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Dienstag, 25. April 2006

Projekt Stadtwörterbuch 1

Die Globalisierung bestimmt nicht nur die Weltmarktpreise für Eisenerz und Stahlerzeugnisse. Auch die Sprache wird vereinheitlicht, Unterschiede gereichen oft zum Nachteil. Der Trend geht zur Hochsprache, die Dialekte sterben langsam aus. Das Fernsehen spricht Hochdeutsch, Plattdeutsch oder Sächsisch werden spöttisch belächelt. Und irgendwann spricht alle Welt Englisch. Oder Chinesisch. Oder Indisch.

In der Stadt der Metallurgen hat sich über die Jahre ein eigenes Idiom entwickelt, das einen metallischen Grundcharakter trägt und das in diesen Zeiten der Krise verloren zu gehen droht. Darum startet das Logbuch Eisenhüttenstadt, Euer treuer Freund und ständiger Begleiter, die Aktion "Projekt Stadtwörterbuch". Ziel ist es, Eisenhüttenstadt-typische Vokabeln schriftlich zu fixieren und irgendwann in Buchform der Nachwelt zu überliefern. Hier einige Beispiele:

1) abkupfern = kopieren/plagiieren
2) Diebstahl = geklautes Metall
3) Eisenach = Aufstöhnen eines Hochöfners (»Eisen – ach!«)
4) Eisenherz = Alterserscheinung
5) Eisenhower = mittelhochdeutsches Wort für den Beruf des Metallurgen (Eisenhauer)
6) Eisenhut = Stahlhelm, typische Kopfbedeckung eines Hochöfners
7) Eisenhütte = Nachfolgemodell der Holzhütte
8) eisern sein = gestählt sein
9) eiserne Lunge = Berufskrankheit bei Hochöfnern
10) Eiserner Vorhang = Fenstergitter
11) Eisenmangel = Rohstoffwechselkrankheit
12) Hochofen anblasen = erotisches Vorspiel

(wird fortgesetzt)

1 Kommentar:

  1. Nicht zu vergessen EISENMANGEL, neuhochdeutsch als (Kalt- oder Warm)Walzwerk übersetzt, und EISENGEL, was sich der Facharbeiter für Hochofentechnologie gern für die Disse in die Haare schmiert.

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