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Dienstag, 8. Dezember 2009

Apokalypsenau - alles aussteigen!


Neulich kam ich von einer Weihnachtsfeier und war von Glühwein und Lebkuchengewürzen so high, dass ich prompt den falschen ICE bestieg. Ich ermüdete und erwachte erst am Endhalt in Apokalypsenau, Hauptstadt der Zwergrepublik Mucosilvanien. Die liegt mitten im Gebirge an der gemeinsamen Grenze von Belgien und Österreich.

Schon mal hier, schaue ich mich doch gleich ein wenig um, dachte ich. Wobei ich gestehen muss, dass ich gar nicht so schnell wieder weggekonnt hätte, selbst wenn ich wollte. Die Mucosilvaner Berg- und Talbahn (MBT) soll nächstes Jahr an die Börse. Aus diesem Grund fährt die Bahn nur montags, um die Bremsen und Radachsen zu schonen. Kann man sich nicht vorstellen, ist aber so.

Die Mucosilvanier sind ein stolzes Volk, weil sie den direkten Sprung von der Schnurkeramik- zur Glockenbecherkultur geschafft haben. Dieser Stolz verbindet sie mit den Nussknackermenschen im Erzgebirge. Die Mucosilvanier sind ultrasympathisch. Kennste einen, kennste alle.

In Apokalypsenau war ordentlich was los, denn auch der Zwergenstaat war von der weltweiten Krise betroffen und völlig pleite. Man hatte sich gerade eine neue Regierung gewählt. Mit beispielloser Mehrheit kamen dabei die Schuldigen der Finanzkrise an die Macht. Ein Apokalypso (so nennt man hier die Hauptstädter) hat mir das so erklärt: "Die habens eingebrockt, die müssens auslöffeln." Zumal die einzig relevante Oppositionspartei in ihrem Wahlprogramm damit geworben hatte, die Krise und Staatsschulden einfach zu verbieten.

Die neue Regierung kündigte sogleich ein groß angelegtes Konjunkturprogramm an. Jeder, der ein Auto kauft, soll einen Zweitwagen geschenkt bekommen. Bei Gebrauchtwagen gibt es ein Fahrrad, denn die Regierung ist am Umweltschutz interessiert. Jede Woche fliegt der neue Umweltminister zu irgendeiner Klimaschutzkonferenz, die sich der Reinhaltung der Atmosphäre widmet. Auch werden alle Autobahnen und öffentlichen Gebäude des Nachts mit Strahlern ausgeleuchtet, um den Verbrauch von Ökostrom zu fördern.


Der frisch gekürte Finanzminister Leopold Tesoro war so findig, die Staatsschulden eins zu eins in Staatsvermögen zu verwandeln, indem er das Minuszeichen mit einem senkrechten Strich überzeichnete. So viel Geld hatte es nie zuvor gegeben! (Der Begriff "Überzeichnen" kommt übrigens aus der Börsensprache und meint das nachträgliche Ändern des Wertes einer Aktie.) Mit dem Guthaben gründete man einen Bankenrettungsfond, denn Apokalypsenau ist als internationales Finanzzentrum von einiger Bedeutung. Die eine Hälfte des Fonds wurde für Hochglanzbroschüren und bedruckte Tassen aufgewendet, um die Bevölkerung zu informieren. Die andere Hälfte floss unmittelbar an die Bankenmanager, denn die wissen bekanntlich, wo das Geld fehlt.

Zum wichtigsten Leitstern der neuen Regierung wurde das Gleichheitsprinzip erklärt. Alle Mucosilvanier sollen gleiche Voraussetzungen bekommen. Ab Januar 2010 werden alle, ob arm ob reich, ob Mann ob Frau, den gleichen Betrag in die Kranken-, Renten- und Sozialkassen einzahlen. "Wir müssen uns mehr am Markt orientieren und von seinen liberalen Gesetzen lernen", erklärte Premierminister Franco Bollo in seiner Sonntagsansprache. "Auf dem Markt bezahlt ja auch jeder unabhängig von seiner Herkunft denselben Preis für ein halbes Brot, einen Liter Milch oder eine Flasche Doppelkorn. Dieses gerechte Prinzip muss sich in den Sozialausgaben wiederfinden."

Um die Stimmung in der Bevölkerung zu heben und um auch die letzten Kritiker zu überzeugen, wurde der Freitag zum verkaufsoffenen Feiertag erklärt. Das Wochenende hat damit drei Tage und bringt eine ganz neue Partykultur mit sich. Das alles klingt so vielversprechend, dass ich beschlossen habe, demnächst dorthin zu ziehen. Und tschüss!

ps: Mein behandelnder Arzt meinte, ich hätte die Schweinegrippe und Fieberfanstasien. "Mucosilvanien" würde genausowenig existieren wie "Apokalypsenau". Woher habe ich denn sonst die Fotos? Bilder lügen nicht. Doch yahoogelt es selbst, das Netz lügt ebensowenig. Ich vertraue auf die Vernunft des Lesers, denn der Leser bin ich.

Fotos: Peep Durple

Montag, 2. November 2009

Was läuft hier schief?

Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg! Echt schräg!

Dienstag, 27. Oktober 2009

Postmoderner Zitierwahn

Im digitalen Zeitalter ist bald schon jeder Text die Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie einer Kopie…

Montag, 26. Oktober 2009

In der Eifel steht kein Turm

TURM
TURM
TURM
TURM
TURM
TURM
TURM
TURM
TURM
TURM
EIFEL EIFEL
EIFEL EIFEL
EIFEL EIFEL EIFEL
EIFEL EIFEL EIFEL EIFEL
EIFEL EIFEL EIFEL EIFEL
EIFEL EIFEL EIFEL EIFEL EIFEL

Sonntag, 25. Oktober 2009

Wo Licht auch Schatten


Nicht vergessen, in Eisenhüttenstadt brechen neuen Zeiten an. Heute Nacht wurde die Uhr um eine Stunde zurückgestellt. Es gilt die Regel: Spring forward, fall back. Capito? spring = Frühling, fall = Herbst.

Samstag, 24. Oktober 2009

Das Gebot der Stunde: Umfeldschutz


Die Real-i-tät hat auch unsere viereckige Stadt an der Oder eingeholt. Der gemeine Hüttenstädter demonstriert geschlossen gegen H1N1 - Erreger der Schweinegrippe. Und da Impfen nicht hilft oder gesellschaftlich geächtet wurde oder einfach momentan als uncool gilt, lautet das Gebot der Stunde: "Sammeln Italienisch / 2 für 1" (ehemals Two in One). Mittels einer kombinierten Flächendesinfektion bereinigt der brave Bürger seine Stadt auf allen Viren und schützt somit sich und sein Umfeld. Gut gemacht!

Montag, 28. September 2009

Münte, Böhning, Ströbele und ich

"Der große Abreißkalender an der Wand zeigte eine 27, eine schwarze 27."
(Kurt Tucholsky - Schloss Gripsholm)


Euer ergebener Andi Leser ist am Wochenende unversehens in die Fußstapfen des rasenden Reporters Egon Erwin Kisch gestiegen und ganz gekonnt darin ausgerutscht. Eindeutig zu groß! Euer Lokalreporter Andi Leser weilte am Wochenende in der Bundeshauptstadt und surfte dort durch den Fundus der sich bietenden Möglichkeiten, ohne jedoch eine davon zu ergreifen. Doch schön der Reihe nach.

Es war Samstag. Einen göttlichen Spätsommertag ausnutzend, begub ich mich ins Friedrichshainer Café Schönbrunn, um dort im Grünen ein Alsterwässerchen zu genießen. Plötzlich marschierte Franz Müntefering (69) mit seiner Posse vorbei und verteilte freundlich rote Rosen an junge Damen. Als die Röslein rot verteilt waren, setzte er sich mit SPD-Kandidat Björn Böhning (31), dessen Wahlkampf er damit unterstützen wollte, an den Nebentisch. Die beiden unterhielten sich so leise, dass ich kein Wort aufschnappen konnte, so sehr ich auch die Ohrfalten nach außen klappte. Nicht einmal einen Fotoapparat hatte ich dabei. Nur Schloss Gripsholm von Kurt Tucholsky.

Und während die beiden gemütlich palaverten, kam ein weißhaariger Mann angeradelt und verteilte dynamisch Handzettelchen. Das ätherische Männlein, dass dort so Gandalf-gleich umherschwebte, war kein geringerer als der ehemalige RAF-Anwalt und heutige Grünen-Politiker Hans-Christian Ströbele (70). Und während Björn Böhning statisch an der Lokalität kleben blieb und auch sonst sehr inaktiv rüberkam, schwang sich Ströbele schon wieder auf sein Ökorad und huschte elfenartig davon, zum nächsten Wahlpunkt, zum nächsten Kieztreff.

Was mich an diesem Großstadtausschnitt so verwundert ist der Fakt, dass ausgerechnet der Älteste der drei genannten Personen am beweglichsten erschien. Björn Böhning, der nicht mal halb so alt ist wie Ströbele, benahm sich hingegen großväterlich und verteilte lustlos rote Luftballons. Bei der SPD war da wohl schon die Luft raus.

Wusste Björn zu diesem Zeitpunkt bereits, wie es um die SPD bestellt war? Hatte ihm Münte soeben geheime Vorabergebnisse aus dem Twitter-Universum überbracht, die die sozialdemokratische Niederlage um einen Tag vorwegnehmen sollten? Hatte alles schon keinen Sinn mehr? Die Szenerie wirkte ein wenig prophetisch.

Natürlich ist das alles sehr subjektiv. Ich habe ja nur ein kleines Zeitfenster durchschaut und damit noch lange nicht die Lage erfasst. Ich hätte ein Foto machen können und nacheinander die Drei ansprechen sollen. Egon Erwin Kisch hätte das sicherlich so gemacht und dabei noch mir Unsichtbares entdeckt. Das nächste Mal bin ich vorbereitet. Das nächste Mal.

Nicht heckern - Mandeln!


Den pragmatischsten Wahlslogan hatte eindeutig die NPD*. Die Wahlkampfleiter haben ihn sicherlich am Stammtisch und zwischen dem ersten Schnaps und dem dritten Bier dem trunkenen Volk von den Lippen gestohlen! Kreativität war jedenfalls nicht im Spiel, nur die Gelegenheit. Der Slogan wurde in der Überschrift verballhornt, denn ich werde auch im Nachhinein keine rechten Phrasen wiederholen, auch wenn es sich lediglich um geflügelte Worte handelt.

A change is gonna come (Sam Cooke). Nun wird es einen Wechsel geben. Auf Bundesebene frisst die Tigerente das Rotschwänzchen, in Eisenhüttenstadt wird zum ersten Mal in der 60jährigen Stadtgeschichte eine Frau Bürgermeisterin: Dagmar Püschel. Der Schwenk geht von sozialdemokratisch nach sozialistisch und scheint nur konsequent zu sein, denn Eisenhüttenstadt galt einst im Beinamen als "erste sozialistische Stadt auf deutschem Boden". Wobei sozialistisch oft bedeutet, dass die Administration mehr Geld ausgibt, als sie einnimmt, um das Wahlvolk mit sozialen Leistungen zu bestechen. Die Rechnung kommt dann später irgendwann. Doch Schluss mit der Schwarzseherei, das hebe ich mir für die Bundesebene auf.

Es riecht nach Tigerentenkoali. Ich würde das ja eher Wespenkoali nennen, der giftige Stachel ist nun immer mit dabei: Dass ausgerechnet die Liberalen, deren neoliberale Theorien den Weltmarkt lemmingsgleich in die Wirtschaftskrise geführt haben, jetzt die Macht bekommen. Verstehe, wer will.

Mal was positives: Man kann sagen, was man will, am Ende hat die Demokratie gesiegt. In Deutschland kann jeder hartnäckige Außenseiter etwas werden, wenn er das nur bleibt: hartnäckig. Joschka Fischer wurde 1998 erster grüner Außenseitenminister in einer rot-grünen Bundesregierung. Angela Merkel wurde 2005 erste Bundeskanzlerin. Auch war sie der erste Quasi-Ossi auf dem Kanzlersessel. Und nun wird mit Guido Westerwelle der erste bekennende Homosexuelle Außenseitenminister auf Bundesebene. Ein jegliches hat seine Zeit.

Bürgermeister Rainer Werner hatte seine Zeit. Ob er jetzt schon in Rente gehen kann oder sich verschämt auf dem Jobcenter melden muss, ist nicht bekannt. Glückwunsch Frau Bürgermeisterin! Nun bläst hoffentlicher frischer Wind ins Rathaus und weht den Mief von gefühlten tausend Jahren aus den Zimmern. Regelmäßiges Lüften wird empfohlen.

Mehr zur Wahl in Hütte im befreundeten Nachbarblog: Damenwahl! Eisenhüttenstadt hat eine Bürgermeisterin. Ein Kommentar zum Thema.

* und es hat nix genützt, zum Glück!

Donnerstag, 6. August 2009

Seid vernünftig, wählt mich: Ich Kandidat!

Am 27. September finden in Stahlinstadt wieder einmal die traditionellen Bürgermeisterqualen statt, bei denen der amtierende Bürgemeister auf liebevolle Art geteert und gefedert aus dem Stadtkreis gejagt wird. Und während das ehemalige Stadtoberhaupt als gefiederter Freund durchs umliegende Unterholz stolpert, nistet sich sein Nachfolger auf dem vorgewärmten Thron ein. Für diesen Nachfolger hätte ich schon einen Kandidaten: MICH!

Ik kann di datt förklarn, min Jung. Die Gründe für diese Edel-Auslese sind ganz einfach: Ich bin einfach der beste Mensch, den ich kenne. Oftmals bin ich regelrecht überwältigt, wenn ich sehe, mit welcher Bravour ich die Fährnisse des täglichen Da- und wieder Wegseins meistere. Beim allabendlichen Einschlafen überfluten mich ozeanische Wogen des Wohlbefindens, weil ich weiß, dass ich wieder mit mir selbst Aufwachen darf. Doch einscheidet selbst:

Wer wird die Arbeitshosenquote in Stahlinstadt auf unter vier Millionen drücken?
Mich.

Wer hat die Freilichtbühne in Feierabendtätigkeit aufgebaut?
Mich.

Wem hat die Stadt die Papierfabrik zu verdanken?
Mich.

Wer hat die Stadt so schön begrünt?
Mich.

Wen wählt ihr?
Mich.

Seid vernünftig und wählt am 27. September 2009 Andi Leser zum Eisernen Heinrich von Eisenhüttenstadt und zum Fürsten von Fürstenberg (Oder)!

~

Es folgt nun ein Aufruf außerhalb meiner redaktionellen Verantwortung, den ich dem benachbarten EH-Blog entnommen habe:

[Beginn der Durchsage]

Liebe Eisenhüttenstädter,

wir sind zehn Journalisten und werden sieben Wochen vor der Bundestagswahl mit einer fahrenden Redaktion durch Deutschland touren und aus verschiedenen Städten berichten.


Unsere 1. Station wird Eisenhüttenstadt sein. Unsere fahrende Redaktion wird vom 10.-12. August in Eisenhüttenstadt in der Lindenallee in Höhe Haus Nr. 15. stehen und tagsüber immer besetzt sein.

Kommt vorbei oder mailt uns vorher, was Eisenhüttenstadt bewegt. Was nervt euch? Worüber sollte mal berichtet werden? [Andi Leser erwähnen!] Was ist toll an eurer Stadt? [Meinen Namen nennen!]

Wir freuen uns auf euch und hier noch einige Infos über unser Projekt:

Was ist die Wahlfahrt09?

Hinter Wahlfahrt09 verbirgt sich ein mobiles Journalistenbüro. In der heißen Bundestags-Wahlkampfphase von Mitte August bis 27. September wollen wir mit dem Wohnwagen durch Deutschland fahren und quer zur üblichen Berichterstattung den deutschen Puls messen. Wir recherchieren experimentell, indem wir an zentralen Plätzen von Kommunen und Städten parken und buchstäblich auf der Straße recherchieren. Auf unserer Webseite www.wahlfahrt09.de berichten wir ab Mitte August multimedial über die Geschichten, die den Menschen wichtig sind. Die dpa-Infocom und Spiegel Online werden regelmäßig Beiträge von uns veröffentlichen.

Einen ersten Eindruck vom Projekt bekommt Ihr auf unserer vorläufigen Website. Hier könnt Ihr uns gerne Vorschläge für Orte machen, uns Geschichten erzählen, die es sonst nicht in die Medien schaffen, von Menschen berichten, die Ihr interessant findet und die man einmal besuchen sollte: www.wahlfahrt09.de

Folgt uns auch auf Twitter unter: www.twitter.com/wahlfahrt09 Wir haben auch eine Gruppe bei Facebook. Wenn unsere Idee Euch gefällt, verbreitet uns bitte weiter: http://www.facebook.com/home.php?ref=home#/group.php?gid=94696963326&ref=ts

Liebe Grüße nach Eisenhüttenstadt von Kathleen im Namen der Wahlfahrt-Crew!

[/Ende der Durchsage]

Montag, 6. Juli 2009

Statt Marketing


Eisenhüttenstadt.
Viele Reisen sind teuer.
~

Freitag, 3. Juli 2009

Statt Marketing


Eisenhüttenstadt
Viele Schneisen und teuer.
~

Samstag, 13. Juni 2009

Auch gut

Neulich an einer Verkehrsampel in Stahlinstadt.

A: Hallo!?
B: Ach - hallo!
A: Lange nicht gesehen.
B: Stimmt, ich auch.
A: Wie geht’s?
B: Gut. Und selbst?
A: Auch gut.
B: Gut.
A: Und sonst so?
B: Gut.
A: Und deine Frau?
B: Auch gut.
A: Toll.
B: Wie geht’s deiner Familie?
A: Gut.
B: Den Kindern?
A: Sehr gut!
B: Gut, ich muss dann mal.

Ein heranbrausender Schwertransporter beendet jählings die Konversation und rast in die beiden, weil die Bremsen versagen. Am Steuer des Todeslasters sitzt – euer ergebener Erzähler Andi Leser.

Freitag, 5. Juni 2009

Paranoya Festival Dresden


Neulich habe ich mitbekommen, wie mir unbekannte Leute im Flüsterton über mich redeten. Sie sagten: "Der Leser hat ein Recht darauf, die Wahrheit zu erfahren" Oder: "Die verkaufen doch den Leser für dumm!" Versteht ihr? Der Leser! Das bin ich. Naturgemäß bekommt man da ein schlechtes Gefühl. Seitdem habe ich eine klitze-kleine Paranoia entwickelt, weil ich immer denke, ich befinde mich als Hauptdarsteller in der Truman-Show und alle wissen bescheid - außer mir.

Aus Trotz gehe ich in die Offensive und empfehle hiermit ein Festival in Dresden. Ein Netzwerk von Freunden (Quäker?), zu dem auch ein mir bekannter Eisenhüttenstädter gehört, präsentiert am letzten Augustwochenende 2009 das

Paranoya Festival


Der Rest steht auf'm abgebildeten Flyer. Das Line-Up ist vom 24. Mai 2009. Weitere Infos gibt es unter:

http://www.myspace.com/paranoyafest.
~

Montag, 1. Juni 2009

Life's What You Make It


Dieses Foto ist keine Werbung für den VW Caddy Life. Das hat bereits 2007 das Nachrichtenmagazin ZERRSPIEGEL getan und bezeichnete das familientaugliche Vernunftauto als "Wunderbar langweilig". Dieses Foto ist eine Metapher. Es ist der Spiegel von 2009. Sie schauen in den Caddy Life hinein und sehen, was auf der entgegengesetzten Seite vor sich geht. Sie schauen in den Bildschirm hinein und hinter Ihnen tanzt das wahre Leben. Vor Ihnen leuchtet die Fata Morgana der Virtualität, hinter Ihnen wartet die Realität.

Also auf Peter Lustigs Art gesagt: Ausgemacht den Kasten und Stecker raus! Hinein ins wahre Leben! On The Road! Into The Wild! Euer ergebener Erzähler Andi Leser hält zwar nicht viel von diesem Selbstdarsteller mit Hahnekamm, aber wie Sascha Lobo erst gestern richtig bemerkte:

"Wenn es die Realität nicht schon gäbe, müsste man sie erfinden. Kein Vergleich mit diesem ganzen ausgedachten Kram."

Montag, 18. Mai 2009

Kasernenstadt mit Ornamenten


Just als ich mich an Fotografien vergangener Hüttenstadtbegehungen ergötzte und in Gedanken diese Wege erneut beschritt, fing auch schon Ben, wortgewandter Haudegen aus dem Nachbarblog, meinen Gedankengang telepathisch auf und erwiderte diesen telefonisch. Sogleich wurde ein Gipfeltreffen am selbigen Tage vereinbart, um bei einem sonntäglichen Spaziergang die alternative Stadtwahrnehmung zu schärfen. Anscheinend war die akute Telefonitis ausgebrochen, denn im Anschluss meldete sich der nächste Zeitgenosse, den ich analog zu meinem Namen mit Andi Presse aus Bad Freienwalde anonymisieren möchte.

Als Andi andeutete, er sei noch nie in Stahlinstadt gewesen, war eine Idee geboren. Warum nicht beide Telefonate miteinander kombinieren und Andi Presse mit auf Tour nehmen? Nun hatten wir einen Probanden, der unvorbelastet unbekanntes Terrain beschreiten konnte!

Am Bahnhof empfing uns Ben als Chauffeur und die erste Verwunderung. Der Bahnhof sehe so alt und heruntergekommen aus, meinte unsere Testperson. “Das ist ja auch noch nicht Eisenhüttenstadt!” Ben startete seine Zeitmaschine und fuhr uns durch die Architekturgeschichte der achtziger (VII. Wohnkomplex) und siebziger (VI. WK) direkt in die fünfziger Jahre, ins Herz der Stadt, wo er auf dem Zentralen Platz parkte. Dann ging es per pedes weiter.

Um den geneigten Leser nicht mit all zu vielen Details zu martern, die mir zwar wichtig, dem Unbeteiligten jedoch nur nichtig scheinen, straffe ich ab hier ein wenig. Wir bestaunten die Sanierungen in der Heinrich-Heine-Allee, deren Erker Motive aus den Märchen des jung gestorbenen und von mir sehr geschätzten Wilhelm Hauff zeigen (Der kleine Muck, Kalif Storch). Wir ersannen angesichts des verfallenden Ledigenwohnheims das Konzept eines Bordelphinariums, in dem sich Richards Nixen tummeln. Wir suchten das DDR-Museum auf, aus dessen Eingang unbegreiflicherweise mein Vater höchstselbst wie ein Deus ex machina herausschnellte, um zu verkünden, dass es heute keinen Eintritt koste, da Tag des offenen Museums sei. Wir erkundeten den V. Wohnkomplex, der den Eindruck machte, als sei er am Abreißbrett entstanden und bestiegen der romantischen Neigung der Deutschen folgend dort sogleich eine Hausruine. Merkwürdig, wie beengt die Wohnungen nun wirken, obwohl die Möbel und der ganze Rest fehlen!


Der nächste Zufall wartete vor der Juri-Gagarin-Schule, als Ben mit eigenen Ohren fühlen durfte, dass er gehört wurde, und zwar als Rapper. Ein paar herumhängende Ghettobewohner lauschten einer zehn Jahre alten Produktion des Reimgeschwaders. Der Titel dieser Ausnahme: Hüttenstadt ist meine Stadt. Was für ein Statement! an was für einem Ort!

Zum Abschluss gönnte ich meinen Weggenossen in der weltberühmten Milchbar am Friedrich-Wolf-Theater ein Eis zur Erfrischung. Mein hierbei geäußertes Kompliment, dass die Stadt wohl nur nach diesem Eis benannt worden sein kann, kam bei der Inhaberin nicht als solches an. Das Risiko des Don Juan.

Nach seinem Eindruck zur Stadt befragt, äußerte unser Bad Freienwalder Versuchskaninchen, dass ihn die ganze Stadt in ihrer Bebauung an eine Kaserne erinnere. “Ein wenig eintönig, wären da nicht die vielen Ornamente an den Hauswänden.” Allerdings sei das nicht negativ gemeint, schenkte uns Andi eine Kelle Trost hinterher. Eigentlich hat er sogar recht! Eisenhüttenstadt, die Stadt der kasernierten Volkspolizei. Jedenfalls war Andi Presse voller lebendiger Eindrücke und seine Digicam voller wirkmächtiger Bilder.

O Allmächtiger, der du uns so reichlich beschenkt hast an diesem Tag, gedankt sei dir! Dafür verzeihe ich dir sogar die frühen Tode von Wilhelm Hauff und Novalis. Dir sei vergeben! Gelobt sei der Herr! Hallelujah!

Montag, 27. April 2009

Zum 60. Jahrestag der Republik


(ADM) Anlässlich des 60. Jahrestages unseres Arbeitnehmerstaates wurde ein umfangreiches Bauvorhaben beschlossen, um unsere Bevölkerung mit noch mehr modernem Wohnraum zu versorgen. Das Ziel ist die Schaffung von 2.000 neuen Wohnungen in ganz Stahlinstadt. Ein erster Schritt hierzu ist bereits gelungen.

So konnte in der vergangenen Woche im V. Wohnkomplex außerplanmäßig das Richtfest für zwei Neubaublöcke mit modernen Küchen und Bädern gefeiert werden (Foto oben). Es handelt sich hierbei um ein Parteivorhaben. Zwei weitere Blöcke sollen folgen. Im Kiefernweg (bald sind da die Kiefern weg) werden vor allem junge Kleinfamilien einziehen, die bisher notdürftig in den Speise- und Besenkammern der Wohnkomplexe I-IV untergebracht waren.


Auch die Einwohner unserer sozialistischen Stadt tragen das ihre dazu bei, das Antlitz unserer Republik bis zum Jahrestag im Oktober zu verschönen. In der Robert-Koch-Straße beispielsweise haben sich die Mietparteien der anliegenden Aufgänge ehrenamtlich dazu eingefunden, den liegengebliebenen Hausmüll der letzten Jahre zu beseitigen. Bei dem Subotnik Ende April kam so einiges zusammen (unteres Foto, zum Vergrößern anklicken). Jeder möchte eben nur sein Bestes zum Wohle des Volkes geben.

Auf euer Wohl, ihr Arbeiter und Frauen – Prost!

Montag, 20. April 2009

Unbekannte Ansichten


Die ehemalige 3. Oberschule Wilhelm Pieck bzw. Realschule 2 im III. Wohnkomplex kennt sicherlich jeder. Weniger bekannt dürfte der alternative Seiteneingang des Schulgebäudes sein, der hier zum vielleicht ersten Mal fotografisch abgebildet wird. Er ist ein Überrest des Unsichtbaren Wohnkomplex' aus den fünfziger Jahren und nur für Sonntagskinder sichtbar; und das auch nur, wenn sie durch ein Küchenfenster des nahen Kinderheims schauen. Da ich selbst an einem Sonnabend geboren wurde, habe ich jemanden beauftragt, dieses Foto zu schießen.

In dem Uhrenturm im Vordergrund war übrigens die erste Lunaruhr der Welt untergebracht. Sie funktionierte ganz leidlich und ging schon nach wenigen Monaten nach dem Mond, so dass die Schüler jeden Tag zu einer anderen Zeit zum Unterricht einkullerten und um Weihnachten einen 13. Monat - den Feriember - einführten. Da griff die SED-Regierung ein und schickte das Uhrwerk nach Sibirien.

Freitag, 17. April 2009

Time To Bild


"It takes a second to wreck it / It takes time to build"
(Beastie Boys)


Es gibt da so Menschen – zum Beispiel mich –, die würden die Bild-Zeitung niemals als Zeitung, also als Quelle einer Nachricht, betrachten und schon gar kein Wort darüber verlieren, da auch jedes noch so schlechte Wort dennoch gute Werbung bedeutet. Und dann gibt es da so Leute – wie meinen Blognachbar Ben –, die tuen das tun. Ein Eisenhütten-Stadtartikel war der plausible Grund dafür: EINE STADT STIRBT. Es ist bemerkenswert, was dem findigen Burschen dabei so auf- und eingefallen ist. Nachlesen kann man das hier (Link).

Viehisch gefreut habe ich mich an dem Eintrag über Bens mir genehme Rechtschreibreform des Focus-Slogans "Fakten, Fakten, Fakten – und immer ‘Andi Leser’ denken!" Wobei ich gestehen muss, dass mir die verbal-hornte Version der Titanic da noch besser gefallen würde: “Ficken, ficken, ficken – und dabei ‘Andi Leser’ denken!” Doch pubertärer Humor beiseite, für solcherlei Zoten bin ich noch zu jung.

Zurück zum BLATT. Wie oben gesagt würde ich dieses BLATT niemals als Quelle von Nachrichten ansehen (“Unglaublich: Junges Mädchen (13) angefahren und dann vergewaltigt!”). Wer das BLATT kauft, ist entweder gehirntechnisch benachteiligt (“Die schreim wenigstens die Warheit über die Politicker da om!”) oder aber will wissen, was drinsteht, weil das BLATT von einer Menge gehirntechnisch benachteiligter Menschen gelesen wird, was immerhin eine gewisse Bildungsmacht bedeutet. Helmut Kohl konnte ja bekanntlich ganz gut mit dem BLATT. Würde morgen in dem BLATT stehen, Andi Leser hat ein Logbuch, dann würden Tausende Pappnasen bei mir reinklicken und sich über die kleine Schrift ärgern. Wer braucht das? Ick nich!

Man kann die BILD aber auch als dadaistisches Kunstprodukt betrachten, die uns mit ihren Tagesschlagzeilen schon beim Bäcker über die Unvernünftigkeit der Welt aufklärt. Während die anderen Zeitungen, die Regierung, die Schule, die Eltern, die Firma die ganze Zeit über so tun, als lebe die Menschheit in Gott-gegebener Vernunft und gehe stets rational vor, beweist ein Blick auf die Tagesschlagzeile, dass der Mensch immer noch mehr Affe ist als irgendein Affe (Nietzsche) und die Welt ein Irrenhaus: “Russenmafia verkauft Hitlerschädel an UFO-Sekte”, “Unglaublich: Wissenschaftler entdecken King-Kong” oder “Verrückt: Steuerzahler finanziert Neuwagenkäufer”.

Mehr so Zeugs gibt es hier: www.twitter.com/andileser

Mittwoch, 15. April 2009

Keine Säulen aus Athen

statttdessen Schnaps in Stahlinstadt... Auch wenn Stephan Remmler seinerzeit etwas anderes bardierte, passt die Melodie ganz gut, um einen akustischen Schunkelauflauf als Kontrapunkt zu diesem menschenleeren Bild zu setzen. Das Foto zeigt eine wenig bekannte Stelle des "Unsichtbaren Wohnkomplexes". Es handelt sich hierbei um ein nur von der Hofseite zugängliches Verbindungsstück zwischen der "Kameltränke" und dem "Aktivist". Wer es ebenfalls fotografieren möchte - Beeilung ist geboten, denn ein Abriss noch in diesem Jahr ist bereits erwogen worden. Der Grund hierfür ist die geringe Frequentation des Säulenganges, wie das Foto schon andeutet und beweist. Doch kaum jemand kennt diese Stelle an der Saarlouiser, Ecke Friedrich-Engels-Straße. Zu unrecht, wie ich finde.

Montag, 13. April 2009

Das reißt nicht ab


Wer an Ostern nach langen Jahren des Exils die Stadt der Städte - Eisenhüttenstadt - besuchen durfte, konnte feststellen, dass nicht nur der VII. Wohnkomplex verschwunden ist, sondern auch der V. WK dem Erdboden gleich gemacht wird. Und das in einer Stadt, die nie einen Krieg erleben musste.

In der Robert-Koch-Straße haben die lieben Bauarbeiter diesen kleinen Dornröschenturm mit provisorischen Einraumwohnungen übrig gelassen. Durch des Frühlings holden belebenden Blick bekommt dieses Foto seine kleinen Farbtupfer. Schöner wird's dadurch im Re4 bzw. im V. Wohnkomplex.

Mittwoch, 4. März 2009

Kurz+mündig: Andi Leser auf Twitter

Ich mache jeden Scheiß mit. Und nach. Euern geschätzten Logbuchführer Andi Leser gibt es nach Flickr & Wiki jetzt auch auf Twitter:

https://twitter.com/andileser

Vorreiter bei diesem Hütten-Gaudi-Trend war wie immer das benachbarte Eisenhüttenstadt-Blog, das seit kurzem sein Stadtgeflüster via Twitter ausplaudert:
https://twitter.com/ehst.
Werdet auch ihr unsere Freunde und (ver)folgt unsere Twitter-Einträge!!! Wie sagt doch ein Sprichwort aus Kalkutta:

"Inder-Kürze stecken Gewürze!"
~

Mittwoch, 4. Februar 2009

Heute schon am Morgen denken

"Wissen der Zukunft"
ANDYKLOPÄDIE GmbH & Co. KG
Straße des 11. September 2001 12
98765 Musterhusen

Herrn
Andi Leser
Lin Den Alley 18a
12345 Stahlinstadt


Sehr geehrter Herr Leser,

kommt Ihnen diese Situation nicht auch bekannt vor? Sie sitzen mit Freunden beisammen und geraten plötzlich in einen handfesten Streit, weil Sie nicht genau wissen, welche Mannschaft 2014 Fußball-Weltmeister geworden ist. Oder Ihre Kinder fragen Sie, wer 2018 der Präsident der Vereinigten Staaten von Amerika sein wird. Oder Ihre Arbeitskollegen wollen erfahren, wann die nächste Finanzkrise die Weltwirtschaft bedroht.

Ab heute braucht es dafür keine Astrologie, kein Aus-der-Hand-lesen oder Stochern im Kaffeesatz mehr: Der Klügere schlägt nach!

Unsere vorläufig auf 2000 Bände konzipierte und reich illustrierte Enzyklopädie "Wissen der Zukunft" versorgt Sie mit allem Wissen rund um den Kosmos. Jedes Thema wird ausführlich erklärt und ist anschaulich bebildert. In einem separaten Teil werden die Lottozahlen des anstehenden Jahres übersichtlich aufgelistet. Und das alles zu einem sagenhaft günstigen Preis! Für nur 149,00 Euro monatlich bekommen Sie jeweils eine Ausgabe auf dem Postweg zugesandt. Bis an Ihr Lebensende und darüber hinaus – versprochen!

Und nicht nur das! Die ersten fünfzig Einsender erhalten ein Bücherregal gratis! Und ein Schrauberzieher-Set gleich noch dazu, und zwar geschenkt!

"Wissen der Zukunft" ist die Zukunft des Wissens! Die Kenntnis der Zukunft verschafft Ihnen einen unschätzbaren Vorteil, sowohl in Ihrem beruflichen als auch in Ihrem übrigen Leben! Bestellen Sie noch heute und Sie profitieren bereits morgen vom Wissen von Übermorgen!

So einfach geht’s: Füllen Sie hierzu den beigelegten Bestellschein aus und unterschreiben Sie mit Ihrem richtigen Namen. Oder rufen Sie nicht an!

Stahlinstadt im Februar 2009

Mit freundlichen Grüßen

Enzo Clopaedica / Britt Tannika
Future Manager der ANDYKLOPÄDIE GmbH & Co. KG
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Montag, 2. Februar 2009

LebeN ist NebeL

»Aber plötzlich, an manchen Herbst- oder Winterabenden, wenn die Stadt in Nebel getaucht ist, verschwinden die Leerräume, und aus dem milchigen Grau, im Licht der Laternen, tauchen Ecken, Kanten, jähe Fassaden und dunkle Torbögen auf…«
(Umberto Eco: Das Wunder von San Baudolino)

Hiermit erinnere ich erneut an den unsichtbaren Wohnkomplex.

Samstag, 31. Januar 2009

Der Lotto-Gewinner-Typ

"Der Teufel scheißt immer auf den größten Haufen."

Die Grundlage meines Reichtums war ein kleines Stückchen Papier, in etwa so groß wie eine Banknote. Mit diesem Tippschein gewann ich im Lotto meinen ersten Jackpot in Höhe von 33 Millionen Euro. Das Geld habe ich umgehend in neue Tippscheine investiert und auf diese Weise mein bescheidenes Vermögen um ein Beachtliches vermehrt.

Als erstes habe ich mir beträchtliche Ländereien erworben und darauf ein Schloss erbauen lassen. Mein Schloss ist angemessen groß; vom Westflügel kann man den Pariser Eiffelturm sehen, vom Ostflügel das Empire State Building. Die Dachrinnen sind aus purem Gold und die Fallrohrstutzen aus reinstem Platin. Das Haus verfügt über eine stattliche Anzahl befahrbarer Kleiderschränke sowie über eine Hut-, Schal- und eine Schuhmeile. Auch besitze ich eine zeitgenössische Bibliothek mit den Werken aller lebenden Autoren. Leider ist letzte Woche mein Bibliothekar verstorben, er hatte sich verlaufen und war verhungert. In meinem Wohnzimmer befindet sich der weltgrößte Kamin; er wird mit tausend Jahre alten Mammutbäumen beheizt. Im Küchentrakt steht eine Gefriertruhe, die sommers wie winters zum Skifahren einlädt. Nebenher kann man Vanilleeis von der Piste naschen.

Gestern Mittag hatte ich die Bevölkerung Albaniens zu Gast, morgen wollen Chinesen und Inder kommen. Die Bewirtung findet mit Meißener Porzellangeschirr statt, welches nach der Benutzung nicht abgewaschen, sondern weggeworfen wird. Das Schloss ist von einem wundervollen Englischen Garten umgeben, in dem auch ein paar Millionenstädte liegen. Den Rasen wässere ich abwechselnd mit französischem und italienischem Mineralwasser, damit er immer schön grün bleibt.

So sieht mein Tagesablauf aus: Jeden Morgen kaufe ich mir eine Bäckerei, um ein paar neue Backspezialitäten kennenzulernen. Der Fürst von Lichtenstein bringt mir die Morgenzeitung, der Sultan von Brunei die Abendpost. Nach der Zeitungslektüre halte ich eine Stunde Audienz, in der ich meinen Anwälten Anweisungen gebe, was sie heute zu tun und was sie zu lassen haben. Ich beschäftige ein Heer von 24 Anwälten, die meine Interessen vertreten. Dazu habe ich nocheinmal zwölf Anwälte auf meiner Gehaltsliste, die die ersten 24 Anwälte kontrollieren.

Jeden Tag befindet sich eine andere Aufsehen erregende Frau an meiner Seite, meist die Schönheitskönigin irgendeiner Nation. Machmal sind es auch mehrere und wir veranstalten harmlose Orgien im Champagner-Schwimmbecken. Trotz dieser Annehmlichkeiten gibt es jedoch auch Phasen der Einsamkeit; im Klub der Billionäre bin ich allein, im Klub der Billiardäre ebenso. Allerdings bin ich trotz meines vielen Geldes ein Menschenfreund geblieben. Neulich bedachte ich einen Penner mit einem 500-Euro-Schein (er hatte nicht auf hundert raugeben können). Auch konnte ich jüngst mit den Januar-Zinsen auf mein Sparbuch der US-Regierung aus ihrer Finanzkrise helfen. Derzeit überlege ich, ob ich das EKO in Stahlinstadt käuflich erwerbe – einfach nur, um Menschen bei der Arbeit zuzuschauen.

Machmal sitze ich nachdenklich auf meiner Terrasse, blicke hinüber zum Gartenpavillon (einem 1:1-Nachbau des Versailler Schlosses mit beigesellter Giseh-Pyramide zur Aufbewahrung von Harke, Schippe und Spaten) und denke mir: Das kann doch nicht alles gewesen sein! Und richtig, gestern hatte ich wieder einen Sechser im Lotto.

Dankeschön und auf Wiedersehn!

Mittwoch, 28. Januar 2009

Ode an den Klingenstahl

Mein Bart,
der haart.
Er harrt
einer Rasur.
Was mache ich da nur?
Ich habe keine Klinge
(es klingt nicht, wenn ich singe),
nehme ein Messer aus klingendem Stahl
das macht die Kinnglatze wieder kahl.
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Da das Eisenhüttenstadt-Blog sich neulich in Versform und zurecht über eine schlecht gereimte Hausbeschreibung entrüstete, wollte ich nicht zurückstehen und habe mir über Tage! Wochen! Monate! diesen obigen Reim abgerungen. Und schon ist er verklungen.

Mittwoch, 21. Januar 2009

Da Hamas!


Es ist vollbracht. Barack Obama ("Man sagt, er habe magische Kräfte.") ist endlich US-Präsident, die Zeit der Wunder kann beginnen. Yes, we can! - Ja, wir schaffen's! Jeder von uns kann sich zum Unglaublichen aufschwingen! Man muss nur ganz feste dran glauben. Doch die guten Nachrichten reißen damit noch lange nicht ab und die Kinder auf dem Foto oben können sich auch sonst auf eine sonnige Zukunft freuen:

Porsche- und Audipiloten bekommen eine Abwrackprämie von 25.000 Euro. Israel zieht sich aus der GASAG zurück. Die Hamas sieht sich als Gewinner und verspricht von nun an artig zu bleiben. Russland pumpt wieder Erdgas nach Osteuropa und entsorgt parallel Regime-Kritiker auf die bewährte Art+Weise. Und das Beste zum Schluss: Bürgermeister Rainer Werner will für eine dritte Amtszeit kandidieren!!! Mit seiner Wiederwahl wäre er somit 24 Jahre lang Bürgermeister von Stahlinstadt, das bedeutet das dreifache der Amtszeit von US-Präsident George W. Bush. Ich hätte da schon einen Slogan parat: "SPD, damit sich nichts verändert!"

Vielleicht entwirft mir ja der eine oder andere Leser ein Wahlplakat, welches ich dann im Logbuch abdrucken kann. Ich wäre sehr dankbar! (Bitte keine bildlichen Vergleiche zwischen Rainer Werner und J. W. Stalin. Das ist zwar lustig, aber inzwischen auch schon etwas ausgelutscht. Dankeschön!)

Sonntag, 18. Januar 2009

Aktivist wer aktiv ist


Nachdem Ben schon mal den Auftakt machte mit einem historischen EH-Foto aus dem Bundesarchiv, möchte ich den heutigen Sonntag mit einem Foto der HO-Gaststätte Aktivist verschönern. Das Gebäude, das seit der Wende leersteht und einmal jährlich für Kunstaktionen zugänglich gemacht wird, soll wieder einmal gerettet und saniert werden. Das steht zumindest hier und da. Allerdings kann und wird es dann nicht mehr so zugehen, wie auf dem Bild von 1955, denn in den neu entstehenden Büros der EWG wird Rauchen, Trinken und Rumhuren wohl so nicht erlaubt sein. Dafür soll die Bierschwemme wiederhergerichtet werden, als Bierkneipe.

Ich glaube die Meldung sowieso erst, wenn ich den Aktivist picobello intakt am Ende der Saarlouiser Straße leuchten sehe...

Samstag, 17. Januar 2009

Koch-an-Koch-Rennen bei Hessenwahl

Hessen liefert sich selbst ein heißes Koch-an-Koch-Rennen. Was soll man auch sonst zur Wahl in Hessen schreiben? Nach dem Hickhack der X- und Ypsilanten von der SPD gümpelt die Partei weit abgeschlagen auf dem zweiten oder vielleicht gar dritten Platz. DIE LINKE betreibt einfach Straßenwerbung und will laut eigenen Aussagen vom Donnerstag "bis Sonntag, acht Uhr, auf der Straße" bleiben, was vor allem Obdachlose ansprechen dürfte. Derweil bleibt die FDP am Straßenrand und genehmigt sich an der Pommesbude eine überteuerte "Currywurst mit Ketchup und Mayo, aber ohne Pommes!" (Guido Westerwelle)

Was soll man sonst zur Wahl in Hessen schreiben?

Freitag, 16. Januar 2009

Frank Schwätzig: Der Charm

"Wenn Nietzsche in den Abgrund blickt,
dann blickt der Abgrund auch in Nietzsche."


21. Juni, Schwarzes Luch, Vogelsang. Eine Gruppe norwegischer Austauschschülerinnen wird beim Baden von einer Horde Stichlinge angegriffen. Die Mädchen können sich mit Jauchzen und Juchzen an Land retten, wobei Ihnen der betreffende Fischschwarm durch die Lappen geht. Die Polizei geht bei dem Schwarm noch von einem Einzeltäter aus.

23. Juni, Müllroser See, Müllrose. Mehrere Badegäste werden von einem verstörten Fischschwarm angespuckt und mit Rogen beworfen. Infolge dessen stagniert der Verkauf von Kaviar in Müllrose. Die Wasserschutzpolizei ermittelt.

30. Juni, Helenesee, Frankfurt (Oder). In den frühen Morgenstunden wird ein Angler von einem tollen Hecht ins Tiefe gezerrt, bis dem Mann zuerst die Puste und dann das Lebenslicht ausgeht. Am Nachmittag kommt es zu einem weiteren Todesfall, als ein Schwimmlehrer vor Wut platzt. Der Kriminalkommissar zeigt auf die Wasseroberfläche der Helene und befindet: "Alles klar!"

4. Juli, Nationalfeiertag in den USA. Umweltschützerin Anna Wrack sieht einen mysteriösen Zusammenhang zwischen all diesen Katastrophen: "Alle Ereignisse fanden im Sommer statt und hatten mit Menschen zu tun." Sie untersucht die beiden Leichen und nimmt Wasserproben. Sie macht dabei eine unerwartete Entdeckung und setzt sich daraufhin mit den norwegischen Austauschschülerinnen in Verbindung. Ihr Verdacht scheint sich zu bestätigen.

18. Juli, Müritz, Waren. Die amtierende Miss Ostdeutschland wird von einem Aal ziemlich barsch angefasst und als "Laufsteak" beschimpft. Sie erleidet einen Hörsturz und wird depressiv. Auch hier stößt die mutige Umweltschützerin Anna Wrack auf das gleiche Indiz: Alle Betroffenen benutzten ein Deodorant der Marke "Charm". Das Deo wirbt mit der Aussage unwiderstehlich zu machen, da es den synthetischen Sexuallockstoff Östragon enthalte.

20. Juli, Atlantis, Atlantis-City. Anna Wrack trifft sich mit Neptun, dem Herrscher der Meere und des Trinkwassers. Aus dem Gespräch erfährt sie, dass Östragon die Wasserbewohner unnötig aufgeilt. Neptun fordert ein Verbot des Deodorants. Anna Wrack verspricht, ihre Achselbehaarung unparfümiert zu belassen.

18. August, Washington, Pentagramm. Die Menschen schließen ein Friedensabkommen mit den Fischen und verordnen ein Östragonmoratorium ab 2019. Neptun bezeichnet das Moratorium als zu lachs, der französische Präsident Nikolas Sackgesicht hingegen findet es Abyssl übertrieben.

10. Oktober, Schweden, Stockholm. Der Wissenschaftler Erich von Däniken geht ins Wasser und bekommt für sein Lebenswerk den Friedensnobelpreis geliehen. Entgegen darwinistischer Darlegungen stammt der Mensch nun doch nicht von Affen ab, sondern kommt wie alles andere Leben aus den Ozeanen.

Dienstag, 13. Januar 2009

Globalisierung, Alter!

Die Große Koalition hat in der Nacht das noch viel größere Konjukturprogramm der Nachkriegsgeschichte beschlossen. Damit sollen mehrere Milliarden Euro durch die Erdogan-Pipelines in der Ukraine nach Russland gepumpt werden, um den Krieg in Israel zu finanzieren. Der Krieg im Gazastreifen war ausgebrochen, nachdem die Hamas den Supertanker Sirius Star auf seiner Fahrt von Borneo nach Kalimantan versenkt hatte.

Der Schweizer Uhrenhersteller Humanright-Swatch hat durch Börsenspekulationen seine Aktienmehrheit bei der Heidelberger Ratiopharm AG verspielt. Der Präsident der US-amerikanischen Plattenfirma Tamla Motown, Barack Obama, droht nun mit der Auflösung des Folterseminars in Guantánamo. Die Taliban in Teheran begrüßte diese Ankündigung mit Selbstmordanschlägen unter Neuköllner Hartz-IV-Empfängern.

Und nun die Wetteraussichten. Hockenheim verliert im Halbfinale auf dem Nürburgring gegen Alba Berlin mit einem 2:3, Zusatzzahl 6.

Mittwoch, 7. Januar 2009

Das Wort zur Finanzkrise

"Crisis? What Crisis?" (Supertramp, 1975)
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Das Wort zur Finanzkrise:
Geld und Aktien sind allgemein überbewertet.

Sonntag, 4. Januar 2009

Linz doch mal nach Austria!

"Stahlstadtkinder, immer im Duell
Stahlstadtkinder leben viel zu schnell
Stahlstadtkinder in den Stahlfabriken
Und abends besoffen in den Diskotheken"
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Man merkt es schon an der ungewohnten Dramatik und der sprachlichen Action - hier sind nicht die phlegmatischen Nesthocker der brandenburgischen Stahlinstadt gemeint, sondern der Nachwuchs einer Stadt in der österreichischen Provinz: Linz. Der österreichische Stahlstandort ist (gemeinsam mit der litauischen Hauptstadt Wilna) Europas Kulturhauptstadt 2009 und tritt in diesem Jahr natürlich besonders aufs Gas.

Linz hat mit Eisenhüttenstadt so einiges gemeinsam. Erstens ist es eine Stahlstadt. Das Eisenhüttenkombinat J. W. Stalin von Linz sind die Reichswerke Hermann Göring bzw. nach dem Krieg die staatlichen Vereinigten Österreichischen Eisen- und Stahlwerke (VOEST), heute längst als Voestalpine AG privatisiert. Und es gibt sogar Verknüpfungen zum Hier und Gestern. In den Achtziger Jahren des vergangenen Jahrtausends haben die Östies von Voest uns in Eisenhüttenstadt ein Stahlwerk hingebaut.

Zweitens war Linz die Stadt des Führers. Adolf Schicklgruber, den manche auch Hitler nennen, ging in Linz zur Schule und wollte nach dem Anschluss Österreichs 1938 aus dem Ort eine Musterstadt machen. Darum findet man heute im ganzen Stadtbild Arbeiterwohnblocks und andere Bauwerke aus der NS-Zeit. Der Neoklassizismus der Nazis unterschied sich übrigens nicht so sehr vom Zuckerbäckerklassizismus der Stalinzeit.

Drittens mussten Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in Linz schuften und ließen dabei oft ihr Leben. Das erinnert unsereinen (bzw. sollte unsereinen erinnern) an die Kriegsgefangenen des STALAG III B.

Viertens: Linz liegt an der Donau, Hütte an der Oder.

Linz hat seine Vergangenheit bewältigt, indem es sich ihr gestellt hat. Die Stadt wusch sich aber nicht nur die Weste und die Hände sauber, sondern auch den Himmel, denn von der schmutzigen Industrie vor Ort ist nichts mehr zu spüren.

Ich empfehle eine Städtepartnerschaft, denn Linz wäre vielleicht ein gutes Vorbild für Eisenhüttenstadt. Allerdings besitzt es mit seinen rund 200.000 Einwohnern und als drittgrößte Stadt Österreichs einen gaaanz anderen Stellenwert.

Einfach mal hinfahren und anschauen. Die Stadt hat viel zu zeigen.
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* Frage: Von wem stammt dieses Zitat?