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Freitag, 19. März 2010

Neubrandenburg: Buntesbild aus Bundesarchiv


"Euer Stadtanachronist Andi Leser ist zwar schwer auf Draht, doch in Zeiten des WLANs ist so etwas nicht mehr ganz zeitgemäß." (Heidi Kabul) Ja, das Zitat hat recht, ich hechte immer erst hinterher hinterher, doch was soll's. Das liebeliebe Eisenhüttenstadtblog punktet im Gesichtsbuch (Facebook) mit Archivaufnahmen aus der Gründerzeit der Stalinstadt. Schnell will ich da ein Bild des Bundesarchivs nachlegen, das 1959 in meiner aktuellen Themenstadt Neubrandenburg aufgenommen wurde und welches ich in der liebenlieben Wikipedia entdeckt hatte.

Der abgebildete Block aus den 1950ern ist mit ziemlicher Sicherheit derjenige, der zwei Blogeinträge zuvor als gespiegelter Bau zu sehen war. Man beachte die Mittelrisaliten mit den Renaissancegiebeln - oder ist's schon Barock? Im Sockelbereich fehlt noch die Sandsteinverkleidung, wir sehen blanke Ziegel. Die Flaggen, die dort aus den Fensterlöchern ragen, sehen mir aus wie Deutschlandfahnen ohne Hammel und Zirkel. Kann das sein? Sieh genau hin, lieber Leser, denn das schult das Auge.

Foto: Deutsches Bundesarchiv

Freitag, 10. Oktober 2008

Hütte-Abend im Zeughaus-Kino

Immer wieder erreicht mich die Frage: "Andi, wieso schreibst du Stahlinstadt mit 'h'?" Nun will ich die Sache ein für alle mal klarstellen. Ganz einfach: es heißt ja auch Stahlindustrie und nicht Stalindustrie.

Mein lieber Blogsbruder Ben vom Eisenhüttenstadt Blog hat mich doch tatsächlich überreden können, gestern ins Zeughaus-Kino in Berlins Mitte zu kommen. Dort wurden vier sehenswerte historische Dokus gezeigt, die sich mit ehemals neuen Eisenhütten- und Betonstädten in der DDR beschäftigten.

Ich habe es nicht bereut. Beim Eintritt in den Sesselsaal vernahm ich leise Jazzmusike aus dem Hause Blue Note Records und erkannte sogleich den Interpreten, den genialen Bud Powell (bitte nicht mit Baden Powell verwechseln) mit seinem verrückten Klavierbonbon "Un Poco Loco". Ob die allmächtige Matrix damit etwa mich und meinen kalauernden Kompagnon meinte?

Bereits die ersten Bilder des Films "Bild aus hunderttausend Steinen" waren ein Vergnügen. Bonbonfarbener Fünfziger-Jahre-Schick durchblumte eine lebendig quirrlende Stalinstadt. So habe ich mir das immer gewünscht und Otto Schutzmeister vermutlich auch. "Ein sozialistisches Shangri-La" nennt es der Junge von nebenan in seiner Besprechung. Der Wändekünstler Walter Womacka stieg mit einem Kompagnon aus einem Bus mit Werksarbeitern und strebte dem Rathaus (egtl. Hausse der Parteien und Massenorganisationen)... [hier fehlt ein Teil des Textes]

Der Film zeigt, wie aus einer Idee ein Bild und schließlich ein Mosaik wird. Eine Heidenarbeit! Nun sehe ich das Mosaik im Foyer des Rathauses mit ganzen anderen Augen und will unbedingt demnächst wieder hin. Sogar Obama ist oben rechts abgebildet. Da hätte die allmächtige Matrix anfangs auch noch den Blue Note-Klasiker "Mosaic" von Art Blakey & his Jazz Messengers einspielen können, aber vielleicht waren Ben und ich da noch draußen an der Kasse.

Alles weitere könnt ihr nebenan lesen. Tschüß!

Montag, 15. September 2008

Freund Blase Trübsal

Unter Freunden ernsthafter Musik ist er seit Jahren ein Unbekannter geblieben: Daniel Trübsal. Als Gründer des Sinnfonie Ohrchesters Stahlinstadt (SOS) wollen vor allem die Liebhaber experimenteller und klassischer Musik nichts von ihm hören. Vergessen sind seine Kompositionen "Schnick schnack schnuck", "Heidschibumbeidschi in D-Moll" oder "Tsching-derassa-bumm". Auch die Tantiemen für die Möbiskruger Ortshymne "Möbis in der Kruge saß und schlief" gehen auf sein Konto. Heute begeht Daniel Trübsal Selbstmord oder seinen 50. Geburtstag. Anlässlich des Jubiläums führt das Friedrich-Wolf-Theater eine einwöchige Retropektive durch.

Dabei hatte es anfänglich nicht gut ausgesehen mit der Karriere des Daniel Trübsal, denn zweimal kam er als Fehlgeburt zur Welt. Vater Hartmut war im Eisenhüttenkombinat beschäftigt und wollte darum, dass sein Sohn unbedingt ein Blechblasinstrument erlernt. Die Wahl fiel aus praktischen Erwägungen heraus auf eine Tuba, da der Sechsjährige dieses Instrument auch noch als Indianerzelt und Kanonenattrappe verwenden konnte.

Doch der junge Trübsal quälte sich mit dem Instrument. Nachbarn und Verwandte gaben Geld, damit er aufhörte zu spielen. Daraus wäre sicherlich eine gute Einnahmequelle erwachsen, wenn Trübsal nicht an Tubakulose erkrankt wäre, einer Berufskrankheit. Nun musste ein Ausweichinstrument her und Guter Rat, die Haushaltszeitschrift der DDR, war schwer zu bekommen. Da der Vater der gerade aufkeimenden Schwulenbewegung feindlich gesonnen war, schied das Blasen der Posaune aufgrund ihres Klangs schon mal aus (diese klang eben nach Po-Sauna). Ebenso das Sacksophon.

Endlich konnte sich der Sohn durchsetzen und ein Holzblasinstrument erlernen. Es war so klar wie der Ton der Klarinette, dass der Blasebalg die Oboe erwählte. Schon bald spielte er die Oboe wie ein junger Fagott. Mühelos kletterte er die Tonleitern rauf und runter und erfand nebenbei neue Goldbergvariationen. Schnell wurde er zum Vorzeigeschüler der Musikschule Stahlinstadt. Die Eltern der anderen Musikschüler waren frustriert, denn Trübsal kam immer zum Vorspiel. Mit zwölf Jahren war Daniel das erste Mal neben dem Radio zu hören, auch verschiedene Zeitungen und Zeitschriften erschienen. Die zunehmende Aufmerksamkeit der Erwachsenen an seinem Talent erweckte das allgemeine Interesse der Mädchen am Tuten und Blasen. So mancher Stahlinstädter bekam infolgedessen die Flötentöne beigebracht.

Mit 18 Jahren ließ Trübsal die Klassik abrupt hinter sich. Unter dem Einfluss des Komponisten Steve Reich wandte er sich den Techniken des Minimalismus zu und begann mit der Arbeit an eigenen Stücken, zum Beispiel "Oboey" oder "Singular Song". Stipendien führten ihn nach Polyphonesien und in die Musikalische Republik Blasilien (BPM), wo er Bekannschaft mit afrikanischer Rhythmik machte und sich dem Jazz zuwandte. Zusammen mit farbigen Musikern wohnte er in einem besetzten Haus, regelmäßig kam es zu nächtlichen Jamsessions. Gern erinnert er sich an diese Zeit:

"Die Nachbarn schimpften immer und drohten mit der Polizei: Eure Musik ist zu laut, macht Malaysia!"

In den Neunzigern brachte er mehrere Platten auf den Markt. Die LPs hatten unnütz im Regal gestanden und waren nach dem Komplettumstieg auf CD nicht mehr vonnöten. Sein Plattenstand auf dem Bauernmarkt ist legendär. 1999 erfolgte die Gründung des Sinnfonie Ohrchester Stahlinstadt (SOS) als Straßenensemble. Über Jahre begleitete das SOS die Ortskontrollfahrten in der Linden Alley. Trübsals bekannteste Kompositionen stammen hauptsächlich aus dieser Periode, beispielsweise "Stiel mir den Beat vom Brot" oder "Quasi-Mode".

Feiern wir darum heute einen ganz Großen – feiern wir Lee "Scratch" Perry!

Donnerstag, 8. Mai 2008

Da staunte Konrad Wachsmann: Ein Friedrich-Wolf-Theater in der Stalinstadt?


Bereits an anderer Stelle hat das Logbuch Stahlinstadt eine Passage aus dem Wachsmann-Report zitiert, die sich mit Eisenhüttenstadt beschäftigt. Jetzt gibt es neue Fertignahrung für die Bildungshungrigen unter Euch Lesern.

Der in Frankfurt an der Oder geborene Architekt Konrad Wachsmann musste während der Nazi-Diktatur in die USA ins Exil gehen und besuchte 1979 die DDR. Der Wochenpost-Redakteur Michael Grüning plante ein Interview (welches sich dann zur wahren Auto-Biografie ausweitete, dem "Wachsmann-Report") und begleitete Wachsmann auf seiner Rundreise durch Ostdeutschland, die ihn auch zur Stippvisite nach Hütte führte.

Zu den Teilen, die während der DDR-Diktatur (Ja, es war eine!) nicht erscheinen durften, äußerte sich Grüning in einer Neuausgabe seines Buchs 2001 - im Epilog II: Vom schwierigen Umgang mit der Wahrheit. Darin geht es vorangig um kritische Exil-Erfahrungen, die Wachsmann mit Exilanten machen musste, die später in der DDR hohe Posten bekleideten, wie zum Beispiel Walter Ulbricht, Alexander Abusch oder Kurt Liebknecht. Darin habe ich folgendes entdeckt:

"Unveröffentlicht, aber unvergessen ist auch eine andere Erinnerung von Konrad Wachsmann, die möglicherweise zu unvorstellbaren Konsequenzen geführt hätte. In Eisenhüttenstadt, dem früheren Stalinstadt, erinnerte er sich beim Vorbeifahren am Friedrich-Wolf-Theater an den Dramatiker und Arzt, der im Kulturleben der Weimarer Republik zu den bekanntesten Persönlichkeiten gehört hatte und dessen 1934 in Zürich unter dem Namen "Professor Mannheim" uraufgeführtes Drama "Professor Mamlock" weltberühmt geworden ist. Nach der Premiere im Zürcher Schauspielhaus hatte es von Nazis angezettelte Krawalle gegeben, durch die das Drama über Nacht auch für internationalen Gesprächsstoff sorgte. Wachsmann hatte den Dramatiker aber bereits in Deutschland kennengelernt und war ihm im Exil wiederbegegnet [...]

Vor dem Friedrich-Wolf-Theater in Eisenhüttenstadt berichtete Wachsmann, dass Friedrich Wolf große Angst davor gehabt hätte, wieder in die Sowjetunion zu gehen, obwohl seine Familie (z. B. Konrad und Markus Wolf) in Moskau lebte. Viel lieber wäre er in die USA emigriert, die ihm jedoch kein Visum erteilt hätten.

Von Lion Feuchtwanger habe er später erfahren, dass Friedrich Wolf in der Sowjetunion schon früh zu den extrem gefährdeten Personen gehörte und deshalb 1938 nach Spanien wollte, dann aber in Frankreich bleiben musste. Wachsmann fand es deshalb kurios, ausgerechnet in der früher nach Stalin benannten Stadt ein Friedrich-Wolf-Theater vorzufinden."

Dazu muss ich erwähnen, dass unter Stalins Herrschaft viele Exilanten plötzlich "verschwanden" oder in sibirische Lager kamen. Friedrich Wolf drohte wohl ein ähnliches Schicksal, dem er jedoch entgangen ist, denn er starb 1953 kurz nach Stalin in der DDR.

Montag, 8. Mai 2006

Aufgegabelt

Der Saschi hat, was wohl jeder gern hätt',
drum zeigen wir es hier im Internet.
Gänzlich einzigartig, ja fa-bel-haft
- man betrachte nur den Gabelschaft!
An den vier plus zehn Buchenstaben
kann man sich trotz leerem Teller laben
Die Augäpfel sehen sich dran satt,
denn dort steht "Krh Stalinstadt".

Bereitgestellt von Saschi. Danke.