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Samstag, 27. März 2010

E.i.h.ü.: Brandenburg an der Havel


Da habe ich vor einigen Tagen gleich drei Einträge über Neubrandenburg bzw. Neu-Neubrandenburg gepostet und dabei kein einziges Wort über das Original verloren. Nicht nur am Tollensesee stehen tolle Fünfzigerjahrebauten, nein, auch an der Havel wurde gezuckerbäckert. Als bildlichen Einstieg wähle ich hier+heute ein ostiges Wandbild und das aus gutem Grund. Wer mit dem Zug nach Brandenburg düst - es ist der RE1 - dem "wändet" (hier: von Wand) die Stadt diese Seite zu. Ein Plattenbau (von dem mir nicht klar ist, ob er noch steht, denn er war letztes Jahr, als dieses Foto entstandt, gut eingezäunt) zeigt ein überdimensionales Weibsbild. Es ist "Die Stahlarbeiterin", einziger Farbtupfer in einer ansonsten von grauen Männern dominierten Arbeitsumgebung. Richtig, Brandenburg war einst Stahlstadt und durch das Bandstahlkombinat Hermann Matern mit Eisenhüttenstadt verbunden.


Dringt der spazierende Betrachter dann tiefer in die Stadt ein und verliert sich im Häuserlabyrinth, als das sich jede unbekannte Stadt ohne Stadtplan erweist, außer es handelt sich um eine Planstadt, wird er früher oder später das Haus der Sonne sehen. Lass die Sonne an dein Haus, so singt's der Wind in Brandenburg. Ob die Bewohner ein sonniges Gemüt besitzen? Wir wollen nicht gleich von der äußeren Hülle auf den Charakter eines Menschen schließen, aber schön wär's doch.


Irgendwann überquert der Stadtläufer die Havel und landet in der ursprünglichen Altstadt von Brandenburg, zumindest muss hier die mittelalterliche Keimzelle gewesen sein. Ein Andi Leser fühlt so etwas - die gotischen Kirchen verraten es mir. In der Nähe eine dieser Kirchen, genauer gesagt: am Paulikloster, das heute als Archäologisches Landesmuseum dient, entdeckte ich ein kleines Eisenhüttenstadt. E.i.h.ü. - Eisenhüttenstadt ist halt überall. Die Bauten aus den 1950er Jahren sind mittlerweile schick saniert und sehen aus wie Spielzeug oder Kulisse und mir fällt's wieder ein: Früher, als alle diese Bauten noch nicht modernisiert waren, trauerten sie DDR-weit in einem einheitlichen Grau-Braun (=Graun), so dass sie sich noch ähnlicher sahen und der Dejavu-Effekt stärker.

Ein Traum von mir war es immer einen Film zu drehen, in dem alle diese Bauten vom Beginn der Fünfziger Jahre als ebendas dienen: als Kulisse. Im Film sollte der Zuschauer aber nicht mehr sehen können, in welcher Stadt die Handlung abläuft, denn all die Hausdurchgänge, Pilaster, Säulen und Ornamente ergeben einen virtuellen Stadtraum. Das ist die Grundidee, die Handlung war mir damals nicht ganz klar und wird es auch nicht mehr werden, denn die Bauten sind mittlerweile nicht mehr graun sondern positivgelb oder papyrusweiß oder rosaparks inmitten von Autoparkplätzen. Vielleicht mach ich's ja doch irgendwann, einen melancholischen Streifen in Schwarzweiß, da dominieren die Farbsünden nicht allzu sehr. Von E.i.h.ü. in Brandenburg gibt es leider nur dieses eine Bild - mein Speicherchip war bereits voll und kein Löschkandidat mehr übrig.


Dieses Foto habe ich zuvor geknipst, präsentiere es aber zum Abschluss, denn es enthält die Abschiedsbotschaft: IFA wieder heim. Tschüß Brandenburg! Hallo Berlin!

Fotos: Vier Stück

Sonntag, 21. März 2010

E.i.h.ü.: Bad Freienwalde


Letztes Jahr tourte euer ergebener Stadtanachronist Andi Leser durch die Mark Brandenburg und weilte dabei auch im wunderschönen Bad Freienwalde, dem lieblichen Kurort am Rande des Oderbruchs. In der ältesten Kurstadt der Mark (seit 1684) verbrachte die preußische Königswitwe Friederike von Hessen-Darmstadt um 1800 ihren Lebensabend. Das oben abgebildete Witwenschloss war nach Plänen des Architekten David Gilly entstanden, der auch den klassizistischen Umbau des barocken Schloss Steinhöfel bei Fürstenwalde vollbrachte (Tipp: unbedingt Schloss und Park besuchen). Das Freienwalder Schloss wurde 1909 von Walter Rathenau gekauft und aufgehübscht. Rathenau fiel 1922 als Außenminister der Weimarer Republik einem Attentat von Antisemiten zum Opfer, die ihn mit einer Handgranate ermordeten. Allerdings in der Berliner Königsallee. Sieben Jahre später wurde im Wald von Bad Freienwalde die Prostituierte Emilie Parsunke aus Bernau, genannt "Mieze", damalige Geliebte des ehemaligen Zuchthäuslers Franz Biberkopf, von dem grobschlächtigen Luden Reinhold ermordet. Allerdings fand dieser Mord nur im Buch "Berlin Alexanderplatz" von Alfred Döblin statt - oder wahlweise vor einigen Monaten in der Berliner Schaubühne und mit einem großartigen und glaubwürdigen Sebastian Nakajew als Franzeken Biberkopf in der Hauptrolle.


Doch nun zum eigentlichen Thema. Eisenhüttenstadt ist halt überall (E.i.h.ü.), eben auch im halb klassizistischen, halb gründerzeitlichen Bad Freienwalde. Wenn man nämlich vom Bahnhof kommend auf gerader Straße zum Marktplatz mit Rahthaus und Kirche und Museum sich begibt, dann sieht man auf halber Strecke das alte Postgebäude stehen. Die neoklassizistisch beeinflusste Architektur verrät die Zugehörigkeit zur Epoche der Nationalen Bautradition der DDR und somit auch die 1950er Jahre als Aufbauzeit. Der gelbe Briefkasten vor der Tür (heute: Deutsche Post) und die grau-rosa Telefonzelle (heute: Telekom) sowie die zahlreichen Details an der Fassade verraten die angedachte Funktion und Nutzung als Postamt.


Leider passten nicht alle - mir will die korrekte Bezeichnung nicht einfallen, nennen wir sie halbplastische Fassadenbilder aufs Bild. Was ist zu sehen? Symbole sind zu sehen, Symbole, die etwas über die verschiedenen Epochen der Kommunikation vermitteln. Ein Hut mit Peitsche (der Postkutscher), ein Posthorn (hier: Symbol der DDR-Post), ein Telefon (Stasi?, kleiner Scherz), eine Taube mit Kuvert im Schnabel (poetisches Bild einer Brieftaube). Falls noch nicht geschehen, stelle ich dieses Haus hiermit unter Denkmalschutz, notfalls unter meinen persönlichen. Zum heutigen Frühlingsbeginn kann ich Bad Freienwalde als Ausflugsziel uneingeschränkt empfehlen, Bedingung ist wie so oft, das Wetter muss mitspielen.

Fotos: alle3vonmir

Samstag, 20. März 2010

E.i.h.ü.: Hansestadt Stralsund


Eisenhüttenstadt ist halt überall, lautet die Botschaft. Auch in der altehrwürdigen Hansestadt Stralsund, deren Bewohner als Weltkulturerben eher mit mittelalterlicher Weltkultur werben. Doch in einer Seitenstraße, versteckt hinter gotischen Backsteinfassaden und barocken Volutengiebeln, oxidiert ein Häuschen vor sich hin, das seinesgleichen sucht, aber nicht findet. Das Haus erstreckt sich über die Semlower Straße 39-40-41, es kann aber auch eine andere Straße sein, so genau hat sich das Gedächtnis den Standort nicht eingeprägt. Errichtet im Jahr 1952, die Inschrift über dem Torbogen gibt Auskunft, steht heute dieses Kleinod der Epoche einer "Nationalen Bautradition der DDR" unbewohnt und leer im Schatten der stolzen Hansearchitektur, wie ein junges Mädchen, das sich der eigenen Schönheit nicht bewusst ist. Etwas sehr poetisch, mag sein, doch es gilt, die Liebe des Lesers zu wecken, um eine baldige Sanierung voranzubringen.


Die Fassade ist klar gegliedert, typisch für den gepflegten Neoklassizismus. Pilaster, Gesimse und quadratische Kastenfenster strukturieren die Wandfläche. Untypisch und höchst originell sind die aufgebrachten Bildchen mit Schiffen und Fischen, die einen Bezug zur Stadt herstellen und besonders aufmerksamen Kindern Orientierung im Stadtraum verschaffen: "Mama, Mama, schau mal da, der Fisch! Kuck mal, Papa, das Schiff!" Es sind die Details, die Gemütlichkeit und Heimeligkeit erzeugen, was moderner Glashausarchitektur leider abgeht - die Morderne. Das Wetter und somit die Lichtverhältnisse vor Ort waren leider nicht so eitel optimal, sonst hätten es leicht ein paar mehr Fotos werden können, denn ich befand das Haus den nebenstehenden ebenbürtig.


Fotos: Me, Myself & I

Donnerstag, 18. März 2010

E.i.h.ü.: Viertorestadt Neubrandenburg


Eisenhüttenstadt ist halt überall (E.i.h.ü.). So lautet das Motto. Gemeint ist das Dejavu eines Hüttenstädters, das sich einstellt, wenn er in eine bisher unbekannte Stadt kommt und dort etwas in der Häuserarchitektur vertrautes sieht, genauer gesagt, Bauten, die aussehen, wie die in den ersten drei Wohnkomplexen. Dieses Dejavu hat mit dem Baustil zu tun, der überall in der DDR vorherrschend war, zumindest in den ersten fünf bis sechs Jahren der noch jungen Republik. Dieses Dejavu hat mit dem Zweiten Weltkrieg zu tun, der überall in Deutschland innerstädtische Baulücken oder vielmehr Brachland hinterließ. Das Dejavu hat aber auch damit zu tun, dass die DDR eine Diktatur war, denn nur ein zentraler Herrscherwille mit absolutem Machtanspruch konnte im gesamten Land einen einheitlichen Architekturstil per Beschluss verordnen. Aus diesem Grund finden wir Fassaden im Sinne einer "Nationalen Bautradition" in verschiedenen Städten Ostdeutschlands. In Stalinstadt, in der Berliner Stalinallee, in Dresden, in Schwedt, in Brandenburg, ... - und eben in Neubrandenburg.


Die Stadt am Tollensesee gibt es seit 1248, obwohl die vorausgegangene Klostergründung am 18. August 1170 vom Datum her passender klingt, denn auch Eisenhüttenstadt wurde an einem 18. August gegründet, nur eben 780 Jahre später. Leider wurde die Innenstadt von Nigen-Bramborg (plattdeutsche Bezeichnung) am 29. April 1945 kriegsbedingt zerstört, vermutlich ein Racheakt der Roten Armee. Zu DDR-Zeiten durfte dies nicht offen thematisiert werden, es galt der Mythos vom Noble Savage Rotarmisten. Dafür wurde ab 1952 wiederaufgebaut. Übrig geblieben war eigentlich nur die alte Stadtmauer, die das Trümmerfeld (als solches sehe ich das Zentrum vor meinem geistigen Auge) umschließt und mit ihren vier Toren und den 24 Wiekhäusern allerdings ziemlich komplett erhalten ist.


Nun hatte man das Problem: das Eckige muss ins Runde, die modernen Wohnkästen mussten ins Rund der Stadtmauer eingepasst werden. Der Wiederaufbau orientierte sich am alten Straßenverlauf, die Bauten bekamen individuelle Fassaden, Renaissancegiebel, Mittelrisaliten, Portale und diesen ganzen Zuckerbäckerschnörkel, der diese Architektur auszeichnet und schnell erkennbar macht. So entstand analog zur Stalinstadt die wohl erste sozialistische Innenstadt der DDR. Das Schicksal der von einer mittelalterlichen Stadtmauer umzingelten sozialistischen Innenstadt sollte übrigens 20 Jahre später Bernau bei Berlin auch ereilen, nur dass hier nicht Rotarmisten Schuld an der Zerstörung der historischen Bausubstanz tragen, sondern die Planwirtschaftbürokratie mit ihren fantasielosen Miesepetern und geschichtslosen Schreibtischtätern.

Eisenhüttenstadt ist halt überall, auch in der Viertorestadt Neubrandenburg.

Sonntag, 25. Oktober 2009

Wo Licht auch Schatten


Nicht vergessen, in Eisenhüttenstadt brechen neuen Zeiten an. Heute Nacht wurde die Uhr um eine Stunde zurückgestellt. Es gilt die Regel: Spring forward, fall back. Capito? spring = Frühling, fall = Herbst.

Samstag, 24. Oktober 2009

Das Gebot der Stunde: Umfeldschutz


Die Real-i-tät hat auch unsere viereckige Stadt an der Oder eingeholt. Der gemeine Hüttenstädter demonstriert geschlossen gegen H1N1 - Erreger der Schweinegrippe. Und da Impfen nicht hilft oder gesellschaftlich geächtet wurde oder einfach momentan als uncool gilt, lautet das Gebot der Stunde: "Sammeln Italienisch / 2 für 1" (ehemals Two in One). Mittels einer kombinierten Flächendesinfektion bereinigt der brave Bürger seine Stadt auf allen Viren und schützt somit sich und sein Umfeld. Gut gemacht!

Montag, 18. Mai 2009

Kasernenstadt mit Ornamenten


Just als ich mich an Fotografien vergangener Hüttenstadtbegehungen ergötzte und in Gedanken diese Wege erneut beschritt, fing auch schon Ben, wortgewandter Haudegen aus dem Nachbarblog, meinen Gedankengang telepathisch auf und erwiderte diesen telefonisch. Sogleich wurde ein Gipfeltreffen am selbigen Tage vereinbart, um bei einem sonntäglichen Spaziergang die alternative Stadtwahrnehmung zu schärfen. Anscheinend war die akute Telefonitis ausgebrochen, denn im Anschluss meldete sich der nächste Zeitgenosse, den ich analog zu meinem Namen mit Andi Presse aus Bad Freienwalde anonymisieren möchte.

Als Andi andeutete, er sei noch nie in Stahlinstadt gewesen, war eine Idee geboren. Warum nicht beide Telefonate miteinander kombinieren und Andi Presse mit auf Tour nehmen? Nun hatten wir einen Probanden, der unvorbelastet unbekanntes Terrain beschreiten konnte!

Am Bahnhof empfing uns Ben als Chauffeur und die erste Verwunderung. Der Bahnhof sehe so alt und heruntergekommen aus, meinte unsere Testperson. “Das ist ja auch noch nicht Eisenhüttenstadt!” Ben startete seine Zeitmaschine und fuhr uns durch die Architekturgeschichte der achtziger (VII. Wohnkomplex) und siebziger (VI. WK) direkt in die fünfziger Jahre, ins Herz der Stadt, wo er auf dem Zentralen Platz parkte. Dann ging es per pedes weiter.

Um den geneigten Leser nicht mit all zu vielen Details zu martern, die mir zwar wichtig, dem Unbeteiligten jedoch nur nichtig scheinen, straffe ich ab hier ein wenig. Wir bestaunten die Sanierungen in der Heinrich-Heine-Allee, deren Erker Motive aus den Märchen des jung gestorbenen und von mir sehr geschätzten Wilhelm Hauff zeigen (Der kleine Muck, Kalif Storch). Wir ersannen angesichts des verfallenden Ledigenwohnheims das Konzept eines Bordelphinariums, in dem sich Richards Nixen tummeln. Wir suchten das DDR-Museum auf, aus dessen Eingang unbegreiflicherweise mein Vater höchstselbst wie ein Deus ex machina herausschnellte, um zu verkünden, dass es heute keinen Eintritt koste, da Tag des offenen Museums sei. Wir erkundeten den V. Wohnkomplex, der den Eindruck machte, als sei er am Abreißbrett entstanden und bestiegen der romantischen Neigung der Deutschen folgend dort sogleich eine Hausruine. Merkwürdig, wie beengt die Wohnungen nun wirken, obwohl die Möbel und der ganze Rest fehlen!


Der nächste Zufall wartete vor der Juri-Gagarin-Schule, als Ben mit eigenen Ohren fühlen durfte, dass er gehört wurde, und zwar als Rapper. Ein paar herumhängende Ghettobewohner lauschten einer zehn Jahre alten Produktion des Reimgeschwaders. Der Titel dieser Ausnahme: Hüttenstadt ist meine Stadt. Was für ein Statement! an was für einem Ort!

Zum Abschluss gönnte ich meinen Weggenossen in der weltberühmten Milchbar am Friedrich-Wolf-Theater ein Eis zur Erfrischung. Mein hierbei geäußertes Kompliment, dass die Stadt wohl nur nach diesem Eis benannt worden sein kann, kam bei der Inhaberin nicht als solches an. Das Risiko des Don Juan.

Nach seinem Eindruck zur Stadt befragt, äußerte unser Bad Freienwalder Versuchskaninchen, dass ihn die ganze Stadt in ihrer Bebauung an eine Kaserne erinnere. “Ein wenig eintönig, wären da nicht die vielen Ornamente an den Hauswänden.” Allerdings sei das nicht negativ gemeint, schenkte uns Andi eine Kelle Trost hinterher. Eigentlich hat er sogar recht! Eisenhüttenstadt, die Stadt der kasernierten Volkspolizei. Jedenfalls war Andi Presse voller lebendiger Eindrücke und seine Digicam voller wirkmächtiger Bilder.

O Allmächtiger, der du uns so reichlich beschenkt hast an diesem Tag, gedankt sei dir! Dafür verzeihe ich dir sogar die frühen Tode von Wilhelm Hauff und Novalis. Dir sei vergeben! Gelobt sei der Herr! Hallelujah!

Sonntag, 13. Juli 2008

Tempel der Kosmetik


Nahezu unverändert steht dieses Haus samt Funktion in der Magistrale, hinter dem Hotel Lunik. Während sich ringsum die Fassaden dem Zeitgeist anbiedern, blieb der Tempel der Kosmetik seit 20 Jahren derselbe.

Logbuchführer Andi empfiehlt: "Bleib so, wie du bist!"

Samstag, 12. Juli 2008

Das Deutsche Haus


Vier Deutschlandfahnen zählte ich an diesem Wohnblock in der Fritz-Heckert-Straße. Dabei war die EM schon vorbei. Die schwarzrotgoldenen Fahnen wehen wohl schon für Olympia.

Sonntag, 6. Juli 2008

Licht am Ende des Tunnels


Hier mal etwas der Jahreszeit entsprechendes und typisches. Als in Hütte 40 Grad im Schatten herrschten ("Wer sagt denn, dass wir im Schatten arbeiten?"), drängte es diese junge Frau raschen Schrittes ins Licht. Mehr dazu weiß ich leider nicht.

Mittwoch, 7. November 2007

Aus der Ferne seh ich sie so gerne

Hergelinst, treue Leser! Hier gibt es nie vorher Gesehenes, seltene Aufnahmen aus dem Reich der Fernfotografie! Wer das nicht sah, hat wahrlich sein Leben umsonst gelebt.

Das Eisenhüttenwerk ist das Wahrzeichen der Eisenhüttenstadt. Es wurde errichtet, bevor die Stadt errichtet wurde. Es ist zu sehen, bevor die Stadt zu sehen ist. Es geht der Stadt voraus, auch im Namen, und es ist im Stadtwappen enthalten.

Die zwei Fotografien zeigen die Stahlinstadt aus entgegen gesetzten Blickwinkeln. Oben schaut der Betrachter aus dem 25 Kilometer entfernten Frankfurt (Oder) nach Hütte. Unten teilt der geneigte Leser die Ansicht des Fotografen von einem Ackerhügel im eingemeindeten Lawitz. Wer kann andere Panoramen liefern, mit größeren Distanzen?

Bitte bei Flickr.com hochladen und den dazu gehörigen Link hier in einem Kommentar angeben. Dankeschön!

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Fotos: Andi Presse (oben) & Andi Leser (ehst.tick)

Dienstag, 2. Oktober 2007

Zukunftskongress ist Geschichte

"Jim Stantor wälzte sich schnarchend von einer Seite auf die andere und quetschte die Ratte ein, die ihm Schokolade aus der Tasche knabberte; beide erschraken." Nach diesen Worten endet Stanislaw Lems Roman "Der futurologische Kongreß". Bleibt zu hoffen, dass die Futurologen, deren Kongress am Sonntag im Aktivist Eisenhüttenstadt mit einem ausgelassenen Fest zu Ende ging, auf angenehmere Art und Weise geweckt wurden.

Ja, das war's erst mal; die Ruine des Aktivist ist wieder Sperrgebiet und fällt in seinen Dornröschenschlaf zurück, darauf harrend, durch ein neues Projekt wachgeküsst und mit Leben gefüllt zu werden.

Jetzt geht's an die Auswertung der dokumentierten Aktionen. Der EH-Blogbuster Ben Kaden hat, maskiert als Benutzer futurologistiques, eine neue Flickr-Gruppe angelegt, die ausschließlich Fotos vom "Kongress der Futurologen - Eisenhüttenstadt 2007" versammelt. Dort kann jeder Interessierte reinschauen und sich ein Bild vom Kongress machen. Weitere Fotos und Kommentare sind herzlich - ich betone: herzlich - willkommen!

Obiges Bild hat euern ergebenen Erzähler Andi Leser besonders fasziniert, da er verbal maßgeblich an der Umsetzung beteiligt war: Die abgebildete junge Dame positionierte sich auf Zuruf aller Anwesenden im harmonischen Mittelpunkt des projizierten Lichtfeldes. Der Mensch als Maß der Dinge.

Mein Dank geht an den Organisateur des Futurologenkongresses Thomas Neumann, an die Fahnenaktivistin Beatrice Jugert und natürlich an meinen Stadtführer-Kollegen Ben Kaden.
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Foto: futurologistiques @ flickr
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Freitag, 28. September 2007

Wochenende der Aktivisten

Am Samstag wird Franciska Zólyom vom Institute for Contemporary Art aus dem ungarischen Gegenstück zu Eisenhüttenstadt, Dunaújváros (Donau-Neustadt, ehemals Sztálinváros, d.h. Stalinneustadt), über eine "Stadt ohne Zentrum" sprechen. Der Vortrag ist dann auch der letzte im Rahmen des Futurologischen Kongresses.

STADT OHNE ZENTRUM
Ort: Aktivist in Eisenhüttenstadt, oberster Stock
Zeit: 29.9.2007 um 17:00 Uhr

Am Sonntag gibt es dann ab 14:00 Uhr die letzte der insgesamt vier Irre Führungen in Eisenhüttenstadt. Motto diesmal: "DER AKTIVISTEN ERSTE RUNDE. Vom Aktivist zur Aufbausportplatz und hoch zum Huckel und Rosenhügel." Der absolute Höhepunkt wird dann mit der Rückkehr am Ausgangsort erreicht, wo der Futurologenkongress in einem Abschlussfest kulminiert: Bei 27 Mitwirkenden und 36 Auftritten ergibt das ein Programm unterschiedlicher Gesten und Handlungen, inklusive Tanz, Applaus und Musik von The Dirty Tones. Also, wer Organisator Thomas Neumann oder Fahnenmädchen Beatrice Jugert oder Zuckerschnute Christiane Büchner oder Peter K. Koch kennenlernen möchte, der ist willkommen!

TAG DES AKTIVIST
Ort: Aktivist, Karl-Marx-Straße 54
Zeit: 30.09.2007, 12-24 Uhr
www.kongressderfuturologen.de
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Donnerstag, 27. September 2007

Ente gut, alles gut!

Im Rahmen der jüngsten Irre Führung durch Eisenhüttenstadt wurden Andi, Ben und unsere Gruppe von einem kleinen gelben Watschelentchen begleitet. Hier die Impressionen des kleinen Federviehs vom gemeinsamen Stadtrundgang am 23. September 2007.

Unser Watschelentchen erfreut sich der bunten Blumenpracht am gepflegten Gartenfließ in der Diehloer Straße. Ebenso erfreut zeigten sich ein paar Senioren, die auf halbnackte Schönheiten aus Bronze starren und sich der Körperlichkeit ihrer Jugend erinnerten.

Zu Besuch bei den lieben Verwandten: Watschel vergnügt sich gemeinsam mit einer tauben Taube auf den anmutigen Händen zweier junger Damen. Warum haben die nur solche versteinerten Gesichter? Wurden sie etwa zu Unrecht gesteinigt?

Wo bin ich da wohl gelandet? fragt sich unser Watschel hier. Was von weitem aussah wie ein zum Landen ausgestreckter Finger, entpuppte sich als etwas ganz anderes. Obwohl: man könnte es aufgrund seiner dürftigen Maße auch als elften Finger eines Mannes bezeichnen.

Fotos: ehst.tick

Mittwoch, 26. September 2007

Das Neue China

"Sodann schilderte der Japaner Hayakawa die neue, in seinem Lande entwickelte Hausform der Zukunft: achthundertstöckig, mit Gebärkliniken, Kinderkrippen, Schulen, Kaufläden, Museen, Tierparks, Theatern, Kinos und Krematorien. Der Entwurf umfasste unterirdische Lagerräume für die Asche der Verstorbenen, vierzigkanäliges Fernsehen, Berauschungs- und Ausnüchterungszellen, turnsaalähnliche Hallen für Gruppensexbetrieb (der Ausdruck fortschrittlicher Gesinnung seitens der Entwerfer) sowie Katakomben für unangepasste Subkulturgruppen. Einigermaßen neu war der Gedanke, jede Familie solle jeden Tag aus der bisherigen Wohnung in die nächste übersiedeln…" (Stanislaw Lem: Der futurologische Kongress, S. 24)

Was in Japan noch Utopie ist, wird in China demnächst Biotop. Bei Shanghai, Shenzhen und Peking-Bejing bauen internationale Architekten ganze Städte neu. Mehrstöckige Wohnsilos stehen dicht an dicht und kämpfen um Licht. Straßenbänder schlängeln sich als Lichtschächte mitten hindurch und schaffen mit ihrer überdimensionierten Weitläufigkeit den Fußgänger ab. Lobenswert: So gemütlich kann moderne Architektur sein. Aus dem Fußvolk werden Kraftfahrer, aus Ackerland wird Betonwüste.

Dies erfuhren der hochgelarte Ben KDN und der wissbegierige Andi LSR im Anschluss an ihre dritte Irre Führung (Motto: Der lange Trott zur Schule) anhand eines Vortrages im Aktivist: Das Neue China von Stadtplaner Eduard Kögel, Forschungen zur Urbanisierung in China. Wieder im Rahmen des Kongresses der Futurologen.

Was sind denn Futurlogen? belauschte ich neulich zwei ältere Damen. Was, Fotologen? - Nein, Fu-tu-ro-logen. - Hm, keine Ahnung.

Futurologie ist die Lehre von der Zukunft. Wenn die Zukunft zur Vergangenheit wird, werden Futurologen zu Historikern. Wie Lems Weltraumfahrer Ijon Tichy, der als Folge des Achten Futurologischen Kongresses für einige Zeit eingefroren wird und sich wie H.G.Wells‘ Schläfer Graham nach seiner Neubelebung nur wundern kann:

"Zu meiner Zeit hat niemand vorherzusehen vermocht, dass Rechenanlagen von einem bestimmten Intelligenzgrad an unzuverlässig werden, da sie mit der Vernunft auch Schlauheit erwerben. Eine blöde, zur Selbstbesinnung nicht fähige Maschine tut, was ihr aufgetragen wird. Eine gewiefte erkundet vorerst, was weniger mühsam sei: das Lösen der empfangenen Aufgaben oder aber der Ausweg durch ein Hintertürchen. Der Sicker ist ein Roboter, der als Mensch auftritt und in menschliche Kreise gleichsam einsickert. Simtepp ist ein Computer, der Schwachsinn simuliert, um unbehelligt zu bleiben." (S. 81)
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Foto: ehst.tick (c) flickr.com
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Donnerstag, 20. September 2007

Ohne Schmusium und Glaubsalz unterwegens

Derzeit tagt für einen Monat der Kongress der Futurologen in der vormaligen HOG Aktivist in der Karl-Marx-Straße zu Eisenhüttenstadt. Zur literarischen Untermalung desselben zitiert euer ergebener Erzähler Andi Leser in unregelmäßigen Abständen aus Stanislaw Lems Buch "Kongres futurlogiczny" von 1972. Dieser phantastische Roman muss unter dem Eindruck einer Reise des polnischen Autors ins nichtsozialistische Ausland und die Niederschrift nach dessen Rückkehr erfolgt sein, denn es hagelt zeitgenössische Anspielungen und fortschrittsgläubige Zukunftsfantasien, dass das Dach undicht wird: freie Liebe, befreite Literatur, Militärdiktaturen, Terroristen, Medikamentengläubigkeit, Psychedelica, seltsame Moden, ...

Im Folgenden dreht sich alles um die vielfältigen Möglichkeiten der Psychemie, der Wissenschaft von der Beeinflussung der Psyche durch Chemikalien. So gibt es Gutstoffe und Wutstoffe. Zur ersten Kategorie gehören Verbrüderungsdrogen wie Altruisan, Benefizil, Edelpassionat, Euphorasol, Felixol, Hedonil und Schmusium. Zur zweiten gehören zornerregende Stoffe, die bei einem Austausch der Hydroxylgruppen durch Amidgruppen entstehen und Namen wie Aggressium, Amokniak, Frustandol, Furiasol, Prygelin, Rabiat, Sadin und Trampelin tragen. Mit Konstruktol und Urbaphantomat bauen Architekten ganze Städte in ihrer Einbildung; Poesin, Lyratran und Sonettal führen zum Verfassen fiktiver Dichtwerke.

Auch Wissen wird mittels Pillen und Pülverchen vermittelt: Arguminze, geläutertes Glaubsalz, Kaltwasser, Multiplikol. Religion ebenso: Christine und Antichristine, Buddhol, Gnadenstuhlzäpfen, Sakral und Theodizina. "Es gibt ein Mittel namens Duettin. Dieses spaltet die Persönlichkeit entzwei, und der Mensch diskutiert dann mit sich selbst über ein beliebiges Thema (das durch ein gesondertes Fertigpräparat festgelegt wird)." (S. 79)

Und es gibt die Echter, zum Beispiel Authental: "Es erzeugt synthetische Erinnerungen an niemals erlebte Geschehnisse." (S. 78) Gehirnputzer wie Amnestan und Mnemolysol regen hingegen das Vergessen überflüssigen Wissens und unangenehmer Erinnerungen an.

Die vom Eisenhüttenstadt-Blog und Logbuch Stahlinstadt veranstaltete Irre Führung im Rahmen des Futurologen-Kongresses findet jedoch wirklich und nicht chemisch statt und ist diesmal am Sonntag (23.9. - Herbstbeginn!). Oberthema bleibt natürlich Eisenhüttenstadt, das untergeordnete Thema heißt "DER LANGE TROTT ZUR SCHULE. Ein Marsch, der sich an den Schulgebäuden I-VII der Planstadt (Bildungsweg eines verhaltensauffälligen Schülers) orientiert."

Treffpunkt: 14:00 Uhr im Foyer der HOG Aktivist

Foto: ehst.tick (c) flickr.com
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Montag, 3. September 2007

Große Runde durch die Wohnkomplexe

Am kommenden - also an diesem und nicht am nächsten - Samstag (8.9.) ist der Auftakt der als Irre Führungen betitelten Reihe einer alternativen Stadtbegehung. Los gehts um 14:00 Uhr an der "HOG Aktivist". Das Motto der Initialzündung lautet schlicht: "DIESSEITS UND JENSEITS DES KANALS - Große Runde durch die Wohnkomplexe". Es wird sich hierbei weniger um eine Stadtführung im klasssichen Sinne handeln, bei der die Teilnehmer von einem Stadtführer an die Hand genommen, mit wahren oder weniger wahren Ortsmythen gefüttert werden und somit in die passive Rolle des Konsumenten zurückfallen.

Vielmehr handelt es sich bei den Irre Führungen um eine begleitete Stadtbegehung, bei der die Teilnehmer selbst zu Akteuren werden, die eine fremde Stadt mit eigenen Augen entdecken und darüber einen Diskurs entspinnen. Wünschens- und lobenswert wäre die Mitnahme einer Digicam bzw. Fotoapparates, da eine Auswahl der vor Ort gemachten Fotos im Anschluss an die Führung im Internetz präsentiert werden soll. Portal für die eingestellten Fotos ist das gleichnamige Weblog unter http://stadtfuehrung.huettenstadt.de.

Die Irre Führungen sind eine gemeinsame Veranstaltungsreihe des Eisenhüttenstadt-Blog und des Logbuch Stahlinstadt, welche im Rahmen des Kongresses der Futurologen in Eisenhüttenstadt Eisenhüttenstadt finden wird.

irreführende Links:
- Stadtführung Eisenhüttenstadt: Termine
- Kongress der Futurologen: Programm

Foto: flickr (c) ehst.tick
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Donnerstag, 7. Juni 2007

Liechtenstein in Hütte

Lieber Liechtenstein in Hütte
als eine Hütte in Liechtenstein!

Club Hans Marchwitza präsentiert:

Elektro-Pop mit Friedrich Liechtenstein. Friedrich Liechtenstein agiert als MC zu seinen Stücken und bringt ein paar Geschichten aus seinem Universum mit. Da es sehr tanzbare Stücke sind, ist es angebracht, die Tanzschuhe anzuziehen. Unter www.myspace.com/friedrichliechtenstein gibt es schon einen kleinen Vorgeschmack. Dort findet ihr Musik und ein kleines Interview. Friedrich Liechtenstein ist schwer zu beschreiben, aber er "rockt" ungemein und weiß herzlich zu unterhalten. Er ist viel herumgekommen und ein Sohn unserer Stadt, denn hier wurde er als Hans-Holger Friedrich geboren. Man darf also gespannt sein.

Club Marchwitza
8. Juni 2007
21:00 Uhr
Eintritt: 5,00 EUR


Weitere Infos unter:

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Sonntag, 28. Januar 2007

Futur I & II

Stadt im Gebirge

Die Nazis demonstrierten in Frankfurt (Oder), die Demokratie spielte Krieg und die Februarsonne strahlte trotz allem in den Januar hinein – Gründe genug, diese Stadt mit dem Zug zu verlassen und der friedenstauben Eisenhüttenstadt einen Besuch abzustatten. Nachdem sich die Bahn entschlossen hatte, den „Fehler im Betriebsablauf“ zu beheben und endlich loszukutschen, traf euer ehrenwerter Erzähler nach alter Westernmanier zum High Noon auf dem Fürstenberger Bahnhof ein, wo schon der Wortkünstler Ben auf der Kalauer lag, um mich in Empfang zu nehmen. Zusammen tollten wir ausgelassen wie zwei junge Windhunde durch den unschuldig weißen Schnee und widmeten uns dem fotografischen Erlegen neuer Hüttenstadt-Motive. Diesmal war der VI. Wohnkomplex der Ort des Geschehens. Dort entdeckten wir dann auch den Grund für das plötzlich einsetzende winterliche Wetter: Hinter der Fröbelringpassage standen zwei heimtückisch ausgesetzte Kühlschränke offen herum.

Grund für Kälteeinbruch

An der Schönfließer Wache mussten Ben und ich ein paar böse Erfahrungen machen. Unsere überaus gute Laune trübten einige vorbeirasende Ekorianer, die zum Schichtbeginn die Straße 16 entlangheizten als gäbe es kein Morgen und dabei unsere Hosen ordentlich mit Schneematsch bespritzten. Ist es im EKO so usus, dass fremde Männer andere Männer bespritzen? Shame on you! Für uns heißt diese Straße fortan nur noch Straße der Bestien.

Straße der Bestien

Für ein wenig Kulturprogramm sorgte der anschließende Besuch des Städtischen Musentempels in der Löwenstraße, wo aktuell eine Ausstellung zum Oeuvre des Malers und Grafikers Walter Wichmann den kunstvernarrten Besucher einlädt. Von Walter Wichmann (1916-1970) stammen u.a. die derzeit unsichtbaren Treppenmalereien im Friedrich-Wolf-Theater und die herzallerliebsten Keramikbrunnen in der Schule 2. Leider endete das Leben des Künstlers 1970 in München tragisch und durch eigene Hand. Unser Museumsbesuch endete durch fremde Hand; denn just in dem Moment, an dem wir die weiblichen Akte des Frankfurter Malers Neumann (in Preuß'schem Kulturbesitz) einer genaueren Inspektion unterziehen wollten, rief ein anderer Künstler selbigen Nachnamens, Thomas Neumann, uns telefonisch zu sich in die Broilergaststätte am Eisenhüttenstädter Times Square (die Lin Den Alley). Ein dort versammeltes fünfköpfiges Künstlerkollektiv plant für den Sommer 2007 eine futuristische Ausstellung im Aktivist, der leerstehenden ehemaligen HO-Gaststätte am Rande der Aufmerksamkeit. Mehr dazu ein andermal.

Kräht kein Hahn nach

Nun zogen wir als die sieben kreativen Zwerge durch das Stadtbild, um uns von selbigem ein Bild zu machen. Die Sonne versprach das Blaue vom Himmel und der zarte Schnee verdeckte die schmutzigen Ecken des Viertels. Und das waren die Hochlichter (Highlights) unseres Rundganges: Hotel Lunik, Zentraler Platz, Krankenhaus, ein leerstehender Treppenaufgang in der John-Schehr-Straße und das Dok-Zentrum. Das hier immer noch käuflich zu erwerbende DDR-Spielzeug hatte es so manchem angetan, Kindheitserinnerungen lockten. Ich selbst konnte mich für Andreas Ludwigs Broschüre „Eisenhüttenstadt. Wandel einer industriellen Gründungsstadt in fünfzig Jahren“ erwärmen, zumal diese gratis war und mir bisher unbekannt.

Da sich die Herren der Schöpfung nach und nach verabschiedeten (Termine!), hatte ich die beiden einzig anwesenden Damen am Ende ganz für mich allein. Voller Hingabe lotste ich die beiden auf dem Bahnsteig durch den Tarifdschungel des Fahrkartenautomaten der Deutschen Bahn (Note für Übersichtlichkeit: ungenügend) und betätigte die passenden Knöpfe. (Ich frage mich immer wieder, wie Frauen ohne die helfenden und beschützenden Hände eines Mannes auch nur einen Tag überleben können?) Auf der anstehenden gemeinsamen Zugfahrt zeigten wir einander unsere gemachten Fotos. An dieser Stelle ein dreifaches Hoch auf die Digitalfotografie, die dieses ermöglicht!

Ich wünsche allen beteiligten Künstlern einige herausragende Ideen zum Thema. Zu gegebener Zeit wird hier oder im Nachbarblog darüber begleitend berichtet werden. Wir alle dürfen gespannt bleiben! Ich wünsche allen Bundesbürgern und Bundesbürgerinnen ein gesegnetes Weihnachsfest und ein glückreiches Jahr 2007. Amen.

p.s.: Drei Karmapunkte gehen an Ben, der mir sowohl den Schwarztee im Broilereck als auch das Stück Quarkmandarinenkuchen der Bäckerei Dreißig sponserte.
p.p.s.: Zwei Karmapunkte gehen an Thomas Neumann, der mir seine Publikation „Pictures Fromm Utopia“ überreichte und mit einer Widmung versah.
p.p.p.s.: Jeweils ein Karmapunkt geht an die beiden Damen für die kurzweilige Zugbegleitung.