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Mittwoch, 28. Januar 2009

Ode an den Klingenstahl

Mein Bart,
der haart.
Er harrt
einer Rasur.
Was mache ich da nur?
Ich habe keine Klinge
(es klingt nicht, wenn ich singe),
nehme ein Messer aus klingendem Stahl
das macht die Kinnglatze wieder kahl.
~
Da das Eisenhüttenstadt-Blog sich neulich in Versform und zurecht über eine schlecht gereimte Hausbeschreibung entrüstete, wollte ich nicht zurückstehen und habe mir über Tage! Wochen! Monate! diesen obigen Reim abgerungen. Und schon ist er verklungen.

Sonntag, 4. Januar 2009

Linz doch mal nach Austria!

"Stahlstadtkinder, immer im Duell
Stahlstadtkinder leben viel zu schnell
Stahlstadtkinder in den Stahlfabriken
Und abends besoffen in den Diskotheken"
*

Man merkt es schon an der ungewohnten Dramatik und der sprachlichen Action - hier sind nicht die phlegmatischen Nesthocker der brandenburgischen Stahlinstadt gemeint, sondern der Nachwuchs einer Stadt in der österreichischen Provinz: Linz. Der österreichische Stahlstandort ist (gemeinsam mit der litauischen Hauptstadt Wilna) Europas Kulturhauptstadt 2009 und tritt in diesem Jahr natürlich besonders aufs Gas.

Linz hat mit Eisenhüttenstadt so einiges gemeinsam. Erstens ist es eine Stahlstadt. Das Eisenhüttenkombinat J. W. Stalin von Linz sind die Reichswerke Hermann Göring bzw. nach dem Krieg die staatlichen Vereinigten Österreichischen Eisen- und Stahlwerke (VOEST), heute längst als Voestalpine AG privatisiert. Und es gibt sogar Verknüpfungen zum Hier und Gestern. In den Achtziger Jahren des vergangenen Jahrtausends haben die Östies von Voest uns in Eisenhüttenstadt ein Stahlwerk hingebaut.

Zweitens war Linz die Stadt des Führers. Adolf Schicklgruber, den manche auch Hitler nennen, ging in Linz zur Schule und wollte nach dem Anschluss Österreichs 1938 aus dem Ort eine Musterstadt machen. Darum findet man heute im ganzen Stadtbild Arbeiterwohnblocks und andere Bauwerke aus der NS-Zeit. Der Neoklassizismus der Nazis unterschied sich übrigens nicht so sehr vom Zuckerbäckerklassizismus der Stalinzeit.

Drittens mussten Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter in Linz schuften und ließen dabei oft ihr Leben. Das erinnert unsereinen (bzw. sollte unsereinen erinnern) an die Kriegsgefangenen des STALAG III B.

Viertens: Linz liegt an der Donau, Hütte an der Oder.

Linz hat seine Vergangenheit bewältigt, indem es sich ihr gestellt hat. Die Stadt wusch sich aber nicht nur die Weste und die Hände sauber, sondern auch den Himmel, denn von der schmutzigen Industrie vor Ort ist nichts mehr zu spüren.

Ich empfehle eine Städtepartnerschaft, denn Linz wäre vielleicht ein gutes Vorbild für Eisenhüttenstadt. Allerdings besitzt es mit seinen rund 200.000 Einwohnern und als drittgrößte Stadt Österreichs einen gaaanz anderen Stellenwert.

Einfach mal hinfahren und anschauen. Die Stadt hat viel zu zeigen.
~
* Frage: Von wem stammt dieses Zitat?

Dienstag, 4. November 2008

Buhs für Bush

Schwarz oder weiß, jung oder alt, links oder rechts? Die USA, das mächtigste Entwicklungsland der Erde, dürfen heute einen neuen Präsidenten wählen. Die schwarze Bevölkerung, die Intellektuellen und die Menschen im weltweiten Ausland wünschen sich offensichtlich, das Barak Obama das Rennen macht und der Negus der 50 Bundesstaaten wird. Und wie es scheint, möchten auch die Republikaner selbst, dass der kenianische Kennedy gewinnt, denn sie lassen den invalidisierten Rentner und Eins-zwei-drei-Fritz John McCain als Gegenkandidaten antreten.

Doch seien wir nicht zu voreilig! Vergessen wir nicht, dass die United Aids of America keine Demokratie sind – oder etwa schon die Wahlfälschungen von George W. Bushido vergessen? Nur so konnte dieser Dingrich im Jahr 2000 die Stichwahl gewinnen. Auch sind mindestens ein Drittel der amerikanischen Wähler potentielle NPD-Wähler, nur dass diese Partei dort nicht unter dem Namen antritt… Lediglich ein Viertel der Wähler kommt hingegen aus der schwarzen Nachbarschaft. In den USA werden nicht Inhalte gewählt, sondern Personen. Da nimmt man doch lieber jemanden, der so ist wie man selbst, also einen John McCain. Die Amerikaner mögen eben Freaks, man denke dabei nur an Eisenhower (ein guter Name für einen EKO-Mitarbeiter), Richard Milhous Nixon oder an den Schauspieler Roland Reagan.

Einen Sieg gibt es allerdinx jetzt schon: Die fleischgewordene Presidentose Bush wird so oder so zum Jahresende seinen Stuhl im Oral Office räumen müssen und keiner, außer dem Zwiebeln schneidenden Koch, wird ihm eine Träne nachweinen. Buh!, euer ergebener Berichterstatter macht eine kräftige Lippenmusik für Bush junior!

Obama muss es machen. Auch wenn er nicht zaubern kann, brauchen die Menschen einen sichtbaren Wechsel. Und der geht einfach nur mit einem jungen, dynamischen und kosmopolitischen Menschen. Das spornt die Menschen zu einem Wandel in ihrer eigenen Weltsicht an.

Was das alles mit der Stadt, die wir so lieben, zu tun hat? Globalisierung, Leute, Globalisierung!

Donnerstag, 15. November 2007

Das Lied der Freundschaft


Heute möchte ich - wie vor zwei Tagen angekündigt - ein weiteres Lied des AgitProp zur Stalinstadt widergeben; allerdings nur auszugsweise, um keine Urheberrechte und -linke zu verärgern. Die erste ist auch die einzige der drei Strophen, die sich auf Eisenhüttenstadt ("Oderwerk") bezieht, der Rest ist Lobgesang auf die Kolchosenkultur der Sowjetunion (2. Strophe) bzw. Lobotomie auf den Stählernen (3. Strophe): "Wir wissen, Stalins Liebe wacht, wir mehren unser Mühen".

Das vorliegende Lied der Freundschaft widme ich allen, die reinen Herzens sind, vor allem meinem News-Kid On The Blog, Ben Kaden, vom EH-Blog nebenan:

1. Strophe:
Es lacht in Kriwoi Rog das Erz / und freut sich auf die Reise.
Es bleibt das stählern, starke Herz / der Republik nicht leise.
Der Kumpel Sascha trinkt und winkt / dem Güterzug von Süden;
der Kumpel Walter dankt und baut / im Oderwerk am Frieden.

Kehrreim:
Froh strebt ins Licht unsre deutsche Nation,
Arbeit macht glücklich und frei!
Ja, unsre Freundschaft zur Sowjetunion
ist wie das Blühen im Mai; ist wie das Blühen im Mai!"

Text: Bernhard Seeger
Musik: Alexander Ott

Quelle: Leben, Singen, Kämpfen - Liederbuch der deutschen Jugend, Berlin: 1954.

Foto: cet_s (c) flickr.com Dieses Foto ist ein gelungener Beitrag für den EH-Bilder-Wettbewerb des Monats November auf Flickr.com.

Dienstag, 13. November 2007

Stalinstattdessen

Ferrum ist bekanntlich der lateinische Name des 26. Elements und wird mit Fe abgekürzt - Eisen. Ferrari ist bekanntlich der Name einer italienischen Sportwagenmarke, welche heutzutage mit Fiat abgekürzt wird. Was diese beiden Dinge - von der lautmalerischen Ähnlichkeit abgesehen - miteinander zu tun haben? Ganz einfach: Beides endet als Schrott.


Zeichnung: Alf

Uns gehört das Werk...

Wie Blogbuster Ben vom EH-Blog in seinem heutigen Posting ganz richtig bemerkt, heißt die vormalige Stalinstadt seit einem Beschluss vom 13. November 1961 Eisenhüttenstadt. Aus Gründen der Redundanz soll hier nicht noch mal das wiederholt werden, was dort bereits geschrieben steht.

Stattdessen folgt an dieser Stelle die halbe erste Strophe und der Refrain eines Liedes für die Kampfgruppen Stalinstadts, gedichtet von Kurt Zill, EKS. Der Titel der stalinistischen Kampfeshymne gibt ein kollektivistisches Motto wider: "Uns gehört das Werk".

Manche mag diese sprachliche Aneignung vielleicht an "Paule Panzers Blues" der unvergesslichen Ton Steine Scherben erinnern, wo der singende Bierprolet am Ende der zweiten Strophe grölt: "Aber an der Schießbude stehen, mit ner Knarre in der Hand, da träum ich, ich knall alle Schweine ab, denn uns, UNS gehört das Land!" In Zeiten permanenter Terrorangst wären solche Texte wohl nicht mehr denkbar, obwohl doch damals, als das Lied entstand (1972), die RAF durch deutsche Lande zog und wirklichen Terrorismus betrieben.

Während man im Westen mit der Knarre an der Schießbude stand, bewaffnete man sich im Osten innerhalb der Betriebe. Hier nun für alle Stalinstädter ein Ohrwurm "aus der guten alten Zeit". Wer kann sich denn noch an diese Zeit erinnern, im Betrieb mit der Knarre in der Hand? Hattet ihr Eltern oder Großeltern, die bei den Betriebskampfgruppen waren? Was hat man dort gemacht? Befragt sie zu der damaligen Zeit und startet eine Diskussion!

1. Strophe:
Uns gehört das Werk, das wir erschaffen -
da ist kein Krupp, kein Thyssen Aktionär,
Drum schützen wir es auch mit unseren Waffen,
und das, Genossen, fällt uns nicht schwer!

Kehrreim:
Wir sind vom Stalinstädter Hüttenkombinat
und steh'n für den Frieden auf Wacht!
Wir schützen die Arbeit und schützen den Staat,
bewaffnete Arbeitermacht!


Einen weiteren Liedbeitrag aus der verlogenen Zeit des AgitProp gibt es demnächst in diesem Kino.

Mittwoch, 7. November 2007

Aus der Ferne seh ich sie so gerne

Hergelinst, treue Leser! Hier gibt es nie vorher Gesehenes, seltene Aufnahmen aus dem Reich der Fernfotografie! Wer das nicht sah, hat wahrlich sein Leben umsonst gelebt.

Das Eisenhüttenwerk ist das Wahrzeichen der Eisenhüttenstadt. Es wurde errichtet, bevor die Stadt errichtet wurde. Es ist zu sehen, bevor die Stadt zu sehen ist. Es geht der Stadt voraus, auch im Namen, und es ist im Stadtwappen enthalten.

Die zwei Fotografien zeigen die Stahlinstadt aus entgegen gesetzten Blickwinkeln. Oben schaut der Betrachter aus dem 25 Kilometer entfernten Frankfurt (Oder) nach Hütte. Unten teilt der geneigte Leser die Ansicht des Fotografen von einem Ackerhügel im eingemeindeten Lawitz. Wer kann andere Panoramen liefern, mit größeren Distanzen?

Bitte bei Flickr.com hochladen und den dazu gehörigen Link hier in einem Kommentar angeben. Dankeschön!

~
Fotos: Andi Presse (oben) & Andi Leser (ehst.tick)