)stadt nur etwas für die Augen: tolle Texte mit bunten Bildchen. Doch ab sofort gibt es auch etwas auf die Ohren. Euer hochgeschätzter Blogwart Andi Leser hat es ermöglicht, selbstgebastelte Musik aus der Stahlstadt für den Download zugänglich zu machen. Und damit die verschiedenen Geschmäcker nicht zu kurz kommen, reicht die Spannweite des Angebots von Ambient bis Hip-Hop.

Den Auftakt macht die Formation Urklang, deren Sounds direkt aus dem Mikrokosmos des Unterbewusstseins zu kommen scheinen. Es wogt und rauscht wie das Meer, Stimmen aus dem Nichts geben einen Satz zum besten und irgendwo klingelt ein Telefon. "Es klingelt und klingelt und klingelt, und keiner hebt ab, denn es ist noch nicht einmal festzustellen, wo das klingeln überhaupt herkommt. Wie in einem Traum, wo die Geräusche der Außenwelt sich in den Schlaf drängen und man ihnen ohnmächtig ausgeliefert ist, weil sie sich nicht abstellen lassen." *

Mit dem Reimgeschwader a.k.a. Ben & Maschi haben wir das Hip-Hop-Urgestein aus Hütte am Start. Wortakrobatische Impressionen aus dem letzten Jahr vor der Jahrtausendwende. Ein Zeitdokument.

Viel Spaß damit und ab dafür!

  1. Urklang
  2. Reimgeschwader
(* Zitat von Michael Althen: Good Night, Hollywood Boulevard. David Lynchs Beitrag "Inland Empire" in Venedig; in: FAZ, Donnerstag, 7. September 2006, Nr. 208 / Seite 41.)

Montag, 11. September 2006

Streetart in Hütte

Da die pfiffigen Kollegen vom Eisenhüttenstadt Blog das jüngst fertig gestellte Steier-Wandbild bereits ausgiebig besprochen haben, begnügen wir uns an dieser Stelle mit der Bildwidergabe eines von offizieller Seite unerwünschten Straßenkunstwerks.

Samstag, 9. September 2006

Parlez-Vous Francais?

Parlez-Vous Français? Seit kurzem gibt es auf den französischen Seiten von Wikipedia einen Artikel zur Eisenhüttenstadt. Der Eintrag ist zwar noch sehr rudimentär und bedarf einer umfangreichen Ergänzung - aber immerhin! Französisch wird gegenwärtig von ca. 110 Millionen Menschen als Muttersprache gesprochen. Falls jemand von den Leuten ausm Eisenhüttenstadt-Blog des Französischen mächtig ist, kann sie/er doch bitte mal den Artikel ausbauen, auf dass die Welt erfährt, wer hier verkehrt.

Bisher gibt es Wikipedia-Artikel zur Eisenhüttenstadt in folgenden Sprachen:
- Deutsch: guckst du!
- Englisch/English: guckst du!
- Schwedisch/Svenska: guckst du!
- Niederländisch/Nederlands: guckst du!
- Polnisch/Polski: guckst du!
- Slovenisch/Slovenščina: guckst du!

Mancano le lingue Italiano, Español, Русский, Português, Eesti, Lëtzebuergesch, Česky, Magyar, Türkçe, Deitsch, Nedersaksisch, Plattdüütsch, Esperanto, Interlingua, ...

Freitag, 8. September 2006

EssenZmarken

Es gab eine Zeit, da flogen mir nicht gebratene Tauben in den Mund, doch ich bekam immerhin an einem jeden Werktag ein komplettes Mittagessen auf einem weißen Teller ausgehändigt, welches ich mit Hilfe von metallisch schmeckendem Alubesteck verspachtelte. Das Einzige, was ich dazu tun musste, war Essengeld bezahlen. Dafür bekam ich fünf graue Essenmarken á 55 Pfennige. Macht zusammen zwei Mark fünfundsiebzig. 2,75 Mark – die Summe hat sich mir ins Gedächtnis eingeprägt. Zehn Jahre lang hielt ich jeden Dienstag dieses Geld bereit. Auf den Marken waren die Schule, die Klassenstufe, das Schuljahr und der Wochentag aufgedruckt. Außerdem waren die Essenmarken in jedem Schuljahr anders grau eingefärbt: blaugrau, grüngrau, dunkelgrau, hellgrau. Es brachte also nichts, eine vergessene Essenmarke aufzuheben, die bezahlte Leistung konnte nicht aufgespart werden.
Hatte ich die Marken, dann konnte ich in der folgenden Woche in der riesigen Aula an einem quadratischen Tisch sitzend mit meinen Klassenkameraden eine warme Mahlzeit verdrücken. Wir nutzten diese Möglichkeit ausgiebig zum Schwatzen; wir witzelten herum, erzählten Filmsequenzen aus dem Vorabendprogramm nach und malten mit dem Alubesteck Dinge auf den Tisch. So manches Mal kickten wir möglichst unauffällig holzige kubanische Apfelsinen unter den Tischen hindurch auf die gegenüber liegende Seite der Aula, wo anfangs die Großen saßen und später die Kleinen, da nunmehr wir die Großen geworden waren.
Die Aula war mit Parkettfußboden, einer hölzernen Bühne und einem schwarzen, stets verschlossenen Klavier ausgestattet. Links und rechts der Bühne waren die Mädchen- bzw. Jungstoiletten. Zu besonderen Anlässen stand auf der Bühne ein Mikrophon. Am Klavier vor der Jungentoilette begann zumeist das Schlangestehen, die Essenausgabe befand sich gegenüber der Bühne, auf der anderen Seite des Raumes. Die aktuelle Essenmarke hatte ich immer in der hinteren Hosentasche zu stecken, wo sie durch das Herumrutschen auf dem Stuhl bereits die faserige Konsistenz von Löschpapier angenommen hatte.
Der Essenplan folgte einem ganz bestimmten Ablauf. Anhand des Wochentages ahnte man schon im vorhinein, was es geben würde. Und umgekehrt: anhand des Essens erinnerte man den Wochentag. Montags gab es über Jahre hinweg Nudeln mit brauner oder roter Soße. Ob als Spaghettis mit Tomatensoße, Spirellis mit Ungarischem Gulasch, Makkaronis mit Jägerschnitzel oder Milchnudeln. Oder es gab eine Nascherei, die uns wohl auch den Einstieg in die Woche versüßen sollte: Milchreis, Grießbrei, Eierkuchen, Hefeplinse oder Hefeklöße. Die Hefeklöße – es gab sie viel zu selten – waren handgemacht und bestanden aus einer riesigen Teigmasse, die erst in auftischbare Portionen zerrissen werden musste.
Der Dienstag war etwas unvorhersehbarer und tauschte sein Angebot oft mit dem Donnerstag: Kartoffeln mit Quark, mit Tiegelwurst und Sauerkraut, mit Schnitzel und Rotkohl, mit sauren Eiern in Senfsoße, mit Königsberger Klopsen oder mit Lungenhaschee (Haschee, izmir übel). Oder Schweinebauch, schön fett paniert. Dazu ein Dessert, welches im Idealfall aus Vanillepudding mit eingeweckten Erdbeeren bestand, im schlimmsten Fall aus höllischem Kürbiskompott, was optisch himmlisches Pfirsichkompott imitieren sollte.
Der Mittwoch war den Freunden der Hülsenfrüchte und der Eintöpfe vorbehalten. Am liebsten mochte ich Weiße Bohnen, Linsen süßsauer, Erbseneintopf und Kartoffelsuppe. Mohrrüben- oder Weißkohleintopf hingegen waren mir kein Vergnügen, dennoch vermisse ich den Geschmack auch dieser Schulspeisung.
Donnerstag: siehe Dienstag.
Freitags gab es Fischstäbchen oder Bismarkhering oder Brathering. In einer anderen Erinnerung gab es immer freitags Milchreis, Grießbrei, Eierkuchen, Hefeplinse oder Hefeklöße. Ich weiß es nicht mehr so genau. Dies herauszufinden ist Aufgabe der Historiker zur Aufarbeitung der DDR-Aula-Geschichte.
Kurz nach dem Ende der DDR löste sich auch die gewohnte Form der Schulspeisung, die mittlerweile unauflöslicher Bestandteil meines Lebens geworden war, in etwas Ungewohntes auf. Die über Jahre hinweg stabilen Essenpreise unterlagen plötzlich einer rasanten Inflation. Dafür nahm die Qualität des Essens ab. Auf einmal gab es Assietten, in Alufolie eingeschweiste Mahlzeiten, die in drei Felder aufportioniert waren: ein Feld für die Sättingungsbeilage, ein Feld für Gemüse und Kompott und das größte Feld für Fleisch, Soße und den ganzen Rest. Durch die hermetisch abgeschlossene Unterbringung aller Beilagen in einem Gefäß, war der Geschmack mit Garantie verdorben. Die Kartoffeln dufteten nach Bratensoße, das Kompott roch nach Kartoffeldampf und das Fleisch schmeckte nach allem. So entdeckte ich die eigene Küche für mich und das möglichst zeitökonomische Zubereiten von Tiefkühlpizza, Miracòli und Eierkuchen mit Apfelmus.

Doch manchmal träume ich noch von den Hefeplinsen und Hefeklößen von damals.

Donnerstag, 7. September 2006

Die Stadt des Morgen

EISENHÜTTENSTADT
können Sie nicht vergessen

Selbst wenn Sie im vorigen Jahr hier zu Besuch weilten und erzählen, wie Eisenhüttenstadt aussieht, sagen Sie ungewollt nicht die volle Wahrheit. Denn die Stadt wächst von Tag zu Tag. Eisenhüttenstadt besuchen Sie immer wieder, weil Sie sehen wollen, wie das Morgen aussieht. Es ist dies ein Morgen, das von den arbeitenden Menschen mit revolutionärer Ueberzeugung und Begeisterung gestaltet wird.

IN EISENHÜTTENSTADT
SAGT IHNEN
DIE ZUKUNFT
GUTEN TAG!

(aus dem Faltblatt "Die Stadt des Morgen" der Tageszeitung Neuer Tag von 1962)

Hütte bei Nacht

Um Mitternacht, wenn der letzte Regionalexpress aus Cottbus den Bahnhof Eisenhüttenstadt in Richtung Frankfurt an der Oder verlässt (genaue Abfahrtszeit 0:03 Uhr), sieht es dort so aus: keine Menschenseele, nur die Leuchtstoffröhren röhren (zum Vegrößern aufs Bild klicken). Wer doch noch den Drang verspürt, möglichst schnell die Stadt zu verlassen, hat Pech gehabt - der nächste Zug geht erst wieder um 4:26 Uhr, und zwar nach Cottbus (Ankunft 5:22 Uhr), oder um 4:29 Uhr, diesmal in Richtung Magdeburg (Ankunft 7:54 Uhr). Bis dahin muss er/sie frierend auf einer Bank ausharren, oder sie/er überlegt es sich noch einmal anders und lässt sich von den Leuchtstoffröhren heimleuchten.

Mittwoch, 6. September 2006

Der Himmel über Hütte

"Ich hatte einen Sternenhimmel über mir und einen Sternenhimmel unter mir."
(Jostein Gaarder: Das Kartengeheimnis)

Von nirgendwo sehen Stadt und Werk friedlicher aus als von den Diehloer Bergen. Die Stahlstadt erscheint vom Horizont bis zu den Füßen des Betrachters, der es sich langgestreckt auf der Schiwiese gemütlich gemacht hat, zu einer komplexen Silhouette vereint. Über die Dächer der Wohnkomplexe ragen die Türme des EKO, die Punkthochhäuser, der Kanalspeicher und die Fürstenberger Nikolaikirche. Ganz klein am Horizont sind die beiden Schornsteine des nie ans Netz gegangenen und vom Krieg zerstörten Kraftwerks Vogelsang zu sehen. Bei Nacht scheint es sogar, als würden die Lichter der Stadt in die Sterne des Himmels übergehen: der Mikrokosmos Eisenhüttenstadt geht im Makrokosmos Welt auf (zum Vergrößern bitte aufs Foto klicken).

Wenn man den Wolken ein wenig näher ist und die Alltagswelt so winzig klein erschient, dann gerät man schon mal ins Träumen und Fantasieren - frei nach Martin Luther King: "I have a dream that one day on the hills of the Diehloer Berge the citizens of former Stalinstadt and the citizens of former Fürstenberg will be able to sit down together at a table of brotherhood. I have a dream that one day even the city of Eisenhüttenstadt, a shrinking city, sweltering with the heat of unemployment and hopelessness, will be transformed into an oasis of wealth and prosperity. I have a dream that my thirty thousand children will one day live in a city with a Volkshochschule, a Tiergehege, and a Club Marchwitza. I have a dream today."

Foto: (c) 1999 by Hoppelpoppel

Dienstag, 5. September 2006

Neue Fotos auf Flickr

Viele neue und schicke Fotos von, aus und über Eisenhüttenstadt sind auf den Seiten des Bilderdienstes Flickr.com zu sehen. Zum Beispiel das des Fotokünstlers ehst.art. Dieses und weitere Bilder findet man und frau im extra angelegten und um viele zusätzliche Bahnen erweiterbaren Eisenhüttenstadt-Pool.

Mehr als nur Eisen & Hütten

Es gab eine Zeit, da versuchten die zuständigen Stellen der Stadt ein neues Image zu verpassen. Weg vom Sozialismus- und Eisenhütten-Image. Das war kurz nach der Wende; zu einer Zeit also, als die hochgekochte Euphorie die ganze Welt zu einem Hort des Friedens und der Liebe gemacht hatte. Plötzlich gab es eine Loveparade, der Blickpunkt war "die Heimatzeitung mit Herz" und Eisenhüttenstadt lag mit einem Mal dort, wo das Herz schlägt: "Wir sind mehr als nur Eisen & Hütten." (Eine Stadt nämlich.) Kann sich noch jemand an diese Kartenaktion erinnern? Wohl kaum.

Meine Frage: Wenn Eisenhüttenstadt keine "sozialistische Stadt" mehr ist und auch das Stahl- und Eisenimage nicht mehr allein zieht - was sind wir dann? Eine Stadt wie jede andere? Kann eine Stadt wie die andere sein? Was bleibt, wenn das Besondere verschwiegen und zugunsten allgemeiner Parameter verdrängt wird: Eisenhüttenstadt, die Stadt im Grünen? Ich denke, davon gibt es unzählige und noch viel schönere. Meines Erachtens kann die Stadt nur mit ihrer einzigartigen Geschichte auftrumpfen, auch wenn dies an Zeiten erinnert, die viele verdrängen möchten. (Aus der Psychoanalyse weiß man, dass Verdrängtes nur aufgeschoben und nicht verarbeitet wird und in den Tiefen des Seins ein eigenes Dasein führt.) Nur eine Aufarbeitung der Vergangenheit kann einen unbeschwerten Zugang zur Zukunft ermöglichen. Nur wer sich nicht dauernd nach hinten umblicken muss, der kann sich auf den vor ihm liegenden Weg konzentrieren.

Das DOK-Zentrum sollte darum sogar weiter ausgebaut und durch zusätzliche Einrichtungen, die sich mit der Bewältigung der DDR-Geschichte beschäftigen, ergänzt werden. Statt der üblichen Architekturstudenten sollten künftig auch Schulklassen nach Hütte gelotst werden, die sich im und vor Ort über verschiedene Aspekte der DDR ein Bild machen können - inklusive Unterbringung in einer DDR-typischen Wohnung mit Wasserhähnen aus Plaste, brauen Fliesen und braunem Linoleumfussboden. Wir schlagen das leerstehende City Hotel Lunik als Jugendherberge vor (siehe auch Kommentar).

Bild unten: Wieland

Mittwoch, 30. August 2006

Fünf Minuten der Poesie

Der deutsche Dichter Johann Wolfgang Goethe wäre am 28. August 2006 genau 257 Jahre alt geworden. Wenn er denn noch gelebt hätte. Seine Nachkommen bzw. die, die nach ihm kommen, sind nicht mehr ganz dicht, denn sie lassen dichten. Elektronisch. Zur Seite steht ihnen dabei Günters genialer Gedichtgenerator Poetron 4G, nunmehr in der Version 5.0 (auf Überschirft klicken). Einen Namen, Substantiv, Verb und Adjektiv eingeben - den Rest erledigt der Generator. (Im doppelten Sinne des Wortes wird hier Poesie erledigt.) Meine Stichwörter waren Prinz Eisenerz, Eisenhüttenstadt, lebend und stählen, heraus kam das Folgende. Die Interpretation des poetischen Werks überlasse ich großzügig dem zugeneigten Leser.

Engel

Es stählt der lebene Engel.
Stählen und bellen?
Absurde Frage!
Eisenhüttenstadte - Auch ihr!
Ach dieser Engel,
Engel in ewiger Zeit!

Engel und du!
Und selbst die Götter bleiben fern.

(Gedicht Nummer 1811503)

--

Lümmelnde Stahle

Warum lümmeln die eingegrauten Stahle?
Lümmelndes ruht?
Sie lümmeln und zappeln wohl doch nur eingegraut.
Meinethalben?
Zappeln sie avantgardistisch und deutlich?
Meinethalben!?
Sie lümmeln tja dünn!

Stalin - er hat jenes dann zu säuseln:

(Gedicht Nummer 1811504)

(c) 30. Aug. 2006 zwischen 8:30 und 9:00 Uhr

Montag, 28. August 2006

Cafe Ole Hoffest

Auf dem Gelände des alternativen Café Olé findet in diesem Jahr wieder ein Hoffest statt (ganz am Anfang hieß die Geschichte ja noch Straßenfest - siehe antiken Flyer oben). Wie dem Ablaufplan zu entnehmen ist, liegt der Schwerpunkt vor allem auf Oi-Musik und Punk - diesmal kein Grind und auch kein Crust. Hier nun die Programmübersicht:

Freitag, 1. September:
Volleyballturnier ab 17:00 Uhr
(Anmeldungen und Infos unter 0176 / 24 29 65 93)

Samstag, 2 September:
Konzert ab 14:00 Uhr | Unkostenbeitrag: 8 Oironen
mit den Bands Roimungstrupp, Paranoia, Dirtsheath, Bierroiber, Riot Bastards, Kronkorkenkiller, Inner Struggle

Sonntag, 3. September:
Tote aufsammlen, Konter-Bier trinken und abhauen.

Das Café Olé findet man am Bahnhof in der Eisenhüttenstädter Glashüttenstraße Nr. 10 (und nicht in der Glashüttenstädter Eisenhüttenstraße). Der Veranstalter weist darauf hin, dass die Möglichkeit zum Zelten besteht. Weitere Infos verbergen sich hinter dem Link auf der Überschrift.

Flyergalerie Cafe Ole 2

ohne Jahresangabe
Zum Vergrößen anklicken.

Samstag, 26. August 2006

Regen statt Fest 2006

"Und ich sach noch, Werner, sach ich, mach das nich!
Bei den Nebel."
(Brösel: Werner fährt in Urlaub)


Aufgrund einer verregneten Haushaltlage und nebulöser Finanzen empfiehlt die Stadtverwaltung, den Anstecker vom Stadtfest2003, den Blinkie zu reaktivieren, damit sich die Volksfestbesucher bei schlechter Sicht nicht gegenseitig tottrampeln. Und so wird's gemacht: Sobald die Situation undurchsichtig wird, Anstecker ans Revers heften und Blinkie einschalten. Zur Vermeidung von Auflaufunfällen bitte im vernehmbaren Umgangston zügig voranschreiten.

Freitag, 25. August 2006

Blog Cioccolato n° 6

Die letzte von insgesamt sechs sensationellen und bisher unveröffentlichten Aufnahmen aus den 60er Jahren: der Jugendbrunnen in der Heinrich-Heine-Allee vis-a-vis der 3. Polytechnischen Oberschule Wilhelm Pieck. Sofort auffällig an dem Foto ist anstatt der rauchend herumlungernden Jugend, wie zu meiner Zeit, die flache Vegetation der damals neu und grün angelegten Grünanlage. Kaum ein Baum und auch kein Strauch. Das Schicksal von Gerd Jaegers Jugendbrunnen, dessen aus Sandstein oder Muschkalk gefertigten Figuren regelmäßig die Köpfe abgeschlagen und versteckt wurden, scheint mittlerweile endgültig besiegelt. Das üppige Becken, aus dessen Mitte einst eine potente Fontaine in den blauen Himmel spritzte, ist heute voll Muttererde und mit Sprößlingen bepflanzt. Und die drei Steinplastiken rekeln ihre vier halbnackten Körper fern des Ortes, nämlich auf dem Innenhof des Städtischen Museums in Fürstenberg/Oder. Das war's!

Wer mechte, kann sich "Auf Piste: Stadtrundgang Eisenhüttenstadt" im Eisenhüttenstadt Blog zu Gemüte führen. Da klickste hier!

Foto: © 1961 by Fam. Oppelt

Donnerstag, 24. August 2006

Blog Choklad nr 5

Das Logbuch Eisenhüttenstadt ist bei Recherchen auf sensationelle und bisher unveröffentlichte Aufnahmen aus den 60er Jahren gestoßen. Die Aufnahmen, sechs Stück an der Zahl, wurden im August 1961 gemacht und sind somit genau 45 Jahre alt! Alle Bilder werden in der Woche des Interregnums (zwischen dem Deichbrückenfest und dem Stadtfest) eXklusiv im vorliegenden Logbuch veröffentlicht. Eine Woche lang jeden Tag ein Foto. Eine Woche lang jeden Tag ein Täfelchen feinster Blogschokolade.

Hier sehen wir die beiden Punkthochhäuser des letzten Abschnitts der Leninallee, zwischen dem Friedrich-Wolf-Theater und der Kreuzung Thälmannstraße. Es ist später Nachmittag, wie das geübte Auge anhand des Schattenwurfs erkennen kann. Im Vordergrund stehen gut sichtbar zwei Pkw mit unbekanntem Kennzeichen im Hinhalteverbot. Die Fahrzeughalter werden deshalb gebeten, sich umgehend beim Blogwart dieses Logbuchs zu melden.

Foto: © 1961 by Fam. Oppelt

Mittwoch, 23. August 2006

Blog Chocolate N°4

Das Logbuch Eisenhüttenstadt ist bei Recherchen auf einige sensationelle und bisher unveröffentlichte Aufnahmen aus den 60er Jahren gestoßen. Die Aufnahmen, sechs Stück an der Zahl, wurden im August 1961 gemacht und sind somit genau 45 Jahre alt! Alle Bilder werden in der Woche des Interregnums (zwischen dem Deichbrückenfest und dem Stadtfest) eXklusiv im vorliegenden Logbuch veröffentlicht. Eine Woche lang jeden Tag ein Foto. Eine Woche lang jeden Tag ein Täfelchen feinster Blogschokolade.

Wie man hier schön anhand der unauffälligen Parktaschen sehen kann, war das bevorzugte Fortbewegungsmittel im Sommer 1961 zweirädrig. Ob rotes Fahrrad oder grauer Star - Hauptsache, man kam damit bis zur Milchbar, die damals mit eisfarbenen Sonnenschirmen auf der Terrasse zu Füßen des Musentempels blumige Akzente setzte. Nach einem Schwedeneisbecher oder einem erfrischenden Eiskaffee ging der rote Hochöfner mit seiner von Arbeitseinsätzen in der Landwirtschaft gestählten Freundin ins Friedrich-Wolf-Theater zu einer Sondervorführung des Films "Karbid und Sauerampfer", der in Wirklichkeit erst 1963 in die Kinos kam. Ach, was müssen das für herrliche Zeiten gewesen sein...

Foto: © 1961 by Fam. Oppelt

Montag, 21. August 2006

Blogschokolade 3

Das Logbuch Eisenhüttenstadt ist bei Recherchen auf sensationelle und bisher unveröffentlichte Aufnahmen aus den 60er Jahren gestoßen. Die Aufnahmen, sechs Stück an der Zahl, wurden im August 1961 gemacht und sind somit genau 45 Jahre alt! Alle Bilder werden in der Woche des Interregnums (zwischen dem Deichbrückenfest und dem Stadtfest) eXklusiv im vorliegenden Logbuch veröffentlicht. Eine Woche lang jeden Tag ein Foto. Eine Woche lang jeden Tag ein Täfelchen feinster Blogschokolade. Seit Sonntag.

Foto: © 1961 by Fam. Oppelt

Blogschokolade 2

Das Logbuch Eisenhüttenstadt, für fünfzig Prozent* aller user das ultimative StahlinStadtBlog**, ist bei Recherchen auf einige sensationelle und bisher unveröffentlichte Aufnahmen aus den 60er Jahren gestoßen. Die Aufnahmen, sechs Stück an der Zahl, wurden im August 1961 gemacht und sind somit genau 45 Jahre alt! Alle Bilder werden in der Woche des Interregnums (zwischen dem Deichbrückenfest und dem Stadtfest) eXklusiv im vorliegenden Logbuch veröffentlicht. Eine Woche lang jeden Tag ein Foto. Eine Woche lang jeden Tag ein Täfelchen feinster Blogschokolade. Seit gestern.

Foto: © 1961 by Fam. Oppelt

* Angabe nach Gefühl
** Die anderen fünfzig Prozent entfallen selbstverständlich auf das Eisenhüttenstadt Blog.